Krise wirbelt russische Oligarchen durcheinander

Kürzlich hat die russische Wirtschaftszeitung »Finans« ihre diesjährige Liste der russischen Dollarmilliardäre publiziert. Danach hat die Finanz- und Wirtschaftskrise die Rangfolge der Milliardäre kräftig durcheinandergeschüttelt.

Die neue Nummer 1 heißt jetzt Michail Prochorow – ein »mehr Lebe- als Geschäftsmann«, wie »Russland-Aktuell« schreibt. Sein Vermögen liegt bei »bescheidenen« 14,1 Milliarden US-Dollar. Damit wäre er ein Jahr zuvor nicht einmal unter die Top-10 in der Rangliste gekommen. Er ist derjenige unter den superreichen Räubern des sow-jetischen Volkseigentums, der bisher die Krise am besten überstanden hat. Ungeschoren ist aber auch er nicht davongekommen. Im vergangenen Jahr war er nach Schätzungen von »Finans« immerhin noch um über 7 Milliarden Dollar reicher.

Andere hat es stärker erwischt. So ist die Nummer 1 des Vorjahres, der Buntmetall-König Oleg Deripaska, von 40 Milliarden Dollar auf etwas mehr als ein Zehntel (4,9 Milliarden) geradezu abgestürzt und muß sich nun mit Platz 8 in der Rangliste begnügen. Roman Abramowitsch konnte seinen 2. Platz mit 13,9 Milliarden Dollar halten, bei Verlusten von 9 Milliarden. Den 3. Platz belegt Wladimir Lisin mit 7,7 Milliarden. Im Vorjahr waren es noch 22 Milliarden.

Auch die auf den weiteren Plätzen folgenden Raubritter der jelzinschen Privatisierung sind »ärmer« geworden. Das Mitleid mit den Oligarchen hält sich in Rußland allerdings in Grenzen. Vielmehr macht man sich über sie lustig. Einer der gängigen Witze lautet: »Sagt ein Obdachloser zum anderen: Ich bin reicher als Oleg Deripaska. Er hat 14 Milliarden Dollar Schulden – und ich bin schuldenfrei.«

Willi Gerns

Sonnabend 21. Februar 2009