Handbremse besser nicht ziehen?

Wirtschaftsmotor gerade erst wieder angelaufen

Die Statistik der Arbeitsplätze im Land ist das schnellste Zeichen, wie die Wirtschaft sich entwickelt. Eben sind die Zahlen für Ende Oktober aufgetaucht auf www.statec.lu, und sie sind erfreulich. Gegenüber Ende September waren 994 zusätzliche Arbeitsplätze da auf gesamt 476.911. Bei den Grenzgängern ging es um 660 rauf auf 207.026, unabhängig davon, wie viele davon in Heimarbeit waren.

Dieser Zuwachs ist umso erfreulicher, weil es in den er­sten zehn Monaten des Jahres damit gegenüber dem 31.12.2019 nur eine Steigerung gab um 4.572 Arbeitsplätze und 2.658 Grenzgänger. Der Oktober lieferte folglich 21,74 Prozent des tatsächlichen Jahreszuwachses nach der Frühjahrsdelle bei den Arbeitskräften (bei den Grenzgängern sind es sogar 24,83 Prozent, aber davon haben die Einwohner nichts).

Während der Autofahrt, ganz besonders aber bei einer Beschleunigung, ist es eine ganz schlechte Idee, die Handbremse zu ziehen, denn das riskiert in einen schweren Unfall zu münden. Der Zuwachs im Oktober zeigt, daß die Luxemburger Wirtschaft dabei war, wieder Fahrt aufzunehmen, auch wenn das noch nicht dem Niveau entspricht, das wir in den letzten Jahren kannten. Das wäre aber auch einem Wunder gleichgekommen.

Im Jahr 2018 kam es so zu 16.517 zusätzlichen Arbeitsplätzen, davon 8.577 Grenzgänger, 2017 waren es 15.396 mehr, also im monatlichen Durchschnitt deutlich über dem, was dieses Jahr im Oktober stattfand. Fakt ist aber, daß es einen Arbeitsplatzabbau nach dem Lockdown im März gab, der den Abbau von 8.880 Arbeitsplätzen von Ende März bis Ende Mai brachte. Bei den Grenzgängern ging es von Ende Februar bis Ende April um 5.819 runter, was der Beweis dafür ist, daß diese Arbeitskräfte hierzulande als »veriable d‘ajustement« genutzt werden. Sie werden bei Problemen als erste entlassen.

Schwieriger wird es, wenn die Luxemburger Adem für sie zuständig wird, wie es die EU gerne hätte und wogegen sich die Regierung mit Händen und Füßen wehrt, und nicht nur die ausländische Arbeitslosenhilfe vom Luxemburger Staat an den Wohnstaat zu überweisen ist, denn die ist um einiges niedriger als die hiesige (wofür es sie aber länger gibt).

Das, was im Frühjahr verloren ging, war folglich mehr als die Hälfte des Zuwachses aus dem Vorjahr. Wie hoch der Verlust jetzt sein wird, wissen wir noch nicht.

jmj

Dienstag 24. November 2020