Mit der Armee um die ganze Welt

In Afghanistan, auf dem Balkan und in Afrika: Derzeit befinden sich 36 luxemburgische Soldaten in Auslandseinsätzen

War im Staatshaushalt für 2006 bereits eine halbe Million Euro für sogenannte »missions de prévention et de gestion de crise« vorgesehen, so verzwanzigfachte die CSV/LSAP-Regierung diesen Budgetposten bis zum vergangenen Jahr auf zehn Millionen Euro. Der Internetseite der Armee zufolge befinden sich derzeit 36 luxemburgische Soldaten in Afghanistan, auf dem Balkan und in Afrika in Auslandseinsätzen.

23 Militärs – ein Offizier, drei Unteroffiziere, zwei Korporale und 17 Soldaten – beteiligen sich derzeit an der »Kosovo Force« (KFOR) der NATO in der südserbischen Provinz Kosovo. Bei dem seit Januar 2000 laufenden Einsatz handelt es sich um eine »Folge-Folge-Operation« des NATO-Angriffskrieges gegen Jugoslawien vom 24. März bis zum 10. Juni 1999. Laut Armeeminister Nicolas Schmit, der dem Luxemburger KFOR-Kontingent Anfang Februar einen Besuch abstattete, ist der jüngste Soldat im Kosovo gerade einmal 18 Jahre alt, der Altersdurchschnitt betrage momentan 23 Jahre.

Der zweite Einsatz der Luxemburger Armee auf dem Balkan findet seit November 2004 unter EU-Kommando in Bosnien-Herzegowina statt. Momentan beteiligt sich ein Unteroffizier an der »Operation ALTHEA« der »European Union Force in Bosnia and Herzegovina« (EUFOR). An der im Juli 2003 eingesetzten und unter NATO-Kommando stehenden »International Security Assistance Force« (ISAF) in Afghanistan beteiligen sich gegenwärtig neun Militärs mit dem roten Löwen am Ärmel: ein Offizier, ein Unteroffizier, ein Korporal und sechs Soldaten. Auch in Afrika zeigt das Großherzogtum militärische Präsens. So beteiligt sich derzeit ein Unteroffizier an der im April 2006 gestarteten »Beratungsmission der Europäischen Union zur Unterstützung der Reform des Sicherheitssektors in der Demokratischen Republik Kongo« (EUSEC RD Congo) und zwei Militärs (ein Offizier und ein Unteroffizier) sind gegenwärtig zur seit April 2008 laufenden »Militäroperation der Europäischen Union zur Unterstützung der UNO-Mission im Tschad und in der Zentralafrikanischen Republik« (EUFOR Tchad/RCA) abkommandiert.

Hingegen wurde die Beteiligung an der »United Nations Interim Force in Lebanon« (UNIFIL) im Dezember 2008 eingestellt. Bei der 1978 ins Leben gerufenen Beobachtermission im Libanon handelt es sich um eine der ältesten aktiven UNO-Missionen. Luxemburg hatte im Oktober 2006 einen Armeesanitäter vom Diekircher Herrenberg in den Libanon geschickt.

Wie es auf www.armee.lu weiter heißt, haben seit Januar 2000, als Luxemburg im Rahmen der KFOR-Mission zum ersten Mal seit dem 1953 beendeten Koreakrieg wieder Soldaten ins Ausland entsandte, 863 Militärangehörige an sogenannten »Missions d’aide humanitaire et opérations de maintien de la paix« teilgenommen. – 60 Offiziere, 128 Unteroffiziere, 34 Korporale, zwei Zivilangestellte und 639 Soldaten. Wobei jeder dieser 863 statistisch gesehen zwei Mal ins Ausland geschickt worden sei.

Im Zuge der noch vom damaligen Ressortchef Luc Frieden im November 2005 angekündigten und von dessen nur drei Monate später ernannten Nachfolger Nicolas Schmit nach monatelangen Verhandlungen mit dem Generalstab und der Berufsvereinigung der Offiziere und Unteroffiziere umgesetzten Armeereform wurde die Dauer des Wehrdienstes von 18 auf 36 Monate verdoppelt.

Um der NATO und der EU die »Planungssicherheit« zu erhöhen, wurden zudem die »Unités de disponibilité opérationnelle« (Udo) geschaffen, in denen vom Generalstab ausgewählte und vom Armeeminister bestätigte Soldaten und Offiziere für Einsätze in Krisengebieten bereitstehen. Damit wurde auch die »doppelte Freiwilligkeit« abgeschafft, nach der bis dahin nicht nur der Wehrdienst, sondern auch die Teilnahme an Auslandseinsätzen »freiwillig« war. – Wenn man einmal vom steigenden ökonomischen Druck absieht, der seine Ursache vor allem in der wachsenden Arbeitslosigkeit insbesondere bei jungen Menschen hat.

oe

Oliver Wagner : Sonnabend 28. Februar 2009