Klimasünder industrielle Landwirtschaft:

Weltklimarat traf wunde Stelle

Nach dem letzten Bericht des Weltklimarats, welcher der Landwirtschaft bescheinigte, weltweit für 24 Prozent der Treibhausgase verantwortlich zu sein, gab es in manchen Ländern ein Aufjaulen der Betroffenen, die bislang selten im Zentrum des Interesses standen, wenn von Klimaschutz die Rede ging. Monsanto, BASF & Co. sind mit Sicherheit ganz große Klimasünder, aber ist das die ganze Landwirtschaft?

In Österreich etwa meldete sich sofort die Landwirtschaftskammer zu Wort mit der Feststellung, man sei dort nur für 8 Prozent des nationalen CO2-Ausstoßes verantwortlich. Nicht gesagt wurde, daß das sehr viel damit zu tun hat, daß in Österreich schon 20 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche biologisch bewirtschaftet wird, und die großen Flächen extensiv genutzter Almen im Berggebiet allesamt auch ohne Pestizide, chemischen Dünger und Zufütterung von Kraftfutter auskommen, selbst wenn sie nicht biologisch zertifiziert sind.

Luxemburg kann mit sowas nicht aufwarten, was allerdings den Präsidenten der Bauernzentrale ein paar Wochen vor dem Erscheinen des Berichts des Weltklimarats nicht daran gehindert hat, das Ziel von 100 Prozent biologischer Landwirtschaft, wie es im Rifkin-Bericht und in der offiziellen Regierungsstrategie für 2050 als Ziel angegeben ist, als groben Unfug zu bezeichnen, weil »der Markt nicht da ist dafür«. Die Behauptung ist natürlich wirklich grober Unfug, genauso wie diejenige, bereits heute ließe sich die Milch der Bio-Betriebe nicht vollständig absetzen. Denn das gleiche gilt ebenso für die Milch der anderen Betriebe!

Luxemburg produziert als Grünland-Standort einfach mehr Milch als die Bevölkerung verbrauchen kann. Nur Wiederkäuer sind in der Lage, Gras in Energie umzusetzen. Unsinnig ist es allerdings, die Milchproduktion der Kühe durch den Import von Soja als Kraftfutter weiter zu steigern. Wobei der Import aus Brasilien nicht nur wegen der weiten Wege übers Meer klimaschädlich ist (da landen wir beim unterschlagenen Verursacher Schiffverkehr), sondern noch viel mehr durch das Abholzen des Amazonas-Urwaldgebiets für neue Soja-Felder.

Diese Vorgangsweise der sich »integriert« schimpfenden industriellen Landwirtschaft ist umso unsinniger, als eine weniger hohe Milchleistung der Kühe einen höheren Milchpreis brächte, weil dadurch ein höherer Anteil als heute als Produkt abgesetzt werden könnte. Aber der einzelne Bauer denkt nicht so im Sinne der Gesamtvolkswirtschaft, hat er doch nur seinen Bankkredit im Sinn in kleinkarierter Betriebswissenschaft. Obwohl auch damit begreifbar sein müßte, daß 1.000 kg Milch zu 40 cts/kg ohne Kosten für Soja mehr einbringen als 1.500 kg zu 27 cts/kg von der Molkerei mit Soja-Ko­sten!

Fakten, Fakten, Fakten

Bloß geht die Frage der Wirtschaftsweise weit über die Milchwirtschaft hinaus. So ist es eine Tatsache, daß die biologische Wirtschaftsweise Humus aufbaut, die mit den Pestiziden und dem chemischen Dünger aus der Erdölchemie (und damit etlichem darauf lastendem CO2-Ausstoß) aber Humus abbaut.

Allein das zeigt klar, daß nur die biologische Wirtschaftsweise nachhaltig ist und ein Umstieg darauf im Interesse der künftigen Generationen! Hinzu kommt aber dann noch im Kapitel Klimaschutz, daß Humus ein CO2-Speicher ist. Während eine Zunahme mehr Speicherung bringt, führt die Abnahme zu zusätzlicher Freisetzung.

Wie man sich dreht und wendet, es gibt kein gutes Argument gegen das Ziel von 100 Prozent biologischer Wirtschaftsweise. Es ist daher wirklich nicht zweckmäßig, wenn von der Politik aus gesagt wird, unterschiedliche Wirtschaftsweisen in der Landwirtschaft sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden, denn wir bräuchten die »integrierte« wie die biologische. In Wirklichkeit können wir uns auf Dauer nur die biologische Landwirtschaft leisten!

Das setzt ein Umdenken voraus, und zu dem kommt es sicher nicht mit der Botschaft, beides sei gleichwertig. Denn exakt das ist der Grund, warum Bio-Landwirtschaft in Luxemburg auf derart niedrigem Niveau stagniert, obwohl der Konsum von biologisch erzeugten Lebensmitteln hier um einiges höher ist als in jenen Ländern, wo der Bio-Anteil erheblich höher ist.

Das Gerede vom fehlenden Markt entpuppt sich da als Ausrede. Zudem haben höhere Preise sehr viel auch mit Mengen zu tun. Kleine Mengen führen nun eben leider zu höheren Preisen in Erzeugung und Verarbeitung. Große Mengen führen zu Einsparungen in jeder Hinsicht: »Skaleneffekt« heißt das in der Wirtschaftswissenschaft (»économie d‘échelle« im Französischen). In Österreich war das deutlich spürbar bei jeder Zunahme um weitere 5 Prozent, nachdem die 10 Prozent-Hürde genommen war.

Nebenschauplatz Fleischdebatte

Der Mensch ist von seinem Gebiß und von seiner genetischen Programmierung in der Steinzeit her ein Allesfresser. Leute, die sich fast ausschließlich von Fleisch ernähren, verstoßen ebenso gegen ihre genetische Programmierung wie jene, die sich als moralisch höherwertig fühlen, weil sie kein Fleisch zu sich nehmen.

Es gibt verläßlich in den Industrieländern viele Menschen mit einem zu hohen Fleischkonsum. Allerdings ist die vom Weltklimarat losgetretene Debatte in der Form, wie sie läuft, wenig hilfreich. Denn die biologische Wirtschaftsweise setzt Tiere am Hof voraus, um Kreislaufwirtschaft überhaupt erst möglich zu machen. Wobei die Vorschriften zur Tierhaltung in der Bio-Landwirtschaft meilenweit entfernt sind von der Praxis jeder Massentierhaltung, die wirklich und wahrhaftig abzulehnen ist – und zwar erst in zweiter Linie wegen dem höheren CO2-Ausstoß!

jmj

Dienstag 13. August 2019