Oh vel‘OH!

Lahmleger Feuchtigkeit und Wackelkontakt

Vergangenen Mittwoch trafen sich des Nachmittags Schöffenrat und Decaux-Verantwortliche, um sich über die Probleme der Leihfahrräder auszutauschen. Der Termin war morgens beim Pressefrühstück streng geheim gehalten worden. Da hatte es nur geheißen, die Probleme seien bekannt, es müsse rasch eine Lösung her.
Da sich beide Seiten in der Aussprache derart gut verstanden, daß es fast schon nicht auszuhalten ist, durfte die Presse gestern auf den Sitzen der Opposition im Gemeinderatssaal am Knuedler Platz nehmen, derweil sich Bürgermeisterin, Mobilitätsschöffe, Mobilitätsdienststellenleiter und ein Decaux-Verantwortlicher gegenüber auf die Sessel der DP niederließen. Das Schild von Meßdiener Wilmes als erster Schöffe war zwar aufgestellt worden, er tauchte aber nicht auf, um nichts zu sagen.

Das Stadtluxemburger Leifahrradsystem mit zu 100% elektrisch unterstützten Fahrrädern ist zur Zeit weltweit einzigartig, und da seien Kinderkrankheiten wohl unvermeidbar, bat Jérôme Blanchevoye um Verständnis. Allerdings gab er zu, daß die Probleme größer waren als erwartet.

»Physische Eingriffe«

Dies weil physische Eingriffe sowohl bei allen Rückgabestationen wie bei allen Fahrrädern nötig wurden, es sich also nicht um reine Informatikproblemchen handelte, sondern um fehlerhafte Teile, die ersetzt werden mußten bzw. noch ersetzt werden müssen.

In allen Andockstationen war ein kleines Plastikteil, das auf Feuchtigkeit schlecht reagiert hat, was in den Tests vor der Eröffnung des Systems nicht erkannt wurde.
Das führte dazu, daß entweder bei der Rückgabe nicht erkannt wurde, daß da ein Fahrrad zurückkam, oder daß ein vorhandenes und aufgeladenes Fahrrad sich nicht entleihen ließ. Manchmal führte das auch dazu, daß zurückgegebene Fahrräder nicht aufgeladen wurden. In allen diesen Andockstationen wurde das Teil mitlerweile ausgewechselt, womit die damit zusammenhängenden Probleme behoben sind. Dann gibt es einen Wackelkontakt in den Fahrrädern in einem Teil, das zur Steuerungselektronik gehört. Das führt gelegentlich dazu, daß die Räder blockieren und die arme Person auf dem Fahrrad den ausgefallenen Motor mit den Pedalen mitbewegen muß. Viel öfter kommt es laut Jérôme Blanchevoye aber dazu, daß die elektrische Unterstützung einfach ausfällt, obwohl die Batterie nicht leer ist. Mit der Kälte habe das nichts zu tun, es müsse dieser fehlerhafte Bauteil auf der Platine ersetzt werden, was bei 400 Fahrrädern schon geschehen sei.

Das dauere, weswegen erst in 6-8 Wochen alle fertig ausgetauscht sein können. Bis dahin wird den Abonnenten geraten, bei solchen Vorfällen sich an der nächsten Station ein neues Fahrrad auszuleihen. Die Wartezeit zwischen Rückgabe und der Möglichkeit, ein neues Fahrrad auszuleihen, liege bei rund einer Minute.

Aboverlängerung zum Trost

Als Entschädigung kriegen alle Abonnenten ihre Abos verlängert um die Zeit vom 30.11.2018 bis zu dem Zeitpunkt, wo alle Probleme behoben sind. Das gilt für bereits bestehende Abos, aber auch für solche, die bis zu dem Zeitpunkt neu abgeschlossen werden. Sie kosten bekanntlich 18 € für 12 Monate. Die Zeit mit Problemen wird damit gratis, was nicht wirklich eine Riesenersparnis angesichts heftiger Widrigkeiten ist.

Wir konnten nämlich beobachten, wie einer der bei der Pressekonferenz anwesenden Journalisten zu leiden bekam mit einem Rad, das er am Knuedler auslieh, und das bereits am Boulevard Roosevelt ein erstes Mal mit lautem Geräusch blockierte. Unter der Neuen Brücke hindurch ging‘s dann wieder, doch in der Rue Zithe war Endstation. Laut schnurrend wurde dem Armen das Treten zu mühsam, und er war froh, daß es am Rosengärtchen eine Station gibt. Wie weit er mit dem Austauschfahrrad kam, entzieht sich unserer Kenntnis, da wir mit dem eigenen Fahrrad problemlos weiterziehen konnten.

Es ist also nicht so, wie die Bürgermeisterin behauptet hatte, daß die elektrische Assistenz gelegentlich nach 10-15 Minuten ausfalle. Das kann inklusive Blockierung bereits nach ein paar Hundert Meter sein! Aber gut, der Schöffenrat ist zufrieden, weil die Zahl der Abonnements seit der Inbetriebnahme trotz der Probleme um 11% zugenommen habe und die Zahl der Ausleihungen vom 30.11.2018 bis 10.2.2019 mit 26.657 um 40% höher liege als die 19.064 des Zeitraums 12 Monate davor. Wie viele da aber zwei oder mehr Fahrräder brauchten für die gewünschte Strecke, läßt sich nicht eruieren.

Wir wünschen den velOH!-Kunden viel Glück bei der Loterie. Am sichersten ist offenbar immer noch das eigene Fahrrad!

jmj

Zwei winzige fehlerhafte Teile, eins in der Andockstation, eins im Fahrrad, legen ein System lahm!

Freitag 15. Februar 2019