Gruppe Becker macht Geschäft in Livingen:

Nationales Fußballstadion an Düdelinger Autobahn

Auf einem Gelände von 15 ha, für das die Gruppe Becker als Bauträger eine Konvention in Händen hält, wird im Rahmen eines kommerziellen Projekts das künftige nationale Fußballstadion entstehen: das ist nun offiziell nach einer Pressekonferenz im repräsentativen Monnericher FLF-Sitz.

Damit kriegt die Fußballföderation FLF ein Spielfeld mit 10.000 gedeckten Sitzplätzen, das allen Regeln von UEFA und FIFA entspricht, was heute nicht der Fall ist. Damit ist klar, daß künftig alle internationalen Spiele dort stattfinden müssen. Was sonst dort noch außer dem Endspiel der Coupe de Luxembourg gespielt wird, steht in den Sternen. Jedenfalls wird das Spielfeld so errichtet, daß es auch für Rugby taugt.
Das Stadion kriegt die FLF um 1 € Miete; sie muß aber für die Betriebskosten aufkommen. Paul Philip erklärte, das könne die FLF natürlich nur, wenn sie das Geld über eine Konvention mit dem Staat erhalte.

Aber Sport- und Wirtschaftsminister Jeannot Kre-cké wollte das so einfach nicht sehen, auch wenn es sicher eine staatliche Unterstützung gäbe, für die er eine Zustimmung von Budgetminister Frieden hat: für den Betrieb des Ganzen soll eine gemischte Gesellschaft gegründet werden, an der die FLF beteiligt wird (womit wurde nicht verraten), und aus deren Gewinnen ihr auch etwas zufließen werde.

Um mit dem berüchtigten Papiertiger IVL konform zu sein, soll auf der Bahnlinie Luxemburg – Bettemburg auf der anderen Seite des Geländes eine Bahnhaltestelle eingerichtet werden: das ist eine schlechte Nachricht für regelmäßige Zugbenützer, denn das bedeutet eine Fahrzeitverlängerung von mindestens 3 Minuten, denn es ist nicht daran gedacht, den Bahnhof Berchem aufzulassen.

Wenn Jeannot Krecké davon sprach, am Invest in diese Anlage werde der Staat nicht beteiligt sein, so war das demnach nicht die ganze Wahrheit: Bahnhalt und die Anbindung an die Autobahnabfahrt gehen unter Garantie zu Lasten der Steuerzahler!

Damit es nicht völlig so aussieht, als habe ein LSAP-Minister einem LSAP-Bürgermeister ein Geschenk gemacht, mit dem gleichzeitig eine künftige LSAP-Ministerin weniger Sorgen hat mit den Geschäftsleuten der längsten Einkaufsstraße des Landes, zählte Krecké ganze 13 Standorte auf, die alle aus dem einen oder dem anderen Grund für nicht machbar erklärt wurden.

Wie das Ganze ausschauen wird, können wir uns laut Minister Krecké einstweilen im schweizerischen Neuchâtel anschauen, wo die Gruppe Becker auch ihre Hände im Spiel hat. Dort gelang es mitten in der Stadt, alle Genehmigung in einem Jahr zu erhalten, Krecké hofft, das werde auch in Livingen zu schaffen sein. Die Gruppe Becker geht von einer Gesamtbauzeit von drei Jahren aus, wobei sie gebeten wird, mit dem Stadion zu beginnen. Tut sie das, sollte es das erste Spiel demnach in etwa in drei Jahren geben. Was dann mit dem Stade Josy Barthel geschieht, ist nicht das Problem von FLF und Krecké.

Eiertanz um Wickringen

Die Gruppe Becker hatte ihre Rechnung zunächst ohne ING Real Estate und Rollinger gemacht: die Handelsflächen, die das Stadion finanzieren und ihren Profit sichern, sah sie im Bereich Gartengestaltung, Sport- & Fitness sowie in einem Factory Outlet, wo das nächstgelegene bekanntlich in Messancy ist. Das würden 1.500 Arbeitsplätze bedeuten, hieß es gestern.

Die Regierung möchte nun aber neuerdings trotz fehlender juristischer Möglichkeiten das Wickringer Projekt mit seinen 1.200 Arbeitsplätzen kippen, unter dem fadenscheinigen Vorwand, es liege laut IVL in einer »interurbanen Grünzone«. Das ist in zweierlei Hinsicht reizvoll: zunächst bedeutet das, daß die Escher Autobahn eine Grünzone ist, aber das Lustigste ist, daß diese IVL-Qualifizierung keinerlei Rechtskraft hat, die Widmung als Gewerbezone in der Gemeinde Reckingen aber schon.
Dem Faß den Boden aber schlägt aus, was Minister Krecké laut gestriger Ansage »mit ein bißchen Vaseline« anstrebt: weil das ganze Projekt Wickringen beim Stadion nicht genug Platz habe, soll der 50%-Anteil der ING Real Estate herausgelöst und nach Livingen verfrachtet werden. Die Frage ist, welches Interesse die ING daran haben soll, ein Stadion zu finanzieren: die wollten schließlich eigene Profite machen.

Die 50% Rollingers sollen aber auch nicht in Wickringen als kleineres Geschäftszentrum entstehen, sondern als Wohngebiet oder »leichtes Gewerbe«. Dafür ist die Grünzone dann plötzlich kein Hinderungsgrund mehr.

Die Geschichte ist regelrecht skandalös, umso mehr unter »Vaseline« praktisch nur klingende Münze verstanden werden kann: mit was sollten ING & Rollinger denn bitte sonst dazu gebracht werden, gegen ihre ureigenen Interessen zu handeln.

Verlierer bei dem Spiel wäre auf jeden Fall die Gemeinde Reckingen, Gewinner die Gemeinde Roeser: deren Bürgermeister Tom Jungen strahlte entsprechend bei der Pressekonferenz, als er das Stadion willkommen hieß.

Sei’s wie’s sei, in Solidarität zu seinen Ministerkollegen will sich Jeannot Krecké noch einmal mit Herrn Rollinger und ein erstes Mal mit der ING Real Estate und dem Bürgermeister der Gemeinde Reckingen treffen. Aber auch wenn die Vaseline-Tour daneben geht, ändert das nichts mehr am Projekt Stadion Livingen.

jmj

Freitag 27. Februar 2009