98 Jahre jung

Es gab zwei gute Gründe für die Portugiesische Kommunistische Partei (PCP), zum traditionellen Almoço am Sonntag nach Düdelingen ins Café Benfica einzuladen. Wie jedes Jahr wird der Jahrestag der »Nelkenrevolution«, bei der am 25. April 1974 das faschistische Regime in Portugal von revolutionären Militärs gestürzt wurde, gebührend gefeiert. Dieser 25. April, der als Symbol in die portugiesische Geschichte eingegangen ist, bedeutet nicht nur das Ende einer jahrzehntelangen Diktatur, sondern auch den Neubeginn in der Entwicklung des Landes, zu dem portugiesische Kommunisten und viele andere Antifaschisten einen bedeutenden Beitrag geleistet haben.
Der zweite Anlaß ist der 98. Jahrstag der Gründung der PCP, einer Partei, die in den dunklen Jahren der faschistischen Diktatur keinen einzigen Tag aufgehört hat zu existieren und zu kämpfen, einer Partei die einen hohen Blutzoll entrichtete in ihrem entschlossenen Kampf für ein anderes Portugal. Erinnert sei an dieser Stille an Catarina Eufemia, eine junge Kommunistin, die von einem faschistischen Offizier erschossen wurde, weil sie sich an die Spitze der Landarbeiter gestellt hatte, die eine gerechte Bezahlung forderten.

Tomé Gonçalves vom Zentralkomitee der PCP erinnerte in einer kurzen Ansprache an die ruhmvolle Geschichte der Partei und schlug den Bogen zu den Kämpfen der Gegenwart. Er wies darauf hin, daß mehrere Hunderttausend junge Menschen, zumeist mit einer guten Ausbildung, in den letzten Jahren das Land verlassen haben, um in einem anderen EU-Land oder in Übersee eine Perspektive zu suchen, die ihnen auch im heutigen Portugal nicht geboten wird. Auch aus diesem Grund führt die PCP im Rahmen ihres Wahlbündnisses Coligação Democrática Unitária einen entschlossenen und konsequenten Wahlkampf für die bevorstehenden Wahlen zum EU-Parlament. »Schluß mit den Auflagen der EU« ist eine der Losungen, mit denen die PCP um den Wiedereinzug ins EU-Parlament kämpft, mit dem langfristigen Ziel, die bestehende Europäische Union durch eine neue Form der Zusammenarbeit der Völker ganz Europas zu ersetzen.

»Wir stimmen darin überein, daß diese EU nicht reformierbar ist«, betonte Gilbert Simonelli, der für die KPL Grüße an die portugiesischen Genossen überbrachte. Er unterstrich, daß beide Parteien nicht nur das Gründungsjahr 1921 gemeinsam haben, sondern vielmehr in allen wichtigen politischen Einschätzungen und Zielstellungen völlig übereinstimmen. Gilbert Simonelli rief die in Luxemburg lebenden Portugiesen auf, bei der EU-Wahl für die drei Frauen und drei Männer auf der Liste der KPL ihre Stimme abzugeben. »Wir freuen uns darauf, in zwei Jahren gemeinsam mit euch den 100. Jahrestag unserer beiden Parteien feiern zu können«, schloß er seine kurze Grußansprache.

bro

Montag 15. April 2019