»Studenten sind keine Grundschüler«

Rund 400 Schüler und Studenten gehören mittlerweile der Union Nationale des Etudiant-e-s du Luxembourg (UNEL) an, die sich wie üblich zwischen Weih-nachten und Neujahr, wenn auch die im Ausland studierenden Mitglieder in Luxemburg sind, ein neues Nationalbüro gegeben hat. Dieses wurde am Montagnachmittag auf einer Pressekonferenz in den Räumlichkeiten der Conférence Générale de la Jeunesse Luxembourgeoise (CGJL) in der hauptstädtischen Galerie Kons der Öffentlichkeit präsentiert.

Dem UNEL-Nationalbüro gehören in diesem Jahr der an der Universität Freiburg studierende Nico Fehlen – im vergangenen Jahr bereits Vizepräsident – als Präsident und Morris Weimerskirch, der das Escher Lycée Hubert Clément besucht, als Vizepräsident an. Zum Generalsekretär wurde Pascal Klons bestimmt, der im hauptstädtischen Lycée Technique Michel-Lucius die Schulbank drückt. Ihm wurde Kim Diderich vom Luxemburger Jungenlyzeum als Secrétaire adjointe zur Seite gestellt.

Das Amt des Schatzmeisters bekleidet in diesem Jahr der an der Universität Luxemburg studierende Max Wolter. Zudem wurden Milena Steinmetzer vom Lycée Michel Rodange, Jean Krier, der an der Sorbonne in Paris studierende Bernard Thomas und die ebenfalls in Freiburg studierende Vera Dockendorf, die der UNEL im vergangenen Jahr als Präsidentin vorstand, ins Nationalbüro gewählt. Luc Ramponi wird die UNEL wie gehabt auch in diesem Jahr bei der CGJL vertreten.

Nachdem Vizepräsident Morris Weimerskirch den neuen UNEL-Vorstand präsentiert hatte, bilanzierte Jean Krier die Aktivitäten des vergangenen Jahres. Unter anderem habe man die Zusammenarbeit mit Studenten- und Schülergewerkschaften in Europa ausgebaut, habe im Oktober etwa 150 mehrheitlich jugendliche Demonstranten mobilisiert, die im Rahmen eines internationalen Aktionstages für Privat-sphäre und Datenschutz unter dem Motto »Freiheit statt Angst – Stoppt den Überwachungswahn« vom hauptstädtischen Bahnhof zur Place d’Armes zogen, habe gegen den sogenannten Lissabonner Vertrag der EU sowie von der Regierung zu verantwortende Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber in die Nachfolgestaaten Jugoslawiens mobilisiert und habe sich – wie schon in den Jahren zuvor – für eine ganztägige Gesamtschule ohne Religionsunterricht eingesetzt.

Die beiden Kampagnen für Ganztagsschulen und Werteunterricht würden auch 2009 weitergeführt, versicherte der neue UNEL-Präsident Nico Fehlen. Zudem werde man dagegen protestieren, daß im Rahmen des BTS (brevet de technicien supérieur) während der Schulferien unbezahlte Praktika gemacht werden müssen. An die Leitung der Universität Luxemburg werde sich die UNEL in Kürze wenden, damit diese endlich aufhöre, »Studenten wie Grundschüler zu behandeln«.

Die Hochschüler seien »alt genug, um ihnen eine angemessene Mitbestimmung zuzugestehen« – anstatt sie mit einem einzigen und noch nicht einmal stimmberechtigten Mandat im Leitungsgremium abzuspeisen. Zudem müsse ein Studentenparlament eingerichtet werden, das über ein allgemeinpolitisches Mandat verfügt. – Sprich: das Recht hat, sich auch zu politischen Themen zu äußern, die Forschung und Lehre nicht unmittelbar betreffen.

oe

Oliver Wagner : Dienstag 6. Januar 2009