Unser Leitartikel:
Great again

Die USA stehen weiterhin an der Weltspitze. Bald haben sich in dem Land mit 328 Millionen Einwohnern zwölf Millionen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert und seit Beginn der Pandemie ist bereits mehr als eine Viertelmillion USA-Bürger an bzw. mit dem Virus Gestorben.

Damit haben die USA fast doppelt so viele Virustote wie Indien, obwohl das vermeintliche »Schwellenland« ungefähr dreieinhalbmal so viele Bewohner hat, von denen die große Mehrheit weiter in Unterentwicklung gehalten wird und in Armut vegetiert.

Noch eindeutiger fällt der Vergleich zwischen der imperialistischen Hauptmacht im fernen Westen und der chinesischen Volksrepublik im fernen Osten aus. Mit viermal so vielen Einwohnern waren in China bisher 4.742 Coronatote zu beklagen. Pro eine Million Chinesen gab es somit weniger als vier Tote, während es in den USA bei weiter steigender Tendenz bereits 762 Coronatote pro eine Million Einwohner sind.

Hinzu kommt, daß China zuerst vom neuartigen Coronavirus befallen wurde, so daß die – offensichtlich sehr erfolgreichen – Strategien der chinesischen Gesundheitsbehörden zur Eindämmung des Virus erst noch erprobt und weiterentwickelt werden mußten.
Worauf aber ist dieser himmelweite Unterschied zurückzuführen?

Zum Teil sicherlich auf das zumindest in einem in Europa ungekannten Ausmaß den kapitalistischen Wolfsgesetzen unterworfene Gesundheitssystem der USA. Eine andere Ursache dürfte das – sowohl in der Präsidentschaft Obamas als auch in der noch immer nicht ausgestandenen Trump-Ära – weiter gesunkene Vertrauen der Menschen in den USA in die Regierung in Washington sein.

Das ist aber gerade in Krisenzeiten wie der derzeitigen von höchster Wichtigkeit, weil es von dem in die Behörden und – in letzter Konsequenz – in die jeweilige Regierung gesteckten Vertrauen abhängt, wie sehr man sich an die zur Eindämmung der Pandemie verhängten Maßnahmen hält.

Und während in den USA Millionäre und vor allem Milliardäre die beiden Kandidaten aussuchen, die sich dann in einem milliardenteuren Show-»Wahlkampf« um die Stimmen der Wahlberechtigten bewerben dürfen, wird das politische – und größtenteils auch das ökonomische – Führungspersonal der Volksrepublik von deren Kommunistischer Partei ausgewählt.

Das wachsende Vertrauen der Chinesen in die KPCh aber wird noch nicht einmal mehr von den Washingtoner Strategen in Frage gestellt. Seit der von ihr angeführten Volksrevolution von 1949 hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung der Chinesen von 39 auf 77 Jahre fast verdoppelt. Chinesische Wissenschaftler sind offenbar nicht nur bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen das Coronavirus weiter als in den USA und anderswo im »Westen«, selbst der nicht zufällig in Washington ansässige Internationale Währungsfonds geht in seiner jüngsten Einschätzung zur Entwicklung der Weltwirtschaft davon aus, daß nur eine der großen Volkswirtschaften im ersten Pandemiejahr wachsen wird, und das, so der IWF, sei die chinesische.

Zwar gibt es in China immer mehr Reiche und sogar Dollarmilliardäre, doch das riesige Land ist noch immer eines der Arbeiter und Bauern und die Pekinger Regierung hat unverkennbar eine sozialistische Orientierung. Deshalb stehen dort die Bedürfnisse der Menschen – und nicht wie insbesondere in den USA die Kapitalprofite – im Mittelpunkt staatlichen Handelns.

Oliver Wagner

Oliver Wagner : Freitag 20. November 2020