Im Privatsektor müssen höhere Löhne her

Geht es vielen Menschen hierzulande wirklich immer schlechter, oder handelt es sich nur um Schwarzmalerei, wenn kritische Stimmen behaupten, dass stagnierende Löhne, Reallohnverluste, Sozialabbau und Kaufkraftverlust die Haushalte immer schwerer belasten?

»In den Luxemburg geht es den Menschen recht gut«, antworten wohl jene, die sich neben Villen und Luxusautos viele andere Wünsche sorgenfrei leisten können.
»Ja, es stimmt, es geht vielen Menschen wirklich immer schlechter«, werden jedoch jene antworten, die im Bilde sind über die vielen Haushalte, die von sozialen Problemen betroffen sind, die vielen Arbeitslosen und revis-Empfänger (früher RMG) und die nahezu 62.000 Erwerbstätigen, die nicht mehr als 102 Prozent des sozialen Mindestlohns verdienen. Alles Menschen, die allmonatlich Probleme haben, um über die Runden zu kommen.

Ehrlichkeitshalber sei erwähnt, dass es im reichen Luxemburg auch viele Tausende Menschen gibt, die solche Probleme nicht kennen. Gemeint sind vor allem Manager und Spitzenverdiener in der Privatwirtschaft, jedoch auch leitende Funktionäre und hohe Beamten bei Staat und Gemeinden, die in der Regel über Gehälter verfügen, die es ihnen ermöglichen, in finanzieller Hinsicht ein sorgenfreies Leben zu führen.
Anders ist es jedoch um den Bauarbeiter bestellt, der für weitaus weniger Geld bei Nässe und Kälte im Graben sitzen muss, und dabei nicht einmal weiß, ob ihm dies auch das ganze Jahr über »gegönnt« sein wird?

In ständiger Sorge lebt auch die allein erziehende Verkäuferin die mehr schlecht denn recht mit dem Mindestlohn auskommen muss und zunehmend von Armut bedroht ist. Dies, obwohl sie wochentags häufiger länger und immer öfters an Sonntagen arbeiten muss.

Die Situation des jungen Handwerkers, der dank Kollektivvertrag zwar einige Hunderte Euro mehr verdient, fast die Hälfte allerdings für Miete und Taxen zahlen muss, ist kaum beneidenswerter. Eine Serie, die wir problemlos fortsetzen könnten.
Wir wollen keinesfalls als Sozialneider hingestellt werden, wenn wir behaupten, die Lohnschere sei viel zu weit geöffnet. Ein Übel, das so nicht länger hingenommen werden darf. Um diesem entgegen zu wirken, müssen deshalb im Privatsektor schnellstens spürbare Lohnaufbesserungen her.

Die Regierungsparteien haben es allerdings verpasst, ein klares Signal in diese Richtung zu setzen, als sie sich in den Koalitionsverhandlungen darauf einigten, den sozialen Mindestlohn nur um 100 Euro netto anzuheben (voraussichtlich nur ein Drittel zu Lasten des Patronats) –obwohl die Salariatskammer (CSL) bereits vor zwei Jahren einen Nachholbedarf von 22 Prozent errechnet hatte.

g.s.

Gilbert Simonelli : Freitag 15. Februar 2019