CFL investieren in die Zukunft

Neues Rollmaterial für 100 Millionen Euro – Halbzeit für Arbeiten am Bahnhof Luxemburg

Nachdem das Passagieraufkommen in den vergangenen drei Jahren um 25 Prozent zunahm, in der gesamten Großregion sogar um 76 Prozent, haben die CFL die gesteigerte Nachfrage mit neuem Rollmaterial für rund 100 Millionen Euro beantwortet. Auf einer Pressekonferenz in einem Sonderzug wurde am Montag zudem über den Stand der Arbeiten am hauptstädtischen Bahnhof aufgeklärt.

Zusammen 80 Millionen Euro kosten allein zehn weitere Doppelstocktriebzüge vom Typ Alstom Coradia Duplex, von denen bereits zwölf seit Sommer 2004 bei den CFL im Einsatz sind. Der dreiteilige Doppelstocktriebzug, der bei der französischen Staatsbahn SNCF unter der Typenbezeichnung TER 2N ng (Train Expresse Régional 2 Niveaux nouvelle génération) läuft, verfügt über 339 Sitzplätze und soll nach den Worten von CFL-Generaldirektor Alex Kremer vor allem im grenzüberschreitenden Verkehr mit Frankreich eingesetzt werden. Zudem sollen die neuen Doppelstockzüge ab 2012 zwischen Petingen und Luxemburg zum Einsatz kommen, wenn diese Strecke zweigleisig ausgebaut ist. Mit der Auslieferung der zehn neuen Doppelstocktriebzüge soll im September 2010 begonnen werden, wobei ab dann jeden Monat zwei neue »rames« in Dienst gestellt werden sollen.

Um den Einsatz ihrer Doppelstockzüge rationeller gestalten zu können, nahmen die CFL kürzlich zwei Doppelstock-steuerwagen in Empfang, die mit mehr als 4,3 Millionen Euro zu Buche schlugen. Wie der Direktor der Infrastrukturabteilung der CFL Jean-Marie Franziskus gegenüber der Zeitung erklärte, handelt es sich bei einem Steuerwagen um einen Reisezugwagen ohne Motor aber mit Führerstand, von dem aus die am Zugende schiebende Lokomotive gesteuert werden kann. Ein mit Steuerwagen fahrender Zug wird auch als Wendezug bezeichnet, weil er in kurzer Zeit die Fahrtrichtung ändern kann, indem der Lokführer einfach den Führerstand wechselt. So muß die Lok an Endbahnhöfen nicht mehr von einem Zugende an das andere umgesetzt werden, was eine gewisse Infrastruktur vor Ort (Weichenverbindungen), Personal (Rangierer) und auch ausreichende Zeit voraussetzt und daher kostenintensiv ist. Die von Kremer als »besonders senioren- und behindertenfreundlich« beschriebenen Doppelstocksteuerwagen verfügen jeweils über 80 Sitzplätze und bieten darüber hinaus genügend Platz für die Mitnahme von Fahrrädern oder Kinderwagen.

Doch nicht nur in Schienenfahrzeuge wird seitens der CFL investiert. Als »Bekenntnis zu einem integrierten Eisenbahnbetrieb« bezeichnete es gestern Transportminister Lucien Lux, daß im Januar acht neue 15-Meter-Busse in Betrieb genommen wurden, die den Passagieren wegen ihrer großzügigen Raumaufteilung vor allem auf den »interurbanen« Strecken von Luxemburg über Mondorf nach Remich, zwischen Luxemburg und Echternach sowie zwischen Luxemburg und Ettel-brück ein Maximum an Komfort bieten. Die neuen Busse, mit denen ältere Gelenkbusse ersetzt werden, verfügen zudem über Klimaanlagen, bequemere Sitze, Plattformen für Rollstühle, Kinderwagen oder Fahrräder sowie umweltfreundlichere Motoren, die der Abgasnorm »Euro 5« entsprechen. Zudem sind sie mit jeweils zwölf Überwachungskameras sowie einem System ausgestattet, das automatisch die nächste Haltestelle anzeigt und ansagt.

Derweil sind die 2006 begonnenen Umbauarbeiten am Bahnhof Luxemburg auf halber Strecke. Bereits 2007 wurden die Mobilitätszentrale und das neue Verkaufszentrum eröffnet, mittlerweile sind auch das südliche Untergeschoß und die Gleisarbeiten weitestgehend beendet. Noch in diesem Jahr soll die neue Markise fertiggestellt werden, die wartende Reisende dann wieder vor Schnee und Regen schützt. Mit der Errichtung der gläsernen Bahnhofshalle soll 2011 begonnen werden, damit sie 2012 bezugsfertig ist. Im selben Jahr soll auch das vierstöckige Parkhaus, das Platz für 700 Fahrzeuge bietet, in Betrieb genommen werden.

oe

Oliver Wagner : Dienstag 17. Februar 2009