CNS bietet Plattform für Online-Arztkonsultationen

354 Patienten suchten eines der drei Centres de soins avancés auf. Zahnärztliche Versorgung im Rotationssystem, alle Zahnarztpraxen geschlossen

Nach einer nur einwöchigen Testphase haben die Nationale Gesundheitskasse (CNS) und e-santé eine Internetplattform (https://econsult.esante.lu) freigeschaltet, mit der man in der Coronakrise seinen Hausarzt ab sofort online konsultieren kann. Wer keinen Internetzugang hat, soll weiterhin erst bei seinem Hausarzt anrufen und nur nach Aufforderung dort oder an anderer Stelle vorstellig werden, erklärte CNS-Direktor Christian Oberlé am Donnerstag auf einer Online-Pressekonferenz mit Gesundheitsministerin Paulette Lenert und medizinischen Experten.

Die Arztkonsultation via Internet sei einfach zu handhaben und finde in einem abgesicherten Bereich statt, so daß die Patientendaten sicher seien, so Oberlé weiter. Um den Austausch von Papieren möglichst zu vermeiden, verschicke der über das Internet behandelnde Arzt Standardverschreibungen (rosafarbene Rezepte) gegebenenfalls per E-Mail direkt an die vom Patienten ausgewählte Apotheke. Blaue Rezepte für Medikamente, die wie das Schmerzmittel Morphin unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, können nicht per E-Mail verschickt und müssen mit zur Apotheke genommen werden.

Auch der Patient erhält das Rezept sicherheitshalber per E-Mail zugeschickt, so daß man sich mit einem Ausdruck notfalls auch in einer anderen Apotheke eindecken kann. Bis auf weiteres schickt der Arzt auch mögliche Arbeitsunfähigkeitsatteste direkt an die CNS. Der Tarif für Ärzte, Zahnärzte und Hebammen sei der selbe wie bei einer Konsultation in der Praxis, erklärte Oberlé.

Dr. Pierre Hertz, der Koordinator der Centres de soins avancés, erklärte, zuallererst würden in den Zentren Corona-Verdachtsfälle von anderen Patienten getrennt. Das Pflegepersonal und die Ärzte seien optimal vor einer Ansteckung geschützt. Nach einer Aufnahme durch eine Krankenschwester erfolge eine ärztliche Untersuchung, nach der dann entschieden werde, ob auf das Coronavirus hin getestet und ob der Patient in ein Krankenhaus gebracht werden muß. Wer wieder nach Hause darf, bekommt gegebenenfalls ein Medikament verschrieben und wird krankgeschrieben.
Sämtliche Mitarbeiter der bislang drei Centres de soins avancés in der LuxExpo auf Kirchberg, der Escher Rockhal und der Däichhal in Ettelbrück sind Hertz zufolge Freiwillige, die einem Aufruf des Gesundheitsministeriums gefolgt sind. Bis gestern morgen seien 354 Patienten in den Zentren vorstellig geworden. Heute soll im Kulturzentrum von Grevenmacher ein viertes eröffnet werden.

Nachdem sämtliche Zahnarztpraxen wegen des besonders hohen Infektionsrisikos geschlossen sind, wird die zahnärztliche Versorgung in der Coronakrise mit landesweit drei Praxen im Norden, im Zentrum und im Süden aufrechterhalten, die an allen Wochentagen aufgesucht werden können, erklärte der Zahnarzt Dr. Carlo Ahlborn, der auch Vizepräsident der AMMD ist. Vorerst funktioniere der zahnärztliche Notdienst an Wochenenden im Centre hospitalier de Luxembourg (CHL) nicht mehr.
In den drei Praxen seien stets zwei Zahnärzte mit ihren Teams zwei Tage lang tätig, bei komplizierten Fällen könne auch der normalerweise behandelnde Dentist konsultiert werden. Welche Zahnarztpraxis wann aktiv ist, erfährt man mit einem Anruf bei der Corona-Hotline (8002 80 80, bzw. für Anrufer aus dem Ausland: +352 4977 1 9200).

Luxemburg beteiligt sich an Discovery-Studie

CHL-Direktor Romain Nati und Dr. Thérèse Staub, die medizinische Leiterin des Dienstes für Infektionskrankheiten, berichtete, Luxemburg beteilige sich mit Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Britannien und Spanien an der Discovery-Studie, in der die Wirksamkeit von vier bereits verfügbaren Medikamenten gegen Covid-19 getestet wird. Bei der in Lyon initiierten Studie gehe es darum, »möglichst schnell die beste Behandlung für Covid-19-Patienten zur Verfügung zu haben, ohne bekanntes Terrain zu verlassen«. Nur schwere Fälle, die auf einer Intensivstation beatmet werden, könnten teilnehmen.

oe

(Foto: dpa)

Donnerstag 26. März 2020