Lehrer solidarisch

Personal der International School of Luxembourg kämpft um neuen Kollektivvertrag und gegen Verschlechterungen für künftige Kollegen

Wer an der International School of Luxembourg (ISL) lehrt, hat es nicht leicht: Er oder sie verdient weniger als Lehrkräfte an öffentlichen Schulen und seit Ende 2019 sitzt dem Verwaltungsrat der englischsprachigen Privatschule auch noch Nicolas Henckes, Direktor der Handelskonföderation CLC und Mitglied des Exekutivkomitees des Patronatsdachverbandes UEL, vor. Jedenfalls hat die Personalie es den Salariatsvertretern an der ISL nicht leichter gemacht, einen neuen Kollektivvertrag für das Personal der 1963 unter dem Namen »DuPont de Nemours Private School« gegründeten Lehranstalt abzuschließen. Der alte Kollektivvertrag ist Ende August 2018 ausgelaufen, wurde aber bis Ende Februar verlängert.

Weil Direktion und Verwaltungsrat unbedingt durchsetzen wollen, daß künftige ISL-Lehrkräfte noch schlechter entlohnt werden als die bisherigen, sieht es nicht danach aus, daß sich die Tarifparteien in den verbleibenden zwei Wochen auf einen neuen Kollektivvertrag einigen. Nachdem die Patronatsseite die Aufforderung der Personaldelegation und der hinter ihnen stehenden Gewerkschaften OGBL und LCGB, ein neues Angebot abzugeben, im Dezember mit der Anrufung des Nationalen Schlichtungsamtes beantwortet hatte, fand am Donnerstagnachmittag vor dem Arbeitsministerium am »Rousegäertchen«, wo auch das Schlichtungsamt seinen Sitz hat, eine Protestkundgebung statt.

Bereits Mitte Januar hatte sich das Personal mit deutlicher Mehrheit gegen die Annahme des Patronatsangebots und für gewerkschaftliche Aktionen bis hin zu einem Streik ausgesprochen. In einer Befragung, an der sich gut 70 Prozent beteiligten, erklärten sich fast 90 Prozent der Umfrageteilnehmer – oder rund zwei Drittel aller ISL-Beschäftigten – mit dem Vorgehen ihrer gewählten Interessenvertreter einverstanden. Dementsprechend lauteten gestern die meist englischsprachigen Protestschilder: »Hands off our pay scales!« (Hände weg von unseren Lohntabellen!), »Rents go up while pay goes down!« (Die Mieten steigen, während der Lohn sinkt!), »Do you value your child’s teacher?« (Wertschätzt Du den Lehrer Deines Kindes?) oder »Good salaries for good work« (Gute Löhne für gute Arbeit).

oe

(Fotos: ZLV)

Donnerstag 13. Februar 2020