Unser Leitartikel:
Huet d’Resistenz keng Helden?

Ist es nicht eigenartig, wenn anlässlich der »Journée nationale de la Résistance« behauptet wird, »D’Resistenz huet keng Helden«? Auf jene, deren »Resistenz« sich darauf beschränkte, an Großherzoginsgeburtstag rot-weiß-blaue Socken anzuziehen, mag das zutreffen. Aber jene Männer und Frauen, die ganz bewusst aktiv antifaschistische Resistenz leisteten, Flugblätter gegen die Nazis verteilten, antifaschistische Parolen an die Wände malten, gegen die Nazis streikten, Wehrmachtflüchtigen halfen, in den bewaffneten Untergrund gingen und oft noch im KZ Widerstand leisteten, das waren HELDEN.

Nicht weniger empörend ist, wie der Tag der nationalen Resistenz von den Herrschenden im CSV-Staat dazu missbraucht wird, den Widerstand gegen die faschistische Terrorherrschaft auf nationale Motive (»d’Heemecht«) zu reduzieren und dazu noch religiös zu verklären.

DIE Resistenz hat es jedenfalls niemals gegeben, sowie man auch nicht generell von DEN Idealen der Resistenz reden kann. GEMEINSAME IDEALE gab es ganz gewiss nicht zwischen jenen, die aus erzkonservativen Kreisen kamen und zum Teil rassistisch, antisemitisch und antikommunistisch waren und für die Schaffung eines Ständestaates eintraten, und den Kommunisten, deren Resistenz gegen die Nazis nicht erst mit dem Überfall Hitlerdeutschlands auf unser Land begann.

Uns geht es dabei nicht darum, die kommunistische Resistenz zu glorifizieren und alle anderen Resistenzgruppen als »quantité négligeable« hinzustellen.

Im Gegenteil. Bereits während der Nazibesatzung war die kommunistische Resistenz darum bemüht, den antifaschistischen Kampf gemeinsam mit sozialdemokratischen, liberalen und christlichen Resistenzlern zu führen.

Heute aber wird der Widerstandskampf der Kommunisten in der Regel unterschlagen, obwohl die KPL die einzige politische Partei war, die sich geweigert hatte, sich aufzulösen und stattdessen in den Untergrund ging.

Dieser Bann trifft übrigens nicht nur die kommunistische Resistenz, sondern auch bürgerliche Resistenzler, die den Herrschenden nicht genehm sind, weil sie sie nicht uneingeschränkt für ihre Zwecke einspannen können. Dass die Post sich weigert, eine Briefmarke mit dem Porträt des bekannten Resistenzlers Albert Ungeheuer herauszugeben, ist nur die Spitze des Eisbergs.

Unterschlagen wird in der Regel auch, dass wir keine geeinte Nation von Resistenzlern waren, sondern dass es vielleicht mehr »Gielemäennercher« als Resistenzler gab, und ein großer Teil des damaligen Establishments aus Politik, Justiz und Wirtschaft mit den Nazis kollaborierte und dafür nie zur Rechenschaft gezogen wurde. Aber das gehört bis heute zu den Fundamenten des CSV-Staates, so dass die wahren Helden der Resistenz zum großen Teil aus den Geschichtsbüchern verbannt bleiben, während die »mémoire collective« sich ihrer immer weniger erinnert, und die Jugend weder die antifaschistischen Widerstandskämpfer, noch die Gründe für das Aufkommen der faschistischen Barbarei nach der großen Finanz- und Wirtschaftskrise von 1929 kennt.

Das das ist wohl auch so gewollt.

Ali Ruckert

Ali Ruckert : Mittwoch 4. März 2009