In vielen Ecken tut sich was:
Isolierte Initiativen überraschen
Je mehr wir uns ins Thema vertiefen, desto überraschter sind wir über die vielen Initiativen, die wir dabei entdecken. Allerdings ist nichts koordiniert und aufeinander abgestimmt, alles läuft hübsch nebeneinander und jeder Betrieb sucht seine eigene profitable Zukunft. Mit Planwirtschaft ließe sich viel leichter bewerkstelligen, weswegen der real existierende Kapitalismus wohl auch von der Volksrepublik China überholt wird bei allem was Forschung und Innovation betrifft. Schließlich hat sich China letztes Jahr auch erstmals bei den Patentanmeldungen an die Spitze gesetzt.
Einstweilen wollen wir noch bei dem bleiben, was sich im Kapitalismus tut, sei es in den USA, in Japan oder in Europa. Gestern endeten wir mit Hyster-Yale Materials Handling, Inc. und Linde Material Handling. Auf letztere werden wir noch zurückkommen, doch zunächst wenden wir uns der Firma Plug Power zu, deren Hautquartier in Latham, New York ist, die eine weitere Niederlassung in Spokane, Washington hat, aber auch außerhalb der USA vertreten ist – in F-92100 Boulogne-Billancourt, 1 Place Paul Verlaine.
Wenn unsere Regierung noch nichts davon gehört hat, so hatte doch die Supermarktkette Colruyt für ihre belgischen und französischen Auslieferungslager schon Ende 2017 75 Plug-Power-Anlagen in Betrieb für Betankung und Antrieb von Gabelstaplern. Denn die Firma verfolgt ein interessantes Konzept. Sie erzeugt eine breite Palette von Brennstoffzellen für Gabelstapler, aber auch für Notstromaggregate, die traditionelle Diesel- oder Batterielösungen ersetzen. Diese können auch auf Baustellen eingesetzt werden oder für sonstige Insellösungen bis hinauf zu Berghütten, insoweit es eine Zufahrtsmöglichkeit gibt zur Lieferung des Wasserstoffs.
Denn auch das besorgt Plug Power und hat dafür innovative Konzepte verwirklicht, wenn sich eine richtige Tankstelle mit einem großen Tank in der Erde nicht rentiert, weil dafür der Verbrauch (einstweilen oder dauerhaft) zu klein ist. Das betrifft einen Tagesverbrauch zwischen 150 und 900 Kilogramm, also für eine kleine bis mittelgroße Flotte, wobei in den Notstromaggregaten je nach Größe ein entsprechender Vorratsbehälter eingebaut ist. Für den oberen Teil des angesprochenen Verbrauchsbereichs wird angeboten, einen größeren oder kleineren Anhänger mit einem Wasserstofftank auf den Hof gestellt zu bekommen. Geht der Inhalt zur Neige, kommt ein voller Anhänger und der leere wird mitgenommen.
Für den unteren Teil des Verbrauchsbereichs werden kleine Zapfsäulen mit eingebautem Vorratsbehälter angeboten, die in einer Halle aufgestellt werden können. Das verkürzt die Wege für die Gabelstapler, die so praktisch nur für fünf Minuten ausfallen, da der Tankvorgang in drei Minuten erledigt ist. Das ist ohne Frage eine wesentliche Produktivitätssteigerung gegenüber einem Batterietausch, wobei das einen Batterieladeraum voraussetzt, der erheblich mehr Platz frißt als so eine kleine wieder auffüllbare Zapfsäule. 2018 rühmte sich Plug Power bereits damit, über 17 Millionen Mal bei Kunden Wasserstoff nachgefüllt zu haben für mehr als 25.000 Brennstoffzellen, die in Lagerhäusern in Betrieb waren. Tatsächlich senkt das Angebot die Schwelle deutlich, ab der ein Umsteigen auf Wasserstoffgabelstapler interessant wird.
Colruyt hat sich davon für Belgien und Frankreich überzeugen lassen, aber es mag überraschen, daß in den USA Volkswagen zu den Kunden von Plug Power gehört. Dies also obwohl die Firmenspitze in der BRD sich sogar dafür einsetzt, daß andere deutsche Fahrzeugerzeuger nicht auf Wasserstoff und ausnahmslos auf Batteriestrom setzen sollten – im Interesse weiterer Profite für die Erdölindustrie.
Jeff Bezos ist nicht nur für seinen Reichtum bekannt, sondern auch dafür, daß er es nicht vom Geben hat. Seine Angestellten können ein Lied davon singen! 2017 war Amazon wohl neben Walmart einer der größten Kunden von Plug Power in den USA. Unterzeichnet wurde nämlich ein Vertrag über 70 Millionen US-Dollar für die Lieferung von Brennstoffzellen für Gabelstapler, für Notstromaggregate und für die Betankungsinfrastruktur. Weil Bezos ein Fuchs ist, gehört zum Vertrag das Recht, 23 Prozent der Aktien von Plug Power kaufen zu können. Die Befürchtungen der Konkurrenz, Amazon wolle damit verhindern, daß andere ebenfalls von den Vorteilen eines Umstiegs der Gabelstapler in ihren Lagerhallen auf Wasserstoff profitieren könnten, bewahrheitete sich allerdings nicht. Bezos sah da einfach einen riesigen zu erschließenden Markt voraus, was Riesenprofite versprach, an denen er mitnaschen wollte.
Wenn die Regierung ihre Haltung nicht überdenkt, riskiert sie, eine industrielle Revolution zu verpassen.
jmj
(wird fortgesetzt)
Diese Wasserstofftankstelle von Plug Power nimmt in einer Halle besonders wenig Platz ein (Foto: Plug Power)
Donnerstag 16. April 2020
