Patronat zeigt kaum Interesse an Jobbörse

Von mehr als 500 eingeladenen Betrieben wollen sich weniger als 70 an der Bourse nationale de l’emploi beteiligen

In Form einer Jobbörse finden in zwei Wochen die Journées nationales de l’emploi in den Luxexpo-Hal-len auf dem Kirchberg statt. Doch seitens des Patronats hält sich das Interesse in engen Grenzen. Wie Arbeitsminister François Biltgen am Mittwoch am Sitz der Adem erklärte, hat die Arbeitsmarktverwaltung in den vergangenen Wochen mehr als 500 individuelle Einladungen an potentielle Aussteller verschickt. Angesichts der Wirtschaftskrise habe man sich dabei »auf Branchen beschränkt, die noch einstellen wollen«. Trotzdem haben bisher noch nicht einmal 70 Firmen einen für sie kostenlosen Stand auf der Bourse nationale de l’emploi angemeldet.

Die auf der vom Arbeitsministerium betreuten Internetseite der Journées nationales de l’emploi (www.jne.lu) dokumentierte Teilnehmerliste führt zwar insgesamt 70 Aussteller auf, die von A wie A CoRe Consulting SA bis Z wie ZARABINA a.s.b.l. reichen, doch werden mit Institutionen wie der Salariatskammer, der Handelskammer, der Handwerkskammer, der Adem selbst oder dem Forum pour l’Emploi auch Aussteller aufgeführt, die sicherlich nicht beabsichtigen, selbst Neueinstellungen vorzunehmen.

Wenn man nun noch private Zeitarbeitsfirmen wie Randstad, Manpower, Adecco, die auf die Finanzbranche spezialisierte Axis Jobs, Atwork, Chrono Interim oder Start People sowie Vereinigungen, die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen anbieten, abzieht, weil von ihnen nur prekäre Arbeitsverhältnisse zu erwarten sind, dann bleiben von den 70 Ausstellern nur noch ein paar Einzelhandelsketten wie Auchan, Cactus und Delhaize, Banken und Versicherungskonzerne, die fast ausschließlich Uniabsolventen und anderen Hochqualifizierten Jobs anbieten, sowie öffentliche Verwaltungen und Ministerien, die Armee und die Polizei.

Größere Industriebetriebe sucht man, abgesehen von Guardian, wo Glasprodukte für die Bau- und Autoindustrie hergestellt werden, vergeblich auf der Teilnehmerliste. »Wir hätten gerne mehr gehabt«, bedauerte Biltgen. Es sei aber müßig, darüber zu spekulieren, »ob das Glas nun halb voll oder halb leer ist«. Trotz dieser widrigen Umstände hätten Adem und Arbeitsministerium entschieden, die Jobbörse, auf der Arbeitslose mit Arbeitsangeboten zusammengebracht werden sollen, nicht abzusagen. Die Adem habe in den vergangenen Tagen sogar Betriebe direkt angerufen und er habe noch am Dienstag auf der Tripartitesitzung einzelne Patronatsvertreter angesprochen, um sie zur Teilnahme zu bewegen.

Auf der anderen Seite hat die Adem 18.500 bei ihr eingeschriebene Arbeitsuchende sowie Sekundarschüler der beiden letzten Klassen zur Jobbörse einbestellt. Diesen empfiehlt Biltgen, »am besten gleich einen Lebenslauf mitzubringen«, damit sie leichter mit dem potentiellen neuen Patron in Kontakt kommen. Wobei Biltgen die Meßlatte ziemlich niedrig legte. »Wenn nur 200 einen Arbeitsplatz finden, dann ist das schon ein Erfolg.«

Die Bourse nationale de l’emploi findet am Freitag, dem 20. März von 10 bis 19 Uhr und am Samstag, dem 21. März von 10 bis 18 Uhr in den Hallen der Luxexpo auf dem Kirchberg statt. Die diesjährige Conférence nationale de l’emploi kündigte Biltgen hingegen erst für September oder Oktober an. Weder sei es sinnvoll, sie zusammen mit der Jobbörse durchzuführen, noch habe sich der letztjährige Termin kurz vor den Sommerferien als sinnvoll herausgestellt.

oe

Oliver Wagner : Donnerstag 5. März 2009