Unser Leitartikel:
Es kommt knüppeldick

Es darf aber wirklich keiner mehr versuchen, die Situation auf dem Arbeitsmarkt schönzureden. Ganz gleich aus welcher Ecke er kommt, oder welcher Partei er auch angehören mag. Die gestern vom Konjunkturkomitee veröffentlichten Zahlen sprechen nämlich eine deutliche Sprache. Und die besagen, dass die Auswirkungen der Finanz-, Wirtschafts- und Systemkrise dabei sind, zunehmend Schaffende und deren Familien mit großen Schritten an den Rand des Abgrunds zu treiben.

Nahezu 13.000 Arbeitslose Anfang Februar, mehr als 2.500 Frauen und Männer in Beschäftigungsmaßnahmen, um die 4.000 weniger Teilinvaliden, die ohne Job sind und als Arbeitsuchende mit reduzierten Fähigkeiten bei der Adem geführt werden, 1.200 weniger Grenzgänger in Luxemburg beschäftigt als vier Wochen zuvor (fast 4.000 innerhalb von zwei Monaten) und etwas mehr als 9.000 Kurzarbeiter im März. Da soll uns noch einer weismachen wollen, die Krise hätte Luxemburg nicht erreicht.

So langsam müsste die Regierung endlich alle Karten offen auf den Tisch legen und den Schaffenden die Wahrheit sagen. Oder wollen sie ihnen diese wirklich bis nach den Parlamentswahlen vorenthalten? Wie lange noch wollen die im Parlament vertretenen Parteien den Deckel auf dem Pulverfass halten? Weshalb wird keine Sondersitzung im Parlament zur Situation auf dem Arbeitsmarkt einberufen? Ist den Damen und Herren Abgeordneten die Zukunft der Schaffenden und deren Familien wirklich wurscht? Fragen, auf die wir schnellstens ehrliche Antworten erwarten.

Auch die Gewerkschaften sind gefordert, endlich aus der Reserve zu treten. Sie dürften die im Juni stattfinden Wahlen ja eigentlich nicht stören, um endlich im Interesse aller Arbeiter und Angestellten nicht nur Forderungen aufzustellen, sondern diese auch mit voller Pulle durchzusetzen zu versuchen. Oder stört der Wahltermin doch?

Man schaue sich nur die Hiobsbotschaften der beiden letzten Wochen an: Fünf Wochen Stillstand bei Goodyear »Tire Plant«, verlängerte Kurzarbeit bei Dupont, 130 Jobs weniger bei Husky, Sozialpläne bei Ludec/Rotarex, die Absicht von Clearstream, 120 Arbeitsplätze nach Prag auszulagern. Dabei sollte man keinesfalls außer Acht lassen, dass im Finanzsektor die Bombe weiter tickt und dass in der Stahlindustrie der Rotstift ebenfalls weiter wütet – erinnert sei hierbei an die 400 Stellen, die in der Administration gestrichen werden, und die bis zu 650 Posten, die im Rahmen von »Lux2011« vernichtet werden.

Bei solchen Zahlen kann es einem schon eiskalt den Rücken hinunter laufen. Zumal ein Ende der Krise nicht in Sicht ist. Im Gegenteil. Sie hat inzwischen alle Bereiche der Wirtschaft erreicht. Dass 114 Betriebe für kommenden Monaten Kurzarbeit beantragt haben (87 Anträge wurden zurückbehalten), dürfte diese Befürchtungen bestätigen. Zudem wäre es völlig naiv anzunehmen, dass, wenn Vorhersagen von einem massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit innerhalb der EU sprechen, Luxemburg davon verschont bliebe. Zu befürchten ist, dass es knüppeldick kommen wird. Dies ist beileibe keine Panikmache, sondern bittere Realität.

Fakt ist, dass die Ärzte am Krankenbett des Kapitalismus mit ihrem Herumdoktern am Ende sind. Wer dies nicht einsehen will, macht sich an der sich weiter degradierenden Situation im Lande mitschuldig.

gilbert simonelli

Gilbert Simonelli : Samstag 21. Februar 2009