Frisch zubereitet statt vorgekocht

Erste »Cuisine d’assemblage« im Schulfoyer
»Tramsschapp« auf Limpertsberg eröffnet

Bis Herbst übernächsten Jahres will der hauptstädtische Schöffenrat die »livraison chaude« von bereits vorgekochtem Essen aus den Schulfoyers der Stadt verbannen und durch »Cuisines d’assemblage« ersetzen, in denen ausgewogenes und gesundes Schulessen vor Ort frisch zubereitet wird. Den Anfang machte das »Tramsschapp«, ein Schulfoyer für 130 Kinder auf dem Limpertsberg, wo am Dienstag die erste von insgesamt sieben geplanten »Cuisines d’assemblage« eröffnet wurde.

»Wir hatten gestern Generalprobe und konnten feststellen, daß den Kindern das vor Ort zubereitete Essen viel besser schmeckt«, freute sich Sandy Mersch, Leiterin des »Tramsschapp«. Zur Eröffnung der »Cuisine d’assemblage« waren gestern auch die Eltern eingeladen, damit sie sich von der hohen Qualität der verarbeiteten Zutaten überzeugen konnten. Doch dem Schöffenrat geht es nicht nur um Qualität, wie die zuständige Schulschöffin Viviane Loschetter erklärte. »Manche Kinder wissen nicht mehr, daß Milch nicht aus dem Kühlschrank kommt oder daß es in bestimmten Jahreszeiten Äpfel oder Salate gibt und in anderen eher Möhren.«

Aus pädagogischer Sicht sei es auch wichtig, den Kindern ein gewisses Grundwissen über Nahrungsmittel im allgemeinen und gesunde Ernährung im besonderen beizubringen. Zudem würden die Schulfoyers so »ein Vorbild für zuhause abgeben und die Eltern der Kinder animieren, öfter frisch und gesund zu kochen«. Ein Menü aus einer »Cuisine d’assemblage« sei zwar ungefähr viermal so teuer wie ein angeliefertes, doch dank der neuen, zum 2. März eingeführten Dienstleistungsschecks müßten die Eltern nur maximal zwei Euro pro Kind und Mahlzeit bezahlen. »Für die Eltern entstehen keine Mehrkosten«, versicherte Loschetter.

Nach Eröffnung der neuen »Cuisine d’assemblage« auf dem Limpertsberg soll es nun bis Januar 2010 dauern, bis die nächste in einem Schulfoyer in Bonneweg in Dienst gestellt wird. Dieses Stadtviertel ist das einzige, in dem gleich zwei »Cuisines d’assemblage« vorgesehen sind. Bis Ostern 2010 ist eine weitere für Beggen geplant, im September 2010 soll jeweils eine in Cents, Bonneweg und Cessingen fertiggestellt sein und Merl soll im September 2011 den Abschluß bilden.

Die derzeit 23 Schulfoyers in der Hauptstadt haben laut Bautenschöffin Anne Brasseur jeweils etwa fünf Millionen Euro gekostet. Insgesamt würden etwa 50 Prozent der Schüler, immerhin 3.000 Kinder, regelmäßig in den Foyers zu Mittag essen. Die »Cuisines d’assemblage« sind freilich den größeren Schulfoyers vorbehalten, die die kleineren in ihrem Viertel mitversorgen.

Mit Liz Mersch hat die Stadt eigens eine Ernährungsberaterin eingestellt, die sich halbtags um die »Cuisines d’assemblage« kümmert. Wie Mersch gestern erklärte, legt sie großen Wert auf eine gleichermaßen ausgewogene wie kindgerechte Ernährung. Zudem bemühe man sich um saisonale Produkte aus der Region und um Fleisch mit kontrollierter Herkunft. »Zehn Prozent unserer Gemüse und unseres Obstes stammen aus biologischem Anbau, gleiches gilt für unser Fleisch. Unser Getreide ist 100 Prozent Vollkorn und zu 100 Prozent aus biologischem Anbau. Außerdem verzichten wir nicht nur auf Alkohol, Kaffee und genetisch manipulierte Organismen, sondern auch auf Geschmacksverstärker und andere Zusatzstoffe.«

Gestern servierte der aus Metz stammende Koch Sébastien Righetti den Kindern und Eltern im »Tramsschapp« übrigens ein »Menü 100 Prozent bio«. Es gab Bœuf Bourguignon mit Biotomaten und Vollkornnudeln und zum Nachtisch eine Biobirne.

oe

Oliver Wagner : Mittwoch 25. Februar 2009