Findel bei Tag und Nacht:

Rekordverdächtig illegal

Legal sind am Flughafen Findel 85.000 Flugbewegungen, also Starts und Landungen, im Jahr. Dabei dürfen bis maximal 3,5 Millionen Passagiere befördert werden. Die Begrenzungen wurden verfügt, um die Anrainer ruhigzustellen. Das gelang wegen der steigenden Zahl der Nachtflüge nicht richtig, aber jahrelang wurde über nichts anderes gestritten. Immerhin hat die Weltgesundheitsorganisation befunden, selbst jene Störungen der Nachtruhe wirkten sich gesundheitsschädlich aus, die vom schlafenden Menschen gar nicht bewußt wahrgenommen werden. Daher sollte alles geschehen, damit das nicht stattfindet, was aber bisher keine einzige Luxemburger Regierung zu Taten anspornte, ging es denen doch allen nur um Wirtschaftswachstum und höchstmögliche Kapitalprofite.

Als 2017 Bilanz gezogen wurde, standen 89.944 Flugbewegungen (74.155 internationale und 15.429 nationale) mit denen 3.599.390 Passagiere befördert wurden zu Buche. Der Betrieb am Findel war also irgendwann um die Feiertage im Dezember herum illegal geworden.

Die Regierung hätte zwar hingehen können, und die rechtlich eingezogen Grenzen anheben. Sie vermutete zu Recht, das gäbe Wirbel in einem Wahljahr und unterließ das lieber. Die Luxairport SA, obschon in staatlichem Besitz, bremste das allumfassende Wachstum keineswegs. So trat der Findel 2018 bereits Ende September in die Illegalität, weil er in den ersten neuen Monaten schon 86.903 Flugbewegungen (74.624 internationale und 12.279 nationale) erlebte, mit denen »nur« 3.065.678 Passagiere flogen.

Zu diesem Zeitpunkt brüstete sich Luxairport auf ihrem Internetauftritt noch mit 3,6 Mio. Passagieren im Jahr ohne jedes Unrechtsbewußtsein. Obschon sich die Findel-Betreibergesellschaft noch in einer Presseaussendung feierte fürs Überschreiten der 4 Millionen Passagiere 2018, ist diese illegale Höchstleistung nun nicht mehr zu finden auf www.lux­airport.lu. Bejubelt werden jetzt 957.000 t Fracht, wo wir uns zwar fragen dürfen, was das auf einem »City Airport« soll, wie er den Anrainern versprochen worden war. Doch dafür wurde nie irgendeine Grenze fixiert, schließlich ist die Cargolux eine Staatsfirma. Ebenfalls wird sich gerühmt, über durchschnittlich 800 Flüge in der Woche zu verfügen, was im Jahr illegale 89.600 Flugbewegungen ausmachen würde, und das ohne die nationalen!

In der Statistik stehen für 2018 insgesamt 94.586 Flugbewegungen, davon 79.101 internationale und 15.485 nationale. Letztere blieben also fast gleich, auch wenn es starke Schwankungen in den einzelnen Monaten gab, während bei den internationalen Flugbewegungen in jedem Monat mehr als im Vorjahr anfielen. Selbiges gilt übrigens ebenso für die Passagierzahlen. Da auch 2019 noch ein Wahljahr ist, wird es wohl dabei bleiben, daß das illegale Wachstum weitergeht und nicht legalisiert wird.
Da sich seit Wiedereröffnung von Terminal B die offizielle Kapazität des Findel laut Luxairport auf 4,5 Mio. Passagiere beläuft, dürfte bald ein Ausbau anstehen. Die Anrainer mögen sich wappnen!

Nächtliche Ruhestörung bleibt auf hohem Niveau

Denn das Versprechen von Minister Bausch, die Zahl der Nachtflüge zu reduzieren, erfüllte sich 2018 nicht. Zwar gibt es in der Jahresstatistik für die sieben Stunden zwischen 23 und 6 Uhr, in denen der Findel offiziell zu ist, 81 Nachtflüge weniger, das wirkt sich bei immer noch 2.145 (gegenüber 2.226 für 2017) nur hinterm Komma aus und ist der historisch zweithöchste Wert. Statt 6,1 Störenfriede pro Nacht 2017 wurden daraus 2018 5,88 Störenfriede.

Die setzen sich aus 913 Flugbewegungen mit Passagieren und 1232 mit Fracht zusammen, wobei es bei der Fracht 146 Bewegungen weniger (bei der Cargolux sind übers Jahr zwei Flieger flugunfähig geworden) und bei den Passagieren 65 mehr in der offiziellen Sperrzeit gab.

Ganz besonders in der Zeit von 23-24 Uhr gibt es überhaupt keine Nachruhe. Allein auf diese Stunden entfallen 693 Starts und 709 Landungen, also 1.402 Flugbewegungen. Da der ausgewachsene Mensch hochoffiziell 8 Stunden Schlaf braucht im Durchschnitt, um gesund zu bleiben (Kinder natürlich noch mehr), gehört laut EU-Direktive die Zeit von 6-7 Uhr früh auch noch zur Nacht. Für Findelanrainer ist das definitiv nicht der Fall, denn in der Zeit fanden 2018 übers Jahr 4.355 Flugbewegungen statt, was deren pro Tag im Durchschnitt 11,93 ausmacht. An Schlaf ist da nicht einmal zu denken!

Das ist umso schlimmer, weil es in den sechs Stunden davor nie wirklich dauerhaft ruhig ist. 2018 wurden so von Mitternacht bis 1 Uhr 333 Flugbewegungen erfaßt, dann bis 2 Uhr deren 127, bis 3 Uhr deren 95, bis 4 Uhr deren 69, bis 5 Uhr deren 63 und bis 6 Uhr deren 56 (also immer noch einmal in der Woche eine). Wobei es zu jeder Stunde übers Jahr gesehen nicht nur Landungen, sondern auch Starts gab.

Die Charta, die die Flugverwaltung ANA am 8.7.2018 mit der Cargolux abgeschlossen hat, wirkte sich demnach kaum positiv aus. Inzwischen wurde den Anrainern versprochen, es werde stärker kontrolliert, was die Fluggesellschaften bei den im großherzoglichen Reglement angeführten ständigen Ausnahmen ins Register einschreiben. Bislang war das nicht wirklich der Fall.

Die Luxair hat ihrerseits versprochen, ihre Verspätungen zu verringern, wobei sie angab, daran ein eminentes finanzielles Interesse zu haben, wären das doch erhebliche Kostenfaktoren.

Wie weit sich das auswirkt, ist zu sehen.

jmj

Montag 11. Februar 2019

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