Unser Leitartikel:
Die Quittung zahlen stets die Arbeiter

Um die Gewinne in höchstmöglichem Maße maximieren zu können, wird den arbeitenden Menschen immer mehr abverlangt. Mit der Folge, dass Druck, Konkurrenzkampf und Stress in den Betrieben massiv zugenommen haben, Arbeitsbedingungen und Arbeitsklima deutlich schlechter wurden. Wer der Mehrbelastung nicht gewachsen ist, riskiert auf der Strecke zu bleiben. Was besonders für Lohnabhängige gilt, die aus Gesundheitsgründen nicht mehr in der Lage sind, jederzeit 100 Prozent abzurufen.

Sie werden zunehmend als Störfaktor betrachtet, dessen es sich besser heute als morgen zu entledigen gilt. Immer häufiger werden deswegen unbefristete Arbeitsverträge gekündigt, Zeitverträge nicht verlängert. Mit der Begründung, dass auf eine regelmäßige Mitarbeit kein Verlass mehr sei, wodurch schwerwiegende organisatorische Probleme für den Betrieb erwachsen könnten.

Es ist praktisch zum Alltag geworden, dass mit warnendem Finger auf Erwerbstätige gezeigt wird, die gezwungen sind, der Arbeit aus Gesundheitsgründen fernbleiben. So ganz nebenbei weist das Patronat dabei auf die langen Warteschlagen vor den Arbeitsämtern hin – die wie ein Damoklesschwert auf alle Schaffenden wirken. Druck und Einschüchterungen auf Krankgeschriebene haben spürbar zugenommen.

Was übrigens indirekt auch die Statistiken des »Observatoire de l‘absentéisme« zeigen. So ging die Abwesenheitsquote – sie lag 2017 bei 3,64 Prozent –, weiter zurück, In Luxemburg gab es damit deutlich weniger Krankmeldungen als in den Nachbarländern. Ein Beweis mehr dafür, dass ein jeder es sich inzwischen mindestens zweimal überlegt, bevor er sich krankmeldet. Zu groß ist nämlich die Angst, unangenehm aufzufallen, als »untauglich« oder »überschüssig« abgestempelt zu werden. Zu allgegenwärtig ist die Angst, gefeuert zu werden.

Die durch Krankheit bedingte Abwesenheitsquote, lag 2017 bei den Beschäftigten unter 30 Jahre bei 2,91 Prozent, bei den 30 bis 39-Jährigen bei 3,27 Prozent, bei den 40 bis 49-Jährigen bei 3,54 Prozent und bei den Lohnabhängigen über 50 bei 4,75 %. Bei den Erwerbstätigen, die einer manuellen Beschäftigung nachgehen, lag sie mit 4,7 Prozent verständlicherweise höher als bei anderen Lohnabhängigen (2,9%). 47 Prozent aller Schaffenden waren das ganze Jahr 2017 über nicht ein einziges Mal krankgeschrieben.

Hört also ein für allemal damit auf, Arbeiter, deren Motor nicht ununterbrochen auf Volltouren zu laufen imstande ist, unter Druck zu setzen, ihnen mit dem Brotkorb zu drohen. Denn viele Erkrankungen sind zunehmend »hausgemacht«. Immer häufiger sind Flexibilisierung, massive Deregulierung der Arbeitszeitzeitorganisation, längere Arbeitszeiten, fehlende Ruhepausen, seit Jahren schlechter werdende Arbeitsbedingungen, Hetze und Druck der Auslöser von Erkrankungen.

Und was unternimmt die Regierung dagegen? Recht wenig. Werden nämlich Gesetze reformiert, so geschieht dies meistens im Interesse des Patronats, wie es beispielsweise die Reform der Krankenversicherung oder das reformierte Gesetz der Unfallversicherung zeigen, durch welche das Patronat von etlichen Zwängen befreit wurde. Gleiches gilt übrigens auch für die rezente Reform des PAN-Gesetzes.

Beispiele, die allesamt zeigen, dass im Kapitalismus der Profit jederzeit wichtiger ist als das Wohlergehen der arbeitenden Menschen.

gilbert simonelli

Gilbert Simonelli : Dienstag 16. April 2019