Ariston: Escher Schöffenrat schlägt Kindertheater vor

Bürgermeister und Kulturschöffe bestehen aber auf »Verteilung der Kosten auf mehrere Schultern«

Neuer Akt im Trauerspiel um das Ciné Ariston in Esch/Alzette: Nachdem der neue Schöffenrat aus CSV, Déi Gréng und DP von seiner Ankündigung im Koalitionsabkommen, das seit 2016 geschlossene Traditionskino werde von der Stadt in eine »multidisziplinäre Kultureinrichtung« umgestaltet, aus Kostengründen wieder abgekommen ist, hat er am Montag auf einer Pressekonferenz im unbeheizten Foyer des Ciné Ariston vorgeschlagen, den Kinosaal künftig als zweiten Theatersaal für Kinder- und Jugendaufführungen zu nutzen.

Nachdem die neue Kulturministerin Sam Tanson von Déi Gréng angekündigt habe, das gesamte Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen, habe sich der Schöffenrat erneut Gedanken gemacht, erklärte der Escher Bürgermeister Georges Mischo gestern auf der Vorortpressekonferenz. Zwar wolle die Stadt das einem kirchlichen Eigentümer (»Oeuvres paroissiales Sacré-Coeur«) gehörende Gebäude immer noch nicht alleine abkaufen und auf Kosten des Stadtsäckels renovieren lassen, man sei aber »bereit, mitzumachen«, wenn die Ko­sten »auf mehrere Schultern verteilt« würden. Neben dem Kulturministerium und dem SSMN (Service des sites et monuments nationaux) erwarte man auch eine teilweise Kostenübernahme von »Esch 2022«, der Organisation, die das EU-Kulturhauptstadtjahr 2022 vorbereitet. Nur so sei das gestern präsentierte Projekt überhaupt »vorstellbar«, betonte CSV-Bürgermeister Mischo.

»Esch 2022« sowie andere Südgemeinden hätten sich bereits sehr interessiert an einer regionalen Kinder- und Jugendbühne gezeigt, erklärte der von der DP gestellte Kulturschöffe Pim Knaff ge­stern. Wenn der Kino- in einen Theatersaal transformiert würde, fielen auch viel geringere Umbaukosten an und es sei möglich, bis zum Beginn des »Europäischen Kulturhauptstadtjahres« 2022 mit den Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen fertig zu sein. So bleibe das Haus der Kultur erhalten und der Festsaal im ersten Stock könne weiter für Veranstaltungen genutzt werden.

»PPP keine Option«

Auch Carole Lorang, die neue Direktorin des Escher Theaters, habe seit ihrem Amtsantritt im vergangenen Jahr geklagt, in Esch kämen Theateraufführungen für Kinder und Jugendliche zu kurz, gab Mischo zu bedenken. Der Bedarf sei also da, jetzt warte man, »ob noch andere mit ins Boot kommen«. Ausdrücklich erklärte der Bürgermeister, eine sogenannte PPP (Public-Private-Partnership, dt.: Öffentlich-Private Partnerschaft) sei in diesem Fall »keine Option« gewesen.

Einer im Mai 2016 von dem Fotografen Paulo Lobo und dem Regisseur Adolf El Assal angeleierten Unterschriftenkampagne mit dem Ziel, das Ciné Ariston als selbstverwaltetes Programmkino wieder zu eröffnen, haben sich mehr als 1.000 Kinofreunde angeschlossen.

Hingegen hatte der Vorsitzende der »Oeuvres paroissiales Sacré-Coeur«, Jacques Claus, im November 2018 erklärt, wenn die Stadt das Gebäude nicht wolle, komme nur ein Abriß infrage. Es liege bereits ein Projekt vor, aus dem Traditionskino ein Neubau mit 20 Sozialwohnungen und einer großen Garage zu machen. Dem ist das Kulturministerium mit der Ankündigung, das Gebäude als nationales Monument zu klassieren, zuvorgekommen.

oe

Montag 11. Februar 2019