Kauft jede Menge in der Hauptstadt, aber:

Müll korrekt entsorgen!

Dem Schöffenrat am Knuedler ist es wichtig, daß jede Menge Leute in die Stadt zur Arbeit unter der Woche und zum Einkaufen am Wochenende kommen. Damit noch mehr das tun, ist in der Oberstadt und im Bahnhofsviertel von April bis Oktober verkaufsoffener Sonntag an jedem ersten Sonntag im Monat. Gleichzeitig sind da die Busse nicht nur wie jeden Samstag auch am Sonntag gratis und es wird ein »vide-grenier« abgehalten. Die Parkhäuser Schumann und Stade sind ab sofort auch jeden Samstag und Sonntag gratis.

Beim »vide-grenier« ist der Schöffenrat draufgekommen, daß das Kassieren eines Beitrags von 5 € mehr kostet als es einbringt. Daher ist das ab diesem Jahr gratis. Die Anmeldung soll aber mit einem auf www.vdl.lu bereitgestellten Formuar mittels Mail jeweils vom 1. bis 10. des Vormonats erfolgen. Die Plätze werden entsprechend dem Maileingang vergeben; wer nicht in der Stadt wohnt, kriegt nur einen Platz, wenn sich weniger Hauptstädter gemeldet haben als es Plätze gibt.

Ein Riesenproblem

Neuerdings läuft der »vide-grenier« auch unter dem Etikett Müllvermeidung, denn Müll, der einfach so neben den 61 Recycling-Inseln in der Stadt abgestellt wird, erregt den Schöffenrat maximal. 479 t wurden da letztes Jahr aufgelesen, 30 t mehr als im Vorjahr. 12 Leute leeren und räumen in zwei Schichten an jedem Wochentag, und das kostet fast eine Million im Jahr. Jetzt wurde noch einer im Büro angestellt, der Müllsünder verfolgen soll. 2018 wurden nur 100 ausfindig gemacht, die eine gebührenpflichtige Verwarnung von 148 € zugestellt bekamen. 2016 war erfolgreicher, denn da wurde sowas 134 Mal ausgefertigt.

Warum der Schöffenrat nicht mehr Werbung dafür macht, daß ein Anruf im Hygienedienst reicht, und Sperrmüll wird vor der Haustür abgeholt – bei Haushalten einmal im Jahr gratis –, entzieht sich unserer Kenntnis. Betriebe kriegen da eine Taxe halbstündlich verrechnet.

Ins Problemfach gehört für den Schöffenrat auch, daß am vergangenen Samstag nur 113 sich für die Wahl des EU-Parlaments eingeschrieben haben, 24 auch noch für die Gemeinderatswahl 2023. Bis 28. Februar ist das noch möglich, doch vor lauter Enttäuschung über den geringen Erfolg, bleibt das Biergercenter nächsten Samstag zu.

Luft immer besser?

In einem Kilo Luft sollen laut EU-Grenzwert nicht mehr als 40 Mikrogramm Stickoxide sein. 1996, als am oberen Boulevard Royal 30.000 Fahrbewegungen stattfanden, lag dieser Wert dort bei 60, 2018 aber bei 16.500, davon 3.000 Busfahrten, nur noch bei 46 Mikrogramm. Man habe die Ampelsteuerung so eingesetzt, um den Verkehr von der Achse fernzuhalten, wurde mitgeteilt. Zudem habe man sich bemüht, die Busflotte ständig zu modernisieren. Dieses Jahr würden 20 Elektrobatterie-Busse ausgeschrieben. Die sind dann mindestens so sauber wie die Tram, die neuerdings auch als Luftreinhaltemittel verkauft wird, ganz besonders für die Neue Avenue, die mit ihr busfrei wird. Dafür wird die Alte Avenue dann autofrei, damit die Busse Platz haben.
Das wird alles lustig, ganz besonders für die RGTR-Passagiere, deren Busse überall nur mehr bis zur Tram geduldet sind. Da heißt es dann: »Terminus, umsteigen!«
Fahrradfahren ist angesagt! Am Hauptbahnhof Innsbruck stehen so beiläufig zehntausend Fahrräder, und wahrscheinlich wird das auch in Luxemburg so werden müssen. Nur daß die Tiroler das freiwillig gemacht haben…

Grün muß weg

Gegenüber dem Konservatorium gibt es eine Riesenfäche, die dem Roten Kreuz gehört. Letztes Jahr wurde die Hälfte gerodet, jetzt eben die zweite Hälfte. Damit sind die Raben, die bisher dort wohnten, verdrängt. Das freut laut Bürgermeisterin die meisten Anrainer, nur eine habe sich beschwert. Die Raben haben sich nicht beschwert, obwohl sie allen Grund dazu hätten, stehen sie doch unter Schutz – offiziell.

Mit der Rodung haben die Bäume jedoch nicht nur aufgehört, Rabenwohnsitze zu sein. Sie haben auch aufgehört, Sauerstoff zu erzeugen. Sie hätten das ruhig noch weitertun können, denn das Rote Kreuz trägt sich nur mit dem Gedanken, dort zu bauen.
Es wird aber 2019 ganz sicher noch nicht gebaut, vielleicht auch nicht so bald danach. Wie lange der Gedanke noch herumgetragen wird, ist unbekannt, liegt doch laut Bürgermeisterin nichts vor, was ihr erlauben würde, eine Baugenehmigung zu unterschreiben. Wir finden, das ist ein Skandal.

Ein Skandal ist es auch, daß rund um das Fußballfeld des RFCUL (früher Union) die dichten Hecken, ebenfalls Sauerstoffspender, gerodet wurden um durch schwarzes Hartplastik ersetzt zu werden. Das erlaubt weiterhin das Zuschauen der Spiele von außen nicht, erzeugt aber ganz sicher keinen Sauerstoff.

Leider wurden ein paar hundert Meter weiter unten gleich wieder Hecken gerodet. Natur ist für viele Pfui, und Sauerstoff ist schließlich überall in der Luft. Da gibt es ja seit einiger Zeit die Krankheit der »mineralischen Vorgärten«, und die ist jetzt auch irgendwo in der Stadtverwaltung ausgebrochen. Nachdem die Hecken entfernt waren wurde also vor der Spielschule zum Boulevard de la Fraternité eine Plastikplane ausgebreitet und Granulat drübergestreut, damit jetzt zwischen den wenigen übriggelassenen Bäumchen und Einzelgewächsen verläßlich kein Grün mehr sprießt. Der Umweltdelegierte weiß von nichts, der Schöffenrat hat keine Ahnung – hier wie beim Union-Fußballfeld. Ob der Schuldige beim nächsten Pressefrühstück verraten wird?

jmj

So sauber ist Natur nicht, aber Grünzeug erzeugt Sauerstoff. Braunes Granulat auf weißer Plastikplane, die gelegentlich hervorlugt, jedoch sicher nicht

Mittwoch 13. Februar 2019