Unser Leitartikel:
Den sozialen Rückgang stoppen

Nahezu 13.000 Arbeitslose Anfang Februar, um die 2.750 Arbeitsuchende in Beschäftigungs- oder Weiterbildungsmaßnahmen, etwa 3.000 Teilinvalide (»reclassement externe«), die ohne Job sind und deshalb in den Statistiken der Adem geführt werden, mehr als 4.000 Grenzgänger weniger innerhalb von nur zwei Monaten, und um die 9.000 Schaffende, die im März auf Kurzarbeit gesetzt wurden – die Situation auf dem Arbeitsmarkt hat sich dramatisch zugespitzt.

Die logische Folge ist, dass auch die sozialen Probleme deutlich zunehmen. Das soziale Netz, das gesponnen wurde, um Menschen in Schwierigkeiten aufzufangen, wird nachweisbar immer durchlässiger.

Verständlich demnach, dass die Ungewissheit in der Bevölkerung permanent wächst und die Zahl jener, die um ihre Zukunft und die ihrer Kinder besorgt sind, immer größer wird. Zumal von Gewerkschaftsseite nicht verschwiegen wird, dass die Zahl der Firmen, die angeben, in Schwierigkeiten zu sein, beängstigende Ausmaße angenommen hat. Auch wenn »noch nicht« offen darüber geredet wird. Auch die mahnenden Worte Junckers, die Folgen der Krise wären womöglich erst in der zweiten Jahreshälfte so richtig zu spüren, deuten in die gleiche Richtung.

Doch auch ohne diese schlechten Perspektiven sind die Probleme, von denen schon heute ein beachtlicher Teil der Bevölkerung betroffen ist, recht groß.

Kein Wunder eigentlich, wenn man sieht, in welche Richtung die Lohnentwicklung hierzulande in den letzten Jahren gegangen ist. Immerhin bezieht heute fast ein Sechstel aller Schaffenden nur mehr den Mindestlohn. Hinzu kommt die Streichung von Überstunden und Sonntagsschichten, sowie die 20prozentigen Lohnkürzungen bei Kurzarbeit. Ein Leben in Würde wird für zunehmend mehr Menschen hierzulande also immer komplizierter.

Wie stets im Kapitalismus, sind es auch diesmal die Schaffenden und die sozial Schwächsten, die am härtesten von der Krise betroffen sind. Trotz aller Wahlbonbons, die in den letzten Monaten noch eifrig von der Regierung beschlossen wurden. Dies belegen nicht zuletzt solche Statistiken, die besagen, dass beispielsweise in der Arbeiterstadt Esch/Alzette die Arbeitslosenquote um ein Vielfaches höher ist als im Landesdurchschnitt. Gleiches gilt übrigens auch für die Quote der RMG-Empfänger.

Wer sozial benachteiligt ist, bekommt dies in der Regel bereits im Kindesalter zu spüren. Auch dies trifft auf Esch zu, wo die Zahl an Jugendlichen, die die Schule ohne Qualifikation verlassen, am höchsten ist. Nahezu 15% höher als der Landesdurchschnitt. Wenn das keine Benachteiligung ist! Die sonder Zweifel ihre negativen Auswirkungen auf das künftige Leben haben wird, zumal Politik und Wirtschaft nicht müde werden zu betonen – ja selbst aus Gewerkschaftskreisen hört man die gleichen Töne –, dass die Zukunft nur mehr hochqualifizierten Arbeitskräften gehören wird.

Diesem sozialen Rückgang muss sich schnellstens entgegengestemmt werden. Dem im Wege steht allerdings das kapitalistische System mit seinen Ausbeutermechanismen und Machtverhältnissen, die in der sogenannten »freien« und »sozialen« Marktwirtschaft stets dafür sorgen, dass die egoistischen Profitinteressen einer Minorität Vorrang haben vor den sozialen Interessen der Schaffenden und ihrer Familien.

Wer dies ändern möchte, muss die Kommunisten stärken – die einzige politische Kraft im Lande, die für eine Systemänderung eintritt.

gilbert simonelli

Gilbert Simonelli : Freitag 27. Februar 2009