Hilfe kommt nicht an

Die Menschen in Gaza frieren und haben kaum Zugang
zu Wasser, Strom und Nahrungsmitteln

Ungeachtet des Aufrufs der Gaza-Geberkonferenz am vergangenen Montag »vollständig, sofort und bedingungslos« die Blockade des Gazastreifens zu beenden und Hilfsgüter passieren zu lassen, erklären UNO- und andere Hilfsorganisationen, daß ihre Arbeit weiter durch willkürliche Grenzschließungen Israels behindert wird.

Etwa 80 Prozent der Hilfsgüter, die Israel durchlasse, seien Grundnahrungsmittel, hieß es in einer Erklärung des UNO-Büros für humanitäre Angelegenheiten (OCHA). Die Einfuhr von Baumaterialien und Ersatzteilen für die Wiederherstellung von Häusern und Werkstätten, Wasser- und Abwasseranlagen sei weiter verboten. Die Wasserbehörde des Küstenstreifens erklärte, daß 50.000 Menschen noch immer ohne Wasser seien, 100.000 weitere erhielten nur alle sieben bis zehn Tage Wasser aus Containerwagen.

Trotz winterlicher Kälte funktioniert auch die Stromversorgung schlecht. 90 Prozent der Bevölkerung erhielten nur wenige Stunden Strom pro Tag, zehn Prozent hätten gar keinen Zugang zum Stromnetz, so OCHA. 124 Paletten Makkaroni und 30 Tonnen Kichererbsen warteten seit nunmehr einem Monat auf die Einfuhrgenehmigung und 57 Kartons mit Kinderspielzeug des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF dürften nicht eingeführt werden, weil sie nach Auskunft zuständiger israelischer Behörden nicht »humanitär dringlich« seien.

Da Israel bereits seit 2007 die Grenzübergänge in den Gazastreifen nur willkürlich öffnet und sich das Recht nimmt zu entscheiden, wer oder was ein- oder ausreisen darf, haben die Palästinenser an der südlichen Grenze zu Ägypten Hunderte von Tunnel gebaut, durch die unter Lebensgefahr dringend benötigte Lebensmittel, Medikamente und Waren eingeführt werden. Trotz vereinbarter Waffenruhe hat die israelische Luftwaffe die Tunnelanlagen wiederholt bombardiert, offiziell, um Waffenschmuggel zu unterbinden. Am Dienstag wurden bei sieben solcher Angriffe vier Menschen verletzt. Kurz zuvor waren fünf Menschen getötet worden, als ein Tunnel zusammenbrach.

Während die ausgebombten Menschen von Gaza versuchen, ihre Hütten und Zelte provisorisch vor winterlichen Regenfällen zu schützen, damit ihre Kinder im Schlaf nicht von den Fluten fortgespült werden, wie eine Palästinenserin einem Kamerateam unter Tränen erzählte, hatten Außenminister aus etwa 80 Ländern in den weich gepolsterten Lehnstühlen eines Luxushotels im ägyptischen Badeort Scharm el-Scheich viel Geld aufgeboten, um wiederaufzubauen, was Israel nicht zum ersten Mal, dafür aber um so gründlicher zerstört hatte.

4,5 Milliarden US-Dollar kamen zusammen, wobei ein Teil des Geldes zur Entwicklung der besetzten palästinensischen Gebiete in der Westbank eingesetzt werden soll. Saudi Arabien gab mit einer Milliarde US-Dollar die größte Summe. Die USA folgen mit 900 Millionen Dollar, wobei das Geld keinesfalls an die Hamas gehen dürfe, wie US-Außenministerin Hillary Clinton betonte. »Extremisten« werde man nicht unterstützen. Man weigert sich hartnäckig, die politischen Realitäten der Palästinenser anzuerkennen, »insbesondere die Legitimität und die Position der Hamas«, kommentierte der renommierte Journalist Rami Khouri in der libanesischen Tageszeitung »The Daily Star«.

Karin Leukefeld

Freitag 6. März 2009