Unterkunft als Luxusgut

Salariatskammer: Durchschnittliche Wohnkosten in Luxemburg steigen schneller als die Löhne. Das gilt vor allem, wenn sie im Bereich des Mindestlohns liegen

Bevor die Salariatskammer (CSL) Ende April ihr zum ersten Mal im Jahr 2011 publiziertes »Panorama social au Luxembourg« veröffentlichen wird, ging sie in ihren »Econews No. 2/2019« der Frage nach, wie Löhne und Kaufkraft sich seit dem Jahr 2000 im Verhältnis zu den Wohnkosten entwickelt haben. Bereits Anfang März hatte das nationale Statistikamt die beständig steigenden Wohnkosten als wichtigsten Grund für finanzielle Schwierigkeiten von Privathaushalten ausgemacht.

Zunächst stellt die Salariatskammer in ihrer vor allem auf der Auswertung von offiziellen Verwaltungsdaten beruhenden Analyse fest, daß sich die fünf Prozent der Schaffenden mit den höch­sten Löhnen (S95) zwischen dem Jahr 2000 und 2017 um Lohnsteigerungen von insgesamt 75,65 Prozent freuen konnten, während der luxemburgische Durchschnittslohn im selben Zeitraum nur um 46,10 Prozent zulegte und die Löhne der 20 Prozent mit den niedrigsten Löhnen (S20) lediglich um 58,49 Prozent. Der durchschnittliche Stundenlohn derS20 betrug im Jahr 2017 laut CSL 14,02 Euro, während der Mindeststundenlohn (am 1. Januar 2019) bei 11,97 Euro gelegen habe. Damit seien die höchsten Löhne um ein Viertel schneller gewachsen als die niedrigsten.

Die ungleiche Entwicklung fällt noch drastischer aus, betrachtet man die Lohnentwicklung im Verhältnis zur Kaufkraft: Während die fünf Prozent höchsten Löhne (S95) vom Jahr 2000 bis 2017 um 22,14 Prozent an Kaufkraft gewannen, legte der Durchschnittslohn in diesen 17 Jahren nur um 13,98 Prozent und die niedrigsten Löhne (S20) lediglich um 9,97 Prozent zu. Demnach haben die höchsten Löhne mehr als doppelt so viel an Kaufkraft gewonnen wie die niedrigsten.

Schließlich wird in der CSL-Studie die Evolution der Wohnkosten mit der Entwicklung der Nominallöhne zwischen 2005 und 2016 verglichen. Die Verkaufspreise für Häuser seien in diesem Zeitraum um 53,2 Prozent gestiegen, die für Appartements sogar um 65,5 Prozent heißt es unter Berufung auf das »Observatoire de l’habitat«, demzufolge auch Miethäuser und Mietappartements im selben Zeitraum um 31,8 bzw. 47,5 Prozent zulegten.

Die Evolution der Nominallöhne entnahmen die Statistiker der CSL dem Gesetzesprojekt No. 7085, demzufolge die höchsten Löhne (S95) von 2005 bis 2016 immerhin um 39,3 Prozent stiegen, der Durchschnittslohn jedoch nur um 33,6 Prozent und die niedrigsten Löhne (S20) lediglich um 31,1 Prozent.

Deshalb sei es kaum erstaunlich, schreibt die Salariatskammer, daß es in Luxemburg immer mehr Haushalte gibt, denen es schwerfällt, ihre Wohnkosten zu bezahlen. Habe Eurostat, das Statistik­amt der EU, ihren Anteil 2005 erst mit 28,6 Prozent angegeben, so sei er bis zum Jahr 2017 auf 36,8 Prozent gestiegen. Damit sei Luxemburg »der schlechteste Schüler im Vergleich zur großen Mehrheit seiner Partner in der Eurozone«.
Laut Statec hat mehr als jeder vierte luxemburgische Privathaushalt (26,3 Prozent) eigenen Angaben nach Probleme, am Monatsende seine Rechnungen zu bezahlen. Der vom nationalen Statistik­amt für das vergangene Jahr ermittelte Wert liege zwei Prozentpunkte unter dem von 2017 und sei »quasi identisch mit dem von 2015«, heißt es in den »Statnews No. 7«. Als Hauptgrund für finanzielle Schwierigkeiten werden demnach die beständig steigenden Wohnkosten angegeben.

Bereits in seinem im vergangenen Herbst veröffentlichten jüngsten Jahresbericht zu »Arbeit und sozialem Zusammenhalt« hatte der Statec darauf hingewiesen, daß in Luxemburg im Durchschnitt bereits rund 42 Prozent der Haushaltsausgaben auf die Wohnung entfallen. Die Tendenz sei weiter steigend. Die amtlichen Statistiker haben ermittelt, daß ein Haushalt, der aus zwei Erwachsenen und zwei Kindern besteht, im Durchschnitt 1.542 Euro pro Monat für die Wohnung berappen muß.

oe

Montag 15. April 2019