Nein zu längeren Öffnungszeiten im Handel!

Die Unruhe bei großen Teilen des Personals ist nach wie vor recht groß. Denn die Forderung nach län­geren Ladenöffnungszeiten steht weiterhin im Raum.

An Samstagen sollen die Geschäfte womöglich bis 20.00 Uhr geöffnet bleiben, so der Wunsch der Großkettenbetreiber. Manch einer schoss sogar noch darüber hinaus und forderte die völlige Deregulierung der Öffnungszeiten. Die Angst beim Personal, das überwiegend aus Frauen besteht, dass sich die großen Geschäftsketten mit ihrer Forderung durchsetzen können, ist groß. Und sorgt immer wieder für regen Gesprächsstoff.

In einer letzten Umfrage hatten sich knapp 26 Prozent der Kundschaft für längere Öff-nungszeiten ausgesprochen. Drei von vier Kunden waren also mit den jetzt bestehenden Öffnungszeiten zufrieden. Was im Interesse der Beschäftigten sonder Zweifel zu begrüßen ist.
Des Weiteren ist die Frage berechtigt, wieso eigentlich nach wie vor von längeren Öffnungszeiten die Rede ist, wenn zunehmend Haushalte über eine deutliche Schrum-pfung ihrer Kaufkraft klagen. Schließlich kann man nicht mehr Geld ausgeben, als es der Geldbeutel zuläßt.

Hinzu kommt, dass nur große Ketten sich längere Öffnungszeiten leisten und kleinere Familienbetriebe der Konkurrenz nicht standhalten könn­ten. Nicht ausgeschlossen wäre sogar, dass kleineren Läden deswegen womöglich dicht machen müßten. Was einen weiteren Arbeitsplatzabbau zur Folge hätte.

Schon heute haben viele Beschäftigte im Handel Probleme, um Arbeit und Familie unter einen Hut zu bekommen. Die zunehmende Flexibilisierung der Arbeitszeitorganisation und die daraus resultierenden Schichtenpläne machen es den Mitarbeiterinnen immer schwieriger, Pläne für Familie, Freunde und Freizeit abzustimmen. Und dennoch soll den Beschäftigten über den Weg der Lissabon-Strategie eine noch größere Flexibilität abverlangt werden.

Bessere Löhne statt längere Öffnungszeiten

Ein Großteil der Beschäftigten im Handel sind Mindestlohnempfänger, die vielfach Schwierigkeiten haben, mit ihrem Einkommen über die Runden zu kommen. Fakt ist, dass die vom Patronat in Aussicht gestellten Zuschläge bei längeren Öffnungszeiten ihnen wohl kaum merklich aus der Klemme helfen würden. Hierzu würden sich höhere Löhne schon eher eignen.

Hinzu kommt, dass die Mehrzahl aller Beschäftigten Kinder haben und immer wieder mit Problemen konfrontiert sind, ihre Kleinen während der Arbeitszeit betreut zu bekommen, zumal die Strukturen für Kinderbetreuung auch nach Einführung der Gutscheine (chèques-service accueil) Mangelware und für viele kaum finanzierbar bleiben.

Das Schaffen von Betriebskrippen und staatlichen Einrichtungen, die sich auch Mindestlohnempfänger problemlos leisten könnten, sind deshalb dringend nötig. Auch drängt sich unbedingt eine Anpassung der Öffnungszeiten dieser Strukturen an die Öffnungszeiten im Handel auf.

Parteien und Gewerkschaften sind in dieser Hinsicht auf jeden Fall gefordert. Alle Schaffenden sollten sich jedoch bewusst sein, dass die Gewerkschaften nur soweit etwas bewirken können, wie ein jeder einzelner bereit ist, selbst mit Hand anzulegen.

Marceline Waringo

Samstag 7. März 2009