November 1918

Vor hundert Jahre forderte der »Luxemburger Arbeiter- und Bauernrat« die Volksrepublik

Auf den Tag genau vor 100 Jahren wurde am 10. November 1918, einen Tag vor dem Ende des Ersten Weltkriegs, in der Hauptstadt ein »Luxemburger Arbeiter- und Bauernrat« gegründet. Es war der Beginn einer revolutionären Periode, die in Luxemburg zu stürmischen Veränderungen und zur Gründung der Kommuni­stischen Partei Luxemburgs führte und mit der Niederlage des Märzstreiks von 1921 beendet war.

Im Aufruf des Luxemburger Arbeiter- und Bauernrats, der am 11. November auf Plakaten zu lesen war, hieß es, die Versammlung habe »stürmisch die Einsetzung der Luxemburger Volksrepublik« verlangt. Aufgerufen wurde für den gleichen Tag zu einer Versammlung auf dem Wilhelmplatz (der heutige »Knuedler«) und dazu »in allen Gemeinden« Arbeiter- und Bauernräte zu gründen. Angekündigt wurde auch, eine Delegation des Arbeiter- und Bauernrats werde sofort in Verbindung mit der Regierung treten, um ihr die Forderungen der luxemburgischen Arbeiter, Beamten und Bauern zu unterbreiten.

Zu diesen Forderungen des Rats, der sich aus 23 Männern zusammensetzte, gehörten – neben der Forderung, die Dynastie müsse abdanken und sei durch eine Volksrepublik zu ersetzen – auch die Verstaatlichung der Eisenbahnen, der Banken, der Hütten- und Bergwerke und die Einführung des Achtstundentages. In einem zweiten Aufruf hieß es: »Die Stunde naht heran, wo die politische Macht in die Hände der Arbeiterschaft gelegt werden muss. Hier liegt das Heil des Luxemburger Landes, das bisher von ausländischen Cliquen und Interessengemeinschaften beherrscht wurde.«

Es war ein revolutionäres Programm, mit dem sich allerdings weder alle Sozialdemokraten anfreunden konnten, noch die liberalen Schmelzherren, die in der Monarchie ein Hemmnis für ihre wirtschaftlichen und politischen Ziele sahen und eine bürgerliche Republik wollten, aber natürlich nichts von Verstaatlichungen, Betriebsräten und Arbeitermacht, wie es sie seit der Oktoberrevolution von 1917 in Russland gab, wissen wollten, so dass sich die Wege der Anhänger der Republik rasch trennten und der Luxemburger Arbeiter- und Bauernrat von der politischen Bühne abtrat. Aber der Anfang war gemacht, auch wenn mit dem Einmarsch der alliierten Truppen alle öffentlichen Kundgebungen kurzfristig verboten wurden.

Knapp einen Monat später setzte die Arbeiterbewegung den Achtstundentag durch, und Anfang Januar 2019 wurde kurzzeitig die (bürgerliche) Republik ausgerufen, deren Errichtung die Besatzungstruppen der Republik Frankreich auf Ersuchen der Luxemburger Regierung mit Waffengewalt verhinderten.

Die Monarchie war gerettet, aber die revolutionären Ideen, welche Teile der luxemburgischen, italienischen, deutschen und polnischen Arbeiter in den Berg- und Hüttenwerken erfasst hatten, sollten die bestehenden Verhältnisse während der nachfolgenden zwei Jahre noch stark erschüttern.

Ali Ruckert

Freitag 9. November 2018