Beste Wünsche an die Ozean-Kumpel nebenan

36 Jahre danach: Die CIA gab Details über den frechsten U-Boot-Klau aller Zeiten frei

Deckname »Azorian«. Die Operation der CIA gehörte zum Geheimsten des Kalten Krieges: 1974 versuchte der USA-Geheimdienst, ein gesunkenes sowjetisches Raketen-U-Boot zu heben. Erstmals wurden jetzt vom National Security Archive der George Washington University Details veröffentlicht.

Die sowjetische K-129 war im März 1968 auf einer Patrouillenfahrt im Pazifik. Das Raketen-U-Boot gehörte zur sogenannten »Golf II«-Klasse – konventioneller Antrieb, 2.200 Tonnen, 86 Mann Besatzung. Es trug drei mit Atomsprengköpfen bestückte Raketen. Kapitän Ersten Ranges Kobsar, der Kommandant des Bootes, sollte sie als Teil der sowjetischen Abschreckungsstrategie feuerbereit vor die USA-Küste bringen. Doch rund 1.500 Meilen nordwestlich von Hawaii ist K-129 gesunken. Warum?

Es gibt verschiedene Theorien. Man spricht von Feuer an Bord, lanciert wurden Fluchtgeschichten und entsprechende Kämpfe an Bord. Auch ein Zusammenstoß mit der USS »Swordfish« ist denkbar. Die lief, kurze Zeit nachdem die Verbindung mit dem sowjetischen Boot abgebrochen war, beschädigt in der Werft von Yokosuka ein.

Während die sowjetische Marine nicht wußte, wo ihr Boot verloren gegangen war, konnten USA-Horcher den Untergangsort genau bestimmen. Eine tollkühne Idee wurde geboren. Gemäß einem inzwischen – in Teilen – freigegebenen CIA-Artikel billigte Präsident Richard Nixon 1969 die Operation »Azorian«. Die gestaltete sich kompliziert, das Objekt der Begierde lag in einer Tiefe von 5.000 Metern.

1972 gab Nixon endgültig grünes Licht für die riskante Operation. Man konstruierte ein spezielles Bergungsschiff. Geheim halten konnte man den Bau der »Glomar Explorer« nicht, also ließ die CIA mehrere Artikel über Meeresbergbau verfassen, in denen das seltsame Schiff ausführlich beschrieben wurde. Im Juli 1974 schickte man es los, um im Pazifik »Rohstoffe« zu suchen.

Natürlich weckte man das Interesse der Sowjetmarine und ihrer Dienste. Laut CIA-Bericht wurden daher Vorkehrungen getroffen, um brisantes Material zu vernichten, falls der Feind ein Enterkommando schicken sollte. Doch das geschah nicht. Statt dessen entspann sich ein freundlicher Dialog »von Brücke zu Brücke«, als ein sowjetisches Kosmos-Forschungsschiff des Wegs kam. Nach einigen neugierigen Fragen signalisierte der sowjetische Kapitän: »I wish you all the best« und dampfte davon. Ein paar Tage später lag ein Aufklärungsschiff in Sichtweite.

Doch von dort konnte man nicht sehen, ob und was da an Bord der »Glomar Explorer« gezogen wurde. Auch der nun freigegebene CIA-Artikel weist in dieser Frage nur weiße Stellen aus. Die CIA hat immer von einem Desaster gesprochen. Das Sowjet-Boot sei beim Heben zerbrochen und wieder versunken. Man darf daran zweifeln. Denn der damalige CIA-Direktor und heutige Kriegsminister Robert Gates übermittelte 1992 dem russischen Präsidenten Boris Jelzin einen Film über die maritime Beisetzung von sechs sowjetischen Matrosen. Gut möglich also, daß man damals auch eine der Atomraketen geborgen hat.

Noch wichtiger jedoch wären die Verschlüsselungsmaschine und der entsprechende Funkcode. Ob die USA also den Marinefunkverkehr ihres roten Widersachers verstehen konnten oder nicht, werden wir erst wissen, wenn die CIA mal wieder freigiebig ist.

René Heilig

Mittwoch 3. März 2010