Tiefer Graben zwischen Arm und Reich

Vermögen der Milliardäre erhöht sich um 2,5 Milliarden US-Dollar pro Tag

Davos – Die Kluft zwischen Arm und Reich in der Welt hat nach Angaben der Organisation Oxfam im vergangenen Jahr gefährlich zugenommen. Das Vermögen der Milliardäre sei um durchschnittlich 2,5 Milliarden US-Dollar pro Tag (!) gestiegen – ein Plus von 12 Prozent zum Vorjahr. Indes habe die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung 11 Prozent – 500 Millionen Dollar je Tag (!) – verloren. Zu diesem Ergebnis kommt die Organisation in ihrem Ungleichheitsbericht, den sie kurz vor Beginn der Jahrestagung des »Weltwirtschaftsforums« (WEF) in Davos vorstellte.
Die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation warnte, daß weltweit besonders Frauen und Mädchen von sozialer Ungleichheit bedroht seien. So besäßen Männer im globalen Durchschnitt 50 Prozent mehr Vermögen als Frauen. Zudem hätten Frauen wegen unbezahlter Arbeit wie Pflege oder Kindererziehung oft weniger Zeit, sich politisch zu betätigen – dies verstärke ihre Benachteiligung und zementiere ein Wirtschaftssystem, das von Männern für Männer gemacht sei.

Oxfam-Chefin Winnie Byanyima forderte die »Staatengemeinschaft« zu höheren Investitionen in Bildung auf. »Die Größe des Bankkontos sollte nicht diktieren, wie viele Jahre Kinder in der Schule bleiben oder wie lange wir leben. Doch dies ist nach wie vor die Realität in zu vielen Ländern der Erde«, sagte sie.

Der Bericht »Public Good or Private Wealth« (Gemeinwohl oder privater Reichtum) konstatiert zudem, daß höhere Investitionen in die öffentliche Gesundheitsversorgung sowie eine stärkere und effektivere Besteuerung von Konzernen und Vermögenden nötig seien.

Weltweit lebten noch immer 736 Millionen Menschen in extremer Armut – also von maximal 1,90 US-Dollar je Tag. Die Zahl habe sich zwischen 1990 und 2010 halbiert und nehme weiter ab, meint Oxfam. Allerdings lebe fast die Hälfte der Weltbevölkerung – etwa 3,4 Milliarden Menschen oder 46 Prozent – von maximal 5,50 Dollar pro Tag. Vielen Menschen drohe etwa bei Krankheit der Fall in die extreme Armut, weil sie Behandlungen oder Medikamente nicht bezahlen könnten. Oxfam kommt sogar zu der Erkenntnis, daß die Schere zwischen Arm und Reich die Spaltung in der Gesellschaft verstärke.

In der EU-Führungsmacht Deutschland steigerten die Milliardäre ihr Vermögen im vergangenen Jahr um 20 Prozent, zeigt der Bericht. Insgesamt verfüge das reichste Prozent der Bevölkerung über ebenso viel Vermögen wie die 87 ärmeren Prozent. Damit zähle Deutschland zu den Industrieländern mit der größten Vermögensungleichheit. Mit 15,8 Prozent liege die Armutsquote auf dem höchsten Stand seit 1996, jedes fünfte Kind sei von Armut betroffen. Frauen verdienten im Durchschnitt 21,5 Prozent weniger als Männer; schlechter sei die Lage in der EU nur in Estland und Tschechien. (dpa/ZLV)

Ein Plakat vor dem Hotel Orania.Berlin (21. August 2017) (Foto: dpa)

Mittwoch 23. Januar 2019