Demnächst Militär- und Katastrophenmedizin im CHEM?

Während der 1980er Jahre, als in Luxemburg Militärlager der USA und der NATO gebaut wurden und der Flughafen Findel im Rahmen der »Reforger«-Manöver (»Return of Forces to Germany« / Rückkehr von Streitkräften nach Deutschland) zur Drehscheibe für USA-Truppen wurde, war auch der Bau eines Munitionslagers für USA-Truppen und eines Militärkrankenhauses sowie die Schaffung einer Reservearmee zur Bewachung aller Militäranlagen im Gespräch gewesen. Mit dem Sieg der USA im Kalten Krieg zerschlugen sich jedoch diese Pläne – zumindest für längere Zeit.

Mit der zunehmenden Aggressivität der USA gegenüber Russland und den Bemühungen der USA und der NATO, noch massiver aufzurüsten als zu Zeiten des Kalten Krieges, stieg allerdings auch wiederum das Interesse an gewissen militärischen Projekten. Dazu zählt seit 2015 offenbar auch die Absicht, ein Militärkrankenhaus in Luxemburg zu schaffen.

In ihrer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der CSV-Abgeordneten Halsdorf und Mischo erinnern der olivgrüne Armeeminister François Bausch und sein Vorgänger und heutiger LSAP-Gesundheitsminister Etienne Schneider daran, dass die Regierung die »Direction de la Défense« am 28. September 2018 beauftragte, Gespräche mit dem Krankenhaus Emile Mayrisch (CHEM) aufzunehmen, um die Möglichkeiten einer »Infrastrukturpartnerschaft« bei der Verwirklichung eines Projektes im Bereich der Militär- und Katastrophenmedizin zu erörtern.

Diese Orientierung wurde im Regierungsprogramm von DP, LSAP und Grünen im Dezember 2018 bekräftigt. Im März 2019 kam es dann zu einer Zusammenkunft zwischen der »Direktion de la Défense« und der Direktion des CHEM, während der beschlossen wurde, die Zusammenarbeit durch eine Absichtserklärung zu besiegeln. Diese Woche hieß es, die Fertigstellung der Absichtserklärung stünde kurz vor dem Abschluß.

Man darf gespannt sein, in welche Richtung sich das Projekt entwickeln soll, auf welchem Standort es angesiedelt werden soll, welches Ausmaß es haben wird und welchen Platz einerseits der Militärmedizin und andererseits der Katastrophenmedizin eingeräumt werden soll.

A.R.

Krieg ist eine Katastrophe, aber keine Naturkatastrophe. Im Auftrag der Regierung sind die »Direction de la Défense« und die Direktion des CHEM dabei, eine Absichtserklärung über ein Projekt im Bereich der Militär- und Katastrophenmedizin auszuarbeiten.

Donnerstag 13. Juni 2019