50 Jahre kubanische Revolution:

Die Tage des Sieges

Wie die Aufständischen Batistas Panzerzug knackten und den Weg nach Havanna freimachten

Auf den Hügeln von El Cápiro wurde weiter Widerstand geleistet, und dort kämpften wir am 30. (Dezember 1958) während des ganzen Tages, wobei wir gleichzeitig nach und nach verschiedene Punkte der Stadt einnahmen. Schon zu jenem Zeitpunkt waren die Verbindungen zwischen dem Zentrum von Santa Clara und dem Panzerzug abgeschnitten. Als seine Besatzung sich in den Höhen von El Cápiro umzingelt sah, versuchte sie, auf dem Schienenweg zu entkommen, und sie geriet mit ihrer ganzen großartigen Ladung auf das Nebengleis, das wir vorher zerstört hatten, und dort entgleisten die Lokomotive und einige Waggons.

Darauf entbrannte ein sehr interessanter Kampf, bei dem die Männer mit Molotow-Cocktails aus dem Panzerzug herausgeholt wurden, in dem sie großartig geschützt, jedoch nur darauf eingerichtet waren, aus der Entfernung, von bequemen Stellungen aus und gegen einen praktisch wehrlosen Feind zu kämpfen, wie es die Kolonisatoren mit den Indianern des nordamerikanischen Westens gemacht hatten.

Von Männern bestürmt, die aus nahe gelegenen Stellungen und aus direkt danebenstehenden Waggons Flaschen mit brennendem Benzin warfen, wurde der Zug – wegen der Panzerung – zu einem wahren Backofen für die Soldaten. Innerhalb weniger Stunden ergab sich die gesamte Besatzung, und in unsere Hand fielen ihre zweiundzwanzig Waggons, ihre Fliegerabwehrkanonen, ihre Maschinengewehre gleichen Typs, ihre fabelhaften Mengen an Munition. (Fabelhaft waren sie selbstredend wegen unserer geringen Mannschaftsstärke.) ...

Zu jenem Zeitpunkt mußte sich nur noch die Kaserne »Leoncio Vidal« – die größte Festung des Zentrums der Insel – ergeben. Aber am 1. Januar 1959 gab es bereits Anzeichen wachsender Schwäche unter den Verteidigern. Im Morgengrauen jenes Tages beauftragten wir die Hauptleute Nuñez Jiménez und Rodriguez de la Vega, die Übergabe der Kaserne zu vereinbaren. Die Nachrichten waren widersprüchlich und außergewöhnlich: Batista war an jenem Tag geflohen, und das Oberkommando der Streitkräfte brach zusammen. …

Die folgenden Ereignisse sind allgemein bekannt: Fidels Befehl, auf die Stadt Havanna zu marschieren; die Übernahme der Führung des Heeres durch Oberst Barquín, nachdem er aus dem Gefängnis auf der Isla de Pinos kam; die Einnahme der Militärstadt »Columbia« durch Camilo Cienfuegos und der Festung »La Cabana« durch unsere Kolonne acht, nach wenigen Tagen schließlich die Einsetzung Fidel Castros als Ministerpräsident der Provisorischen Regierung. All das gehört zur politischen Zeitgeschichte des Landes.

Jetzt nehmen wir eine Stellung ein, in der wir viel mehr als einfache Angehörige einer Nation sind; in diesem Augenblick verkörpern wir die Hoffnung des unbefreiten Amerikas. Alle Augen – die der großen Unterdrücker und die der Hoffenden – sind auf uns gerichtet. Von unserer Haltung, die wir in Zukunft einnehmen werden, von unserer Fähigkeit, die vielfältigen Probleme zu lösen, hängt sehr weitgehend die Entwicklung der Volksbewegung in Amerika ab, und jeder Schritt, den wir tun, wird von den allgegenwärtigen Augen des großen Gläubigers und von den zuversichtlichen Augen unserer Brüder in Amerika aufmerksam verfolgt.
Auszug aus: Ernesto Che Guevara: »Kubanisches Tagebuch«. Zuerst veröffentlicht in »O Cruzeiro«, 16. Juni, 1. Juli und 16. Juli 1959.

Ernesto Che Guevera

Mittwoch 7. Januar 2009