Unser Leitartikel:
Wenn die Preise steigen, und die Kaufkraft zurückgeht

Im Monat Januar ging der Preisindex um 0,9 Prozent zurück. Dafür gibt es eine ganz einfache Erklärung, und die heißt Winterschlussverkauf. Während mehreren Wochen sollen insbesondere die Preise für Kleidung und Schuhe im Durchschnitt 15,6 Prozent billiger gewesen sein, als knapp einen Monat zuvor, aber dennoch höher als im Januar 2018. Hauptsächlich hat der Preisrückgang damit zu tun, dass viele Kaufhäuser ihren Lagerbestand, den sie ansonsten hätten ganz abschreiben müssen, zu extrem niedrigen Preisen anboten.

Aber die Freude war nur von kurzer Dauer, und bereits Anfang Februar meldeten sich die höheren Preise für Kleidung und Schuhe mit voller Wucht zurück.
Nun dürfte im Januar nicht jedermann neue Kleider und Schuhe gekauft haben, so dass der Winterschlussverkauf längst nicht bei allen positive Auswirkungen auf die Kaufkraft hatte. Einen weitaus größeren und längerfristigeren Impakt, wenn auch in negativer Hinsicht, hatte die Erhöhung der Strompreise zum 1. Januar 2019.

Das statistische Amt spricht von einer durchschnittlichen Erhöhung von 4,2 Prozent für die Konsumenten, was insbesondere für das Portemonnaie der vielen Haushalte ganz schön happig ist, die ohnehin bereits Schwierigkeiten hatten, die beiden Enden am Monatsende zusammenzubekommen. Und damit sind nicht die Herren in Nadelstreifen und die Damen mit Perlenohrringen aus den oberen Wirtschafts- und Politiketagen gemeint.

Manche werden nun einwenden, es gäbe ja noch immer den Index. Aber der hilft denen, die heute Schwierigkeiten haben, um über die Runden zu kommen, auch nicht weiter, denn dabei handelt es sich um eine verspätete Anpassung der Löhne und Renten an die Preisentwicklung, die immer nur dann erfolgt, wenn der semestrielle Durchschnitt des Index eine gewisse Fälligkeitsquote überschritten hat.

Und das kann manchmal sehr lange dauern, da es – abgesehen von einer direkten Manipulation, wie sie während der vergangenen zwanzig Jahre wiederholt von Regierung und Chamber beschlossen wurde –genügend Schrauben gibt, an denen gedreht werden kann, um den Erfall einer Indextranche von 2,5 Prozent hinauszuzögern. Und von der Auszahlung einer Vorschussindextranche, wie sie die KPL, aber auch die Konsumentenschutzorganisation ULC fordert, will die Regierung bekanntlich nichts wissen.

Gegenwärtig sieht es jedenfalls nicht nach einer Indextranche aus. Doch selbst wenn eine solche Ende des Jahres 2019 oder Anfang 2020 erfallen sollte, wird das voraussichtlich die einzige für lange Zeit bleiben, was die Gas- und Strompreise, die Mieten, die medizinischen Dienstleistungen, die Müllabfuhr und viele Lebensmittel des täglichen Bedarfs nicht daran hindern wird, weiterhin munter in die Höhe zu klettern. Und das wird sich dann wiederum negativ auf die Kaufkraft aller Lohnabhängigen auswirken, aber besonders stark auf Menschen mit niedrigem Einkommen, auf Mindestlohnbezieher, Familien mit Kindern und Alleinerziehende. Ganz zu schweigen von den vielen, die auf eine Teuerungszulage angewiesen sind, die seit 2009 nicht mehr an die Inflation angepasst wurde und seither deutlich an Wert verloren hat.

Politisch ist das so gewollt, denn seit der Abschaffung des Preisamtes gibt es kaum noch privatwirtschaftliche Waren und Dienstleistungen, deren Preise vom Staat beschränkt werden, was aber in den Augen der Kommunisten notwendig und, neben einer Erhöhung des Mindestlohnes und der kleinen Renten, ein Mittel wäre, um dem Kaufkraftschwund entgegenzuwirken.

Ali Ruckert

Ali Ruckert : Freitag 15. Februar 2019