Klappern gehört zum Geschäft:

Mehr Jugendliche in die Berufsausbildung?

Die Berufsausbildung ist laut DP-Erziehungsminister Meisch ein Faktor für eine wettbewerbsfähige Wirtschaft. Viele Sektoren hätten ein lebenswichtiges Interesse an qualifizierter Arbeitskraft, aber viele Jugendliche hätten keinerlei Kenntnis über das Potential der Berufsausbildung während viele Erwachsene Unterstützung bräuchten angesichts der Veränderungen in zahlreichen Berufen – Stichwort Digitalisierung. Claude Meisch erklärte der geladenen Presse gegenüber gestern, er wolle in dieser Legislaturperiode die Jugendlichen zur Zufriedenheit der Betriebe auf den Geschmack bringen mit flexibleren Übergängen zwischen den einzelnen Studiengängen.

In der letzten Legislatur wurde wieder ein Jahresrhythmus über die Module gesetzt. Nächste Woche ist am Krautmarkt ein Gesetz auf der Tagesordnung, mit dem der Lehrvertrag in das Arbeitsgesetz kommt, der »carnet de stage« eine legale Basis erhält und in dem die jeweilige Lehrdauer der einzelnen Berufe festgeschrieben wird mit der Möglichkeit ein Jahr länger zu brauchen oder auch ein zweites, wenn der Betrieb damit einverstanden ist. Das Gesetz ermögliche auch pädagogische Tests als Pilotprojekte und schaffe in der Berufsausbildung als dritten Weg die berufsbegleitende Möglichkeit. Die Kompetenzevaluation bleibt bestehen in den einzelnen Modulen, wird aber kombiniert mit einer Ziffernnote »für die bessere Lesbarkeit«.

Das alles sei in Partnerschaft mit Berufskammern, Lyzeen und Lehrkräften ausgearbeitet worden und so solle es auch weitergehen, um die Attraktivität der Berufsausbildung zu erhöhen. »Beschäftigungsfähigkeit« ist das große Wort, begleitet von der Karotte, auch wer nur mit einem CCP (»Certificat de Capacité Professionelle«) beginne, der könne am Ende doch noch auf die Uni.

Ein Stufenmodell mit viel flexibleren Übergängen als bisher soll das ermöglichen. Wie genau das aussieht, ist noch nicht bekannt, da erst darüber nachgedacht und verhandelt werde. Als Stufen wurden genannt: CCP, DAP (»Diplôme d‘Aptitude Professionelle«), DT (»Diplôme de Technicien«), BTS (»Brevet de Technicien Supérieur«), Bachelor und Master. Wer bei der nächsten Stufe scheitere, stehe dann nicht vor dem Nichts, sondern habe mit dem niederen Diplom einen Zugang zur Berufsausübung und folglich eine Absicherung.

Beispiele von Flexibilisierung

Es soll möglich werden, ohne Zeitverlust gleichzeitig den allgemeinen (früher: technischen) Sekundarschulabschluß und ein DAP-Diplom zu erwerben. Als Beispiel wurde ein Auto- und Motorrad-Mechatroniker genannt, der in Ausarbeitung sei und im »Lycée technique du Centre« im Rahmen eines Pilotprojektes angeboten werden soll.
Wer ein DAP hat soll in zwei Jahren bei der Nationalen Erwachsenenschule das DAES (»Diplôme d‘Accès aux Études Supérieures«) machen können, mit einem DT sogar in einem Jahr, um dann einen fachspezifischen Uni-Zugang zu haben.

Es sollen BTS im dualen Aubildungsgang angeboten werden, also mit Lehrvertrag, um leichter und schneller einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu erhalten. Im »Lycée du Nord« werde so ein Pilotprojekt mit Berufskammern im Bereich des Handels ausgearbeitet.

Die ECG (»École de Commerce et de Gestion«) bietet den Jugendlichen im BTS »gestionnaire comptable et fiscal« die Möglichkeit in Zusammenarbeit mit der Uni Luxemburg mit einem dritten Jahr dort im Anschluß das Bachelor-Diplom in Buchführung und Steuerrecht zu erwerben. Das »Lycée des Arts et Métiers«, das seit langem einen Zeichentrick-BTS anbietet, wird mit der Uni Luxemburg im Herbst einen Bachelor dranhängen. Andere Berufsbilder kämen nach.

Eine Reform des Meisterbriefs nicht mehr nach Berufen, sondern nach Berufsgruppen solle rasch Wirklichkeit werden, um zu mehr Berufsgründern zu kommen. Dabei werde der Zugang kostenlos im Gegensatz zu heute.

Die Möglichkeit des Lernens übers Internet soll in einer Pilotphase evaluiert werden. Gleichzeitig sollen die Sprachen berufsspezifisch angeboten werden sowie dasselbe in mehreren Unterrichtssprachen. So soll es etwa den Techniker in »Smart Technologies« ab Herbst in Deutsch und in Französisch im »Lycée Guillaume Kroll« und in Englisch im »Lycée privé Emile Metz geben«.

So nebenbei wird eine Modernisierung der Lehrinhalte vermehrt in Berufsgruppen und neue Ausbildungen wie etwa den e-commerce-Techniker oder einen DAP für Kinderbetreuung angekündigt.

Gleichzeitig soll es Teilzertifizierungen innerhalb der Ausbildungsgänge geben für den Fall, daß da wer das Ganze nicht schafft. Das eröffne die Möglichkeit, später darauf aufzubauen, eventuell unter Einrechnung von bei der Berufstätigkeit erworbener Kompetenzen, wobei deren Evaluierung vereinfacht werde.

Ebenso soll die Weiterbildung flexibler werden, um »reskilling« und »upskilling« zu erleichtern. Einsweilen müssen wir uns mit den englischen Schlagwörtern begnügen, die wiederqualifizieren bzw. höherqualifizieren bedeuten. Mini­ster Meisch findet wahrscheinlich, die deutschen Begriffe klängen zu banal und zu wenig geheimnisumwittert, so lange er nichts Genaues dazu anzubieten hat.

Für eine durchschaubarere Weiterbildung wird eine »Akkreditierungsagentur« angekündigt in enger Zusammenarbeit mit den Berufskammern, was klarlegen soll, was ein Weiterbildungsangebot taugt.

Eine Vielzahl von Ateliers und 2020 zum ersten Mal ein »Festival des Métiers« soll dann noch Interesse wecken. Wobei es immer nur um Fähigkeiten geht, die Betriebe suchen, nicht aber um Sachen, die im Beruf vielleicht völlig nutzlos sind, aber mehr Lebenszufriedenheit nach sich ziehen.

jmj

Mittwoch 12. Juni 2019