Schwarz-Weiß-Malerei

Wer will Frieden im Nahen Osten? Diese Frage ist in diesen Tagen besonders schwer zu beantworten. Leichter ist die Antwort auf die Frage, wer den Frieden NICHT will.

Da ist zunächst Israel. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß man diesen Staat als Aggressor bezeichnen kann: Während des mit der Hamas vereinbarten Waffenstillstandes fanden Dutzende israelische Angriffe im Gazastreifen und im Westjordanland statt, in deren Verlauf immer wieder Palästinenser ermordet wurden. Jerusalem machte mehr als deutlich, daß absolut kein Interesse bestand, die Waffenruhe zu verlängern. Schließlich ist Wahlkampf im Staate Israel, und – wie im finsteren Mittelalter – hat am meisten Aussicht, König zu werden, wer die meisten Gegner umgebracht hat.

Als daraufhin verzweifelte Palästinenser ihren Beschuß israelischen Territoriums mit »Raketen« wieder aufnahmen, nutzte Israel dies als Vorwand für massiven Bomben-, Raketen- und Granatbeschuß des Gazastreifens, bei dem innerhalb einer Woche fast 500 Menschen umgebracht wurden, darunter viele Frauen und Kinder. Wieder einmal hat sich erwiesen, daß das Schießen mit selbstgebastelten Raketen aus der Garagenproduktion nicht nur militärisch, sondern auch politisch und moralisch völlig falsch ist. Denn letztlich dient dieser Unsinn nun auch als Vorwand für die neue Phase des Krieges, die von israelischen Bodentruppen ausgeführt wird.

Keinen Frieden im Nahen Osten wollen auch all jene Politiker, die Verständnis für Israels Staatsterror äußern und den Massenmord öffentlich rechtfertigen. Daß deren Wortführer der USA-Präsident ist, verwundert niemanden. Eine Verurteilung des Aggressors durch die UNO wurde erneut verhindert, die nächste Sitzung des Sicherheitsrates soll erst am Mittwoch beginnen, so daß Israels Armee Zeit gelassen wird, Tatsachen zu schaffen.

Aber auch Politiker aus EU-Ländern machen sich hier mitschuldig, allen voran die deutsche Kanzlerin. Und gestern gingen erneut Bilder um die Welt, auf denen offizielle Vertreter der EU sich in bester Stimmung mit Israels Außenministerin Livni ablichten ließen, einer Frau, die eigentlich als Kriegsverbrecherin auf die Anklagebank in Den Haag gehört.

Nicht am Frieden interessiert sind auch etliche Staaten der Region. Die Arabische Liga hat zu keinem einheitlichen Auftreten gefunden. Gestern meldeten Agenturen, daß aufgrund des Gaza-Krieges der Preis für Rohöl wieder einmal deutlich gestiegen sei…

Die bürgerlichen Medien in unseren Breiten beteiligen sich an der Kriegshetze und Volksverdummung. Das hiesige Bistumsblatt bringt es fertig, in seiner Montagausgabe über die Ereignisse im Gazastreifen zu berichten, ohne das Wort »Krieg« zu erwähnen! Mit den üblichen Begriffen »Militäraktion« und »Bodenoffensive« werden die israelischen Kriegsverbrechen verniedlicht, während gleichzeitig immer wieder mit dem Klagefinger auf die »militanten« und »radikal-islamischen« Palästinenser gezeigt wird. »Wort«-Redakteur Marc Glesener beklagte im RTL-Radio »Schwarz-Weiß-Malerei«. Wer betreibt die, Herr Glesener?

Wer wirklich Frieden will, muß die UNO-Beschlüsse respektieren und umsetzen. Die 1967 okkupierten Gebiete müssen geräumt werden, ein Staat Palästina muß gegründet werden. Nicht israelische Bomben, sondern nur ein palästinensischer Staat kann Raketenbeschuß auf Israel verhindern.

Uli Brockmeyer

Uli Brockmeyer : Dienstag 6. Januar 2009