Ökologie – was ist das?

Der Begriff der Ökologie kommt eigentlich aus der Biologie. Dort bezeichnet er die Lehre von den Wechselbeziehungen der Lebewesen mit ihrer Umwelt. Er geht auf den altgriechischen Begriff »Oikos« zurück, der eine antike Haus- und Wirtschaftsgemeinschaft bezeichnet. Ein Ökosystem ist für den Biologen ein begrenzter Lebensraum, wie zum Beispiel ein Wald, ein Feld, ein Korallenriff, in dem die unterschiedlichsten Organismen – Pflanzen, Pilze, Bakterien, Tiere, Menschen – miteinander in Beziehungen treten, die natürlichen Ressourcen nutzen und von diesen limitiert werden.

Viele dieser Beziehungen sind durchaus auch heute nicht restlos erforscht, weshalb es eine Ökosystemforschung gibt. Deren Ergebnisse sind nicht nur wichtig für die nachhaltige, das heißt auf den Erhalt und die Reproduktion zielende Nutzung natürlicher Ressourcen durch den Menschen. Sie liefern auch manch interessante Erkenntnis für das grundsätzliche Verständnis des Seins. Nichts ist ohne seine Vorgeschichte zu verstehen, keine Art kommt ohne eine andere aus, und oft sind die vielfältigen Beziehungen nicht nur versteckt, sondern auch hochgradig nichtlinear, so daß kleine Ursachen große Folgen haben können.

Ab den 70er Jahren hat der Begriff Ökologie – nicht nur im Deutschen – eine steile politische Karriere hingelegt. Die erstarkende Umweltbewegung, die auf die Zusammenhänge zwischen Umweltgiften und Erkrankungen, auf die sich in den Nahrungsketten von Stufe zu Stufe mehr anreichernden Schadstoffe und auf die Folgen radioaktiver Verseuchung aufmerksam machte, reklamierte ihn für sich. Das Denken in Zusammenhängen und Kreisläufen wurde eingefordert, ist aber auch vier Jahrzehnte später noch lange nicht zum bestimmenden Element der Indu­strie- und Wirtschaftspolitik geworden.

Ein besonders augenfälliges Beispiel hierfür ist die Agrarindustrie: Mehr denn je werden heute Futtermittel um den halben Erdball verschifft, um in Europa zum Beispiel Schweine großzuziehen, die dann nach China exportiert werden. In Lateinamerika wird dafür direkt oder indirekt wertvoller Tropenwald vernichtet, Kleinbauern werden von ihrem Land vertrieben. In Deutschland gefährden die Unmengen nicht sinnvoll verwendbarer Fäkalien das Grundwasser, während für die Transporte nicht ersetzbare fossile Energierohstoffe unwiederbringlich verbraucht werden.

Letzteres ist zugleich ein Hinweis auf das größte Beispiel für fehlendes Denken in Zusammenhängen. Immer noch basiert unsere industrielle Zivilisation auf dem Verbrauch endlicher Rohstoffe. Daß dies gefährlich ist, ist seit vielen Jahrzehnten bekannt. Verknappung ist eines der Probleme, die sich zuspitzende Klimakrise ein anderes. Allerdings verdienen Konzerne mit den bestehenden Abhängigkeiten ganz prächtig. Daher muß üble Nachrede betrieben – Framing sagt man auf Neudeutsch – und der »Öko« zum Buhmann, Spaßverderber und Verbieter gemacht werden. Die anhaltenden Schulstreiks in über hundert Ländern zeigen jedoch, daß die Jugend langsam die Geduld verliert und endlich nachhaltiges Wirtschaften sehen will.

Wolfgang Pomrehn

Zugunsten der Agrarindustrie werden Millionen Hektar Tropenwald vernichtet – zum Schaden des globalen Ökosystems (Holzfäller im brasilianischen Regenwald) (Foto: dpa)

Donnerstag 13. Juni 2019