Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit haben weiter Konjunktur

Im Januar waren offiziell 12.798 Männer und Frauen arbeitslos und 2.781 in Beschäftigungsmaßnahmen – Kurzarbeit für 9.210 Beschäftigte im März genehmigt

In Luxemburg haben Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit weiterhin Konjunktur: Ende Januar waren offiziell 12.798 Männer und Frauen mit Wohnsitz im Großherzogtum arbeitslos. Das sind 1.287 registrierte Erwerbslose mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenrate stieg somit von 5,0 Prozent im Dezember 2008 auf 5,5 Prozent. Darüber hinaus haben im Januar 1.232 Grenzgänger ihren Arbeitsplatz in Luxemburg verloren. Beim Konjunkturkomitee gingen dieses Mal 114 Anträge auf Kurzarbeit ein, von denen 87 genehmigt wurden. Im März können somit 9.210 Beschäftigte vom Patronat auf Kurzarbeit gesetzt werden. – Nach 6.919 im Februar und 4.082 im Januar.

»Wie erwartet hat die Arbeitslosigkeit zu Jahresbeginn, wenn viele Teilzeitarbeitsverträge auslaufen, ganz stark zugenommen«, kommentierte Arbeitsminister François Biltgen die Zahlen am Freitagmorgen nach der Sitzung des Konjunkturkomitees. Von der Zunahme seien »sämtliche« Wirtschaftsbereiche, vor allem aber die Bauwirtschaft betroffen, während der Finanzsektor »verhältnismäßig wenig« von der weiteren Verschärfung der Situation auf dem Arbeitsmarkt betroffen sei.

Mit 2.321 Arbeitslosen unter 26 Jahren seien erstmals auch mehr junge Menschen betroffen, so Biltgen weiter. Dies seien 318 mehr als im Dezember, was vor allem darauf zurückzuführen sei, daß viele junge Schaffende mit befristeten Verträgen abgespeist wurden, die angesichts der Krise nicht mehr verlängert wurden. Saisonbereinigt habe die Arbeitslosenquote (nach 4,2 Prozent im Januar 2008) bei 4,9 Prozent gelegen. Für das Gesamtjahr erwarte das nationale Statistikamt eine saisonbereinigte Arbeitslosenquote von 5,2 Prozent. Die Vorhersage des Statec sei aber mit Vorsicht zu genießen, so Biltgen, jedenfalls habe er »ein ungutes Gefühl, wenn ich sehe, was passiert«.
2.781 Personen arbeiteten im Januar in Beschäftigungsmaßnahmen. Im Dezember waren es noch 2.830, im Januar 2008 waren es 3.318. Mit 3.873 Männern und Frauen, die bereits seit über zwölf Monaten arbeitslos sind, stieg auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen, deren Anteil im Januar bei 30,3 Prozent lag.

Wirtschaftsminister Jeannot Krecké zufolge wird die staatliche Subventionierung der Kurzarbeit im März etwa 14,3 Millionen Euro kosten. Dieser Wert lag im Vormonat bei 8,9 Millionen Euro, während im September 2008 noch vergleichsweise lächerliche 208.000 Euro reichten. Doch laut Biltgen ist es immer noch billiger, Kurzarbeit zu finanzieren, als Arbeitslosenentschädigungen zu zahlen. Der Anteil der Arbeitslosen, die eine solche Entschädigung beziehen, stieg gegenüber Dezember freilich ebenfalls um 629 auf nun 6.106 Personen.

Juncker: Wirtschaftskrise endgültig angekommen

»Die Beschäftigungssituation in Luxemburg hat sich dramatisch verschlechtert«, konstatierte auch Premierminister Jean-Claude Juncker auf dem Pressebriefing nach dem Regierungsrat. Damit sei die Wirtschaftskrise »endgültig angekommen«, was vor allem für die prekär Beschäftigten bittere Konsequenzen habe und was man auch daran merke, daß die exportorientierte Industrie, der Transportsektor, aber auch die Reisebranche mit Auftragseinbrüchen zu kämpfen habe. Doch das Schlimmste komme noch: »Ich sehe die Gefahr, daß die Wirtschaftskrise Luxemburg in der zweiten Jahreshälfte noch heftiger treffen wird«, so Juncker. »Ich will den Leuten nichts vormachen. Nach den Wahlen im Sommer wird es noch schlimmer.«

Glücklicherweise sei das Großherzogtum zu Beginn der Wirtschaftskrise »wesentlich besser aufgestellt« gewesen als andere Staaten, was es nun erlaube, »die öffentlichen Investitionen hochzuhalten«. Doch diese kämen in erster Linie mittelständischen Unternehmen zugute, während die Möglichkeiten das Staates, für die Industrie etwas zu tun, »gleich null« seien. Die Subventionierung der Kurzarbeit sei zwar »keine Gratisveranstaltung«, trotzdem überlege die Regierung, ob man diese nicht erneut verlängern solle.

Hinsichtlich der Probleme mit dem Einkaufszentrum in Wickringen erklärte der Premier, die Pläne seien »nicht IVL-kompatibel«. Die Suche nach einer Kompromißlösung gehe weiter, möglicherweise werde das Bauvorhaben nun in Livange realisiert.

oe

Oliver Wagner : Samstag 21. Februar 2009