Pumpspeicherkraftwerk Vianden:

Mehr Leistung mit einer 11. Maschine

Nach dem Wahltermin wird Baubeginn für jene 11. Maschine im Pumpspeicherkraftwerk Vianden sein, von der jetzt schon Jahre gesprochen und an der ebenso lange geplant wurde. Weil Photos für wahlwerbende Politiker von größter Wichtigkeit sind, erfolgt die Grundsteinlegung nicht zu Baubeginn im August, sondern bereits nächste Woche am 4. März. Für Ende 2012 ist die Inbetriebnahme geplant.

Rechtliche Grundlage für das Kraftwerk ist immer noch der Staatsvertrag zwischen Luxemburg und Rheinland-Pfalz vom 10.7.1958. Baubeginn war im Anschluß daran im August 1959, die ersten vier Maschinensätze wurden im Winter 1962/63 in Betrieb genommen, ein Jahr später fünf weitere. Das sind jeweils nebeneinanderstehende Turbinen zu 100 MW, Pumpen zu 70 MW und Generatoren in einem Kavernenkraftwerk.

Im Frühjahr 1970 begannen die Arbeiten für eine 10. Maschine in einem eigenen Schachtkraftwerk, eine umkehrbare Pumpturbine, die im Turbinenbetrieb 196 MW leistet und im Pumpbetrieb 220 MW aufnimmt. Seit der Inbetriebnahme im Herbst 1976 beträgt somit die Gesamtleistung in Vianden im Turbinenbetrieb 1.096 MW, während die Leistungsaufnahme im Pumpbetrieb 850 MW beträgt.

Die 11. Maschine erhält eine Turbinenleistung von maximal 203,3 MW und eine Pumpleistung von maximal 194,4 MW.

Mehr Leistung bedeutet allerdings auch eine kürzere Zeit, in der diese stattfinden kann. Deshalb wird das Stauziel um einen Meter angehoben in den beiden Oberbecken, indem die Ringdammkrone um einen halben Meter erhöht wird: damit wird der Nutzstauraum um 500.000 m³ vergrößert. Es steht dann eine Pendelwassermenge von 7,34 Mio. m³ zur Verfügung, was einen Turbinenbetrieb mit allen 11 Maschinen während 4 Stunden erlaubt (heute sind 4,4 Stunden möglich). Während es heute 7,2 Stunden dauert, bis alles Wasser mit 10 Maschinen wieder hinaufgepumpt ist aus dem Ourtal, wird das künftig mit 11 Maschinen nur mehr 6,3 Stunden dauern.

Die 11. Maschine kriegt wie die 10. einen eigenen Wasserentnahmeturm mit anschließendem Druckkanal und kommt in direkter Nähe der 9 ersten Maschinen in eine eigene Kaverne zu stehen, die 25 m breit, 50 m lang und 49 m hoch ist.

Weil die Kapazität in beiden Oberbecken erweitert wird, muß auch jene im Unterbecken erhöht werden: die Stauhöhe steigt hier um einen halben Meter, weshalb etliche Straßen, Wege und die Brücke über die Our bei Stolzemburg ebenfalls höher gelegt werden müssen.
Spitzenstrom für den Ausgleich im Netz
Eigentlich erzeugt Vianden keinen Strom, denn genau genommen vernichtet es welchen: bevor 75 kW erzeugt wer werden können mit in der Druckleitung herabschießendem Wasser, muß dieses Wasser zunächst hinaufgepumpt werden, wofür 100 kW nötig sind.

Die Operation macht nur Sinn, wenn zu jenen Zeiten, in denen zu viel Strom im Netz ist, dieser billige überschüssige Strom zum Hinaufpumpen verwendet wird. Ist zu Spitzenzeiten nicht genug Strom im Netz, kann Vianden den dann benötigten teuren Spitzenstrom liefern. Und so wird die Vernichtung von 25% Strom vom Energieverlust zum profitablen Geschäft.

Von Anbeginn an hat Vianden ausschließlich im RWE-Netz diese Rolle zur Spannungshaltung und Leistungs-Frequenzregelung mit seiner schnellst anzufahrenden Reserve übernommen, die keine andere Form von Kraftwerk hat. Vianden ist auch ausschließlich von der RWE aus gesteuert worden und nicht vom Sitz der SEO (»Société Electrique de l’Our«) am Rande des Stadtluxemburger Parks.

Mit der 11. Maschine wird sich das nur ein klein bißchen ändern: nachdem nun Cegedel und RWE wie schon lange angekündigt je zur Hälfte für die 150 Mio. € Kosten aufkommen, teilen sie sich auch die Nutzung der damit geschaffenen Kapazität. Die NewCo, in der die Cegedel aufgeht, erhält damit eigenen Spitzenstrom, der dann nicht mehr anderweitig teuer eingekauft werden muß. Die Steuerung von Vianden erfolgt aber auch weiterhin von der RWE.

Grundsätzlich gibt es nach der Liberalisierung am Stromsektor mehr Regelbedarf als zuvor. Mit der Zunahme von Windkraftanlagen, die je nach Windkraft eine plötzlich wechselnde Leistung liefern, wird der Regelbedarf noch weiter zunehmen: Anlagen wie jene in Vianden sind somit eine gute Investition.

EU-Kohle für Vianden

Tief betroffen war die Luxemburger Regierung, als in dieser Vorwahlzeit die EU aus den geplanten 5 Mrd. € für Energieprojekte nichts für Luxemburg abzweigen wollte. Nun ist Energieminister Kre-cké stolz darauf, daß die EU-Kommission seit 22. Februar doch 5 Mio. € für Vianden springen lassen will – allerdings über das Kapitel »Entwicklung der Windenergie im Nordmeer«.

Auch wenn Krecké das jetzt so verkaufen möchte, als ob die 11. Maschine in Vianden die Abnahme des Windstroms im europäischen und Luxemburger Stromnetz erleichtere, so darf dies nicht so verstanden werden, wie wenn mit diesem oder anderem Windstrom Wasser auf den Nikolausberg gepumpt würde.

Das wäre grober Unfug: Vianden wird auch in Zukunft jeden Strom, der momentan zu viel im Netz ist, aufnehmen – unabhängig von seiner Herkunft.

jmj

Samstag 28. Februar 2009