Unser Leitartikel:
Fortis und Ping An

Nach der Generalversammlung vom 14. Februar, in der die Zerschlagung der Fortis durch die belgische Regierung und der Verkauf an die französische BNP-Paribas abgelehnt wurde, ärgerte sich die belgische Ministerin Joëlle Milquet, der negative Ausgang sei durch die Stimmen ausländischer Aktionäre hervorgerufen worden. Gemeint war die chinesische Versicherungsgesellschaft Ping An, die erst Mitte des letzten Jahres bei einer Kapitalerhöhung von Fortis Milliarden in die Bank gesteckt hatte, um rund 5 Prozent des Kapitals zu übernehmen.

Diese Aktien waren zum Preis von 20 Euro, und nachher noch einmal zu 15 Euro zu kaufen, während zuvor der Börsenkurs bei 30 Euro gelegen hatte. Nach der von der belgischen Regierung getätigten Operation waren die Aktien praktisch nichts mehr wert.

Mit Recht fühlten sich die kleinen Aktionäre genauso wie Ping An betrogen, und erzwangen durch einen Gerichtsbeschluss die Einberufung einer Generalversammlung, die die Operation bestätigen oder ablehnen sollte. Trotz eines Manövers in letzter Minute, durch das die belgische Regierung Stimmen in die Waagschale werfen wollte, die zur Stimmabgabe nicht berechtigt waren, oder gerade wegen dieses Betrugsversuchs, lehnte eine kleine Mehrheit das mit BNP-Paribas ausgehandelte Paket ab.

Die Koriphäen der belgischen Hochfinanz wie der Vicomte d’Avignon und Herr Lippens verloren ihren Sitz im Verwaltungsrat. Stattdessen wurde der Kandidat von Ping An, Jozef de Mey, zum neuen Vorstandsvorsitzenden gewählt. Wie diese Episode der Kapitalvernichtung weitergehen wird, ist schwer vorauszusagen. Auf jeden Fall scheinen die Chinesen im Gegensatz zu den Sozialdemokraten die Lektion in Sachen Funktionnement des Casinokapitalismus verstanden zu haben.

Denn dem kleinen Sparer wurde unlängst im gewerkschaftseigenen »Tageblatt« angeraten, wieder im Casinokapitalismus mitzumischen (T. vom 14.02.09: »Ja es ist richtig jetzt einzusteigen«). Gleichzeitig machte man sich in der gleichen Zeitung (T. vom 10.02.09) über die Kleinaktionäre lustig, da sie im großen Spiel nur stören würden.

Die Chinesen hätten ihre Erkenntnis viel billiger haben können, wenn sie vorher ein wenig bei Marx nachgeblättert hätten. Dabei hätten sie erfahren, dass in der Finanzsphäre kein Mehrwert entsteht, sondern dass der bereits vorher realisierte Mehrwert nur mehr hin und her geschoben wird. Der ganze Casinokapitalismus ist in der Dauer nur ein Nullsummenspiel, ... was die einen gewinnen, müssen andere verlieren.

Folgerichtig hat die chinesische Regierung deshalb verboten, weiter in westliche Finanzinstitute zu investieren. Mit den Beteiligungen über die »China Investment Corporation« (CIC), die mit 200 Milliarden US-Dollar Flüssigmittel ausgestattet ist, haben die Chinesen durch Aufkäufe in Morgan Stanley, UBS, Citibank und in der Investitionsgesellschaft Blackstone reichlich Verluste gemacht.

Jetzt investieren sie im Ausland nur mehr in die Realwirtschaft, wie beispielsweise in den australischen Bergbaukonzern Rio Tinto. So wurde kürzlich die Chinalco (China Aluminium Company) mit 18% des Kapitals zum größten Einzelaktionär von Rio Tinto. Anders als bei US-Banken liegen diesen Papieren reale Werte von Kupfer, Zink, Eisen, Uran und anderen Erzen zu Grunde.

Aloyse Bisdorff

Mittwoch 18. Februar 2009