Lëtzebuergesch als »unsichere Sprache« eingestuft

UNESCO präsentiert dritten Atlas der gefährdeten Sprachen der Welt

Nachdem die EU Lëtzebuergesch nicht als offizielle Amtssprache anerkannt hat, sondern nur zu den sogenannten Minderheitssprachen zählt, schlägt jetzt die UNESCO Alarm: Im neuen Atlas der gefährdeten Sprachen der Welt, der am Donnerstag in Paris präsentiert wurde, wird Luxemburgisch von der UNO-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur als »unsicher« eingestuft. – Unsicher ist die erste von fünf Stufen auf dem Weg zum Aussterben einer Sprache.

Zwar werde Lëtzebuergesch auch von den meisten Kindern im Großherzogtum noch gesprochen, dies sei aber zum Teil auf bestimmte Bereiche, wie beispielsweise das Elternhaus, beschränkt, warnt die UNESCO, die mit ihrem Atlas das Bewußtsein über die unterschiedlichsten Sprachen stärken und dazu anregen will, auch kleine Sprachen zu erhalten. »Der Tod einer Sprache bedeutet zugleich das Verschwinden eines kulturellen Erbes, von Gedichten über Legenden bis zu Sprichwörtern und Scherzen«, erklärte UNESCO-Direktor Koïchiro Matsuura.

Der nach 1996 und 2001 dritte Atlas dieser Art erscheint zum zehnten internationalen Tag der Muttersprache, der am morgigen Samstag begangen wird. Zum ersten Mal wird der Atlas zu 2.500 gefährdeten Sprachen, an dem Wissenschaftler aus aller Welt mitgearbeitet haben, auch als interaktive digitale Datenbank veröffentlicht. Diese soll regelmäßig aktualisiert werden und ist ab morgen über die Internetseite der UNESCO frei zugänglich. Dort können Nutzer ihre eigenen Karten, Tabellen und Statistiken nach Land, Region oder Bedrohungsgrad einer Sprache zusammenstellen.

Dem Herausgeber der Enzyklopädie Christopher Moseley zufolge sind in den vergangenen drei Generationen bereits 200 Sprachen ausgestorben. Im vergangenen Jahr sei die aus Alaska stammende Sprache Eyak mit dem Tod der letzten Sprecherin Marie Smith Jones verschwunden. Die Sprache Livisch könne nur noch ein einziger Mensch in Lettland. Die häufigsten Gründe für das Aussterben von Sprachen seien Kriege und Vertreibungen. Aber auch Einwanderer, die mit ihren Kindern nur noch die Sprache der neuen Heimat sprechen, um ihnen die Integration zu erleichtern, trügen zu dem Verschwinden bei.

Andererseits gebe es aber auch Fälle, in denen bedrohte Sprachen wiederbelebt worden seien. »In Australien gibt es mehrere herausragende Beispiele für bedrohte Sprachen, die jetzt wieder von jungen Leuten gesprochen werden«, sagte Moseley. Auch im Fall von Quechua in Südamerika und Maori in Neuseeland wachse die Zahl der Sprecher wieder.
Die pazifische Inselgruppe Papua-Neuguinea gilt als die Region mit den meisten Sprachen. Die 3,6 Millionen Menschen dort sprechen insgesamt mehr als 800 Sprachen, von denen viele untereinander nicht verwandt sind. In Europa sind vor allem die keltischen Sprachen wie Gälisch und Walisisch sowie das Baskische gefährdet.

99 Prozent der Schüler lernen Deutsch

Dem Atlas zufolge spielt Deutsch an Europas Schulen nur die dritte Geige hinter Englisch und Französisch. Lediglich in Luxemburg würden mehr Schüler Deutsch als Englisch lernen: Mit 99 Prozent im Schuljahr 2006/2007 belegte im Großherzogtum nahezu jeder Schüler das Fach Deutsch. Englisch lernten in Luxemburg dagegen nur 64 Prozent.

oe

Oliver Wagner : Freitag 20. Februar 2009