Neue CD mit Emma­nuel Krivine und dem OPL

Zwei Meisterwerke von Ivo Malec

Die Einspielung unter der Lei­­tung von Emmanuel Kri­vine (Timpani 1C1153) vereinigt zwei Werke des Kompo­nisten Ivo Malec (*1925): »Epi­stola«, eine Kantate für Solisten, Chor und Orchester, die zur Eröffnung des Kultur­jahres 2007 in Luxembourg uraufgeführt wurde, und das Cellokonzert »Arc-en-cello«.

Solisten: Claudia Barain- s­ki, Sopran, Marjana Lipovsek, Mezzo-Sopran, Robin Leg­gate, Tenor, Ralf Lukas, Bass, und Ilia Laporev, Violoncello.
Im Titel Arc-en-cello findet man einerseits eine Ans­pie­lung auf eine schier unendliche Welt der Farben, andererseits huldigt er dem »geheimnisvollen« Cello. Dieses In­­stru­­­ment lässt uns staunen, wenn es mit seiner erstaunlichen Klangweite nahezu perfekt Frauen- und Männer­stim­men imitiert, oder auch wenn der Bogen den Cellokörper be­ar­beitet und dabei fast schreien und strudeln lässt... es ist, also würde er leben und tanzen. Die Töne, die dabei herauskommen, möchten we­der Dialog noch Partnerschaft sein, sondern schlichte und einfache Verschmelzung.

Das Stück Epistola ist der musikalischen Sprache von Arc-en-cello nicht unähnlich, aber meilenweit davon entfernt, wenn es um seinen Ur­sprung, seine Reichweite, sei­ne Ambitionen und seine Form geht. Der Komponist selber schrieb darüber: »Vor un­gefähr zehn Jahren las ich die französische Übersetzung eines lateinischen Textes, ei­nes erschütternden Briefes, der 1522 von dem außer­ge­wöhnli­chen kroatischen Dich­ter und Humanisten Marko Ma­rulic (Split, 1450-1524) an Papst Adrien VI. gerichtet wurde; er flehte um dessen Hilfe im Kampf gegen die Türken, die vor den Toren seiner Heimatstadt angekommen waren. Was mich an diesem Text wirk-lich bestürzt hatte, war die ins Auge stechenden Parallele zwischen der Be­schrei­bung Marulic’s der Schre­cken dieser Invasion und derjenigen, die mein Heimatland im Krieg erlitten hat­te. Auch wenn der spirituelle Inhalt dieser Epistel und seine literarische Form nicht offensichtlich zur musikalischen Um­setzung aufrufen, hörte der Musiker in mir den Klang sofort«.

Der Komponist ließ die Idee zehn Jahre reifen, bevor er eine ausgiebige Partitur auf Basis des Briefes entwarf. Um der Gesamtheit die nötige Dra­maturgie zu geben, balancierte er die verschiedenen Teil­stücke, welche von einer oft mitreißenden Gewalt sind, durch häufige Ruhepausen oder plötzliche transparente Momente aus. Er bewahrte die Originalsprache Latein und schuf eine Folge von ver­schiedenartigen Einheiten, in denen das Orchester eine sehr aktive Rolle spielt, der mu­sikalischen Sprache einen konstanten Rahmen bietet und manchmal auch der einzige Hauptdarsteller ist. Das Werk endet mit den Worten »pacis amor«. Darin findet sich die wahre Quelle der Inspiration des Werkes Epi­stola von Ivo Malec.

Ivo Malec wurde in Zagreb geboren und lebt seit 1959 in Frankreich. Er ist seit 1960 Mit­glied des GRM (Groupe de Recherche Musicale) und präg­te einen zutiefst persönlichen instrumentalen Stil. Ma-lec fühlte sich immer von der Mischung verschiedener Genres und Techniken angezogen und integriert sie in seine Arbeit mit Orchestern, instrumentalen und Gesangs­gruppen, auf der Bühne und bis hinein in den elektro-a­kus­tischen Bereich.

Die ganze Diskographie des OPL auf dem Internet: www.opl.lu

Donnerstag 5. März 2009