Die Welt ist nicht genug

Fünfjahresplan des Wirtschaftsministeriums: Bis 2024 sollen Weltraumwissenschaften und -technologien mit fast 200 Millionen Euro subventioniert werden

Fast 200 Millionen Euro an Steuergeldern sollen in den kommenden fünf Jahren in Weltraumwissenschaften und -technologien gesteckt werden. So steht es im »plan d’action national en matière de sciences et technologies spatiales«, den der scheidende Wirtschaftsminister Etienne Schneider am Donnerstag der zuständigen Chamberkommission präsentiert hat. Davon gehen gut 130 Millionen Euro an mehrere Programme der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), der Luxemburg seit Ende 2005 angehört. Weitere knapp 68 Millionen Euro sind im Fünfjahresplan 2020-2024 für nationale, bilaterale und multilaterale Initiativen vorgesehen. Erst im Herbst 2018 wurde auf Betreiben Schneiders die nationale Weltraumagentur Luxembourg Space Agency (LSA) gegründet.

Auch der Fünfjahresplan trägt Schneiders Handschrift, obwohl der Vizepremier, Wirtschafts- und Gesundheitsminister vor Weihnachten angekündigt hat, der Großherzog werde ihn am 4. Februar aus allen Regierungsämtern entlassen. So sollen die Steuermillionen nicht nur in die seit Gründung der in Betzdorf ansässigen Société Européenne des Satellites SES 1985 bewährten Satellitenkommunikation sowie in die Weltraumforschung gesteckt werden, sondern auch in Schneiders Steckenpferd »Spacemining«, also in Konzepte für Abbauverfahren von Rohstoffen im Weltraum, bzw. auf Asteroiden, Kometen oder Meteoroiden, die zum Teil hohe Konzentrationen u.a. von Edelmetallen oder auch Seltenerdmetallen aufweisen.

Konkret beteiligt sich Luxemburg an ATRES (»Advanced Research in Telecommunications Systems«), einem gemeinsamen Forschungsprogramm der ESA und der Kanadischen Weltraumbehörde CSA, das die Satellitenkommunikation verbessern soll. Davon erhoffe man sich Erkenntnisse, die für eine sichere 5G-Kommunikation verwendet werden können, erklärte Minister Schneider. Mit dem ARTES-Projekt ScyLight sollen die Möglichkeiten zur optischen Informationsübertragung, zum Beispiel per Laser, verbessert werden. Erkenntnisse für die »Spacemining«-Initiative erhofft sich der Wirtschaftsminister vom ESA-Programm »European Exploration Envelope Programm« (E3P), das der Erforschung der bemannten und der robotisierten Raumfahrt gewidmet ist. Dazu gehört das »Europäische Servicemodul«, das beim »Orion«-Raumschiff der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA für Antrieb, Klimatisierung und die Versorgung mit Strom, Wasser und Atemluft sorgen soll.

Kapitalfonds »Orbital Ventures« aufgelegt

Auf der Kommissionssitzung bestätigte Wirtschaftsminister Schneider, die Regierung habe sich mit »privaten und öffentlichen Investoren« am Risikokapitalfonds »Orbital Ventures« beteiligt, der mit 70 Millionen Euro dotiert sei und der in junge Weltraumunternehmen investiere. Bei den neun »Investoren« handle es sich um die staatliche Beteiligungsgesellschaft SNCI, die Staatssparkasse BCEE, die zur französischen Großbank BNP Paribas gehörende BGL BNP Paribas, die von einer Holding kontrollierte Banque Internationale à Luxembourg BIL, der deutsche Raum- und Luftfahrtkonzern OHB, die Risikokapitalgesellschaft Promus Ventures, das luxemburgische Postunternehmen und SES.

oe

Seite 4 der Broschüre, in der das Wirtschaftsministerium den Nationalen Weltraumaktionsplan der Regierung vorstellt
(Foto: Luxembourg Space Agency)

Freitag 17. Januar 2020