Lehrer statt Tablets

KPL: Alte Probleme im Bildungssystem lassen sich nicht mit neuen Technologien lösen. Chancengleichheit in der Schule gibt es nur mit mehr Lehrpersonal

Die KPL wirft Erziehungsminister Claude Meisch vor, die Privatisierung des Bildungssystems in den vergangenen fünf Jahren weiter vorangetrieben und neue »administrative Wasserköpfe« geschaffen zu haben, mit denen das Lehrpersonal davon abgehalten wird, die Schwächen der Lernenden aufzuarbeiten und ihre Stärken zu fördern. Alte Probleme im Bildungssystem ließen sich nicht mit neuen Technologien wie Tabletcomputern lösen und die sogenannte Schulautonomie leiste einer weiteren Zersplitterung Vorschub, hieß es am Freitag auf einer Pressekonferenz zur Schulrentrée am Sitz der KPL in Esch/Alzette. Bildung dürfe nicht länger ein Privileg für die Kinder besserverdienender und akademisch gebildeter Eltern sein, sondern müsse endlich als Grundrecht begriffen werden.

Mit der von der Dreierkoalition betriebenen Förderung internationaler und Europaschulen entziehe sich das Erziehungsministerium seiner Verantwortung, kritisierte das für Bildungspolitik verantwortliche Zentralkomiteemitglied Alain Herman. Englisch-, französisch- oder deutschsprachige Klassen trügen weder zur Integration, noch zur Inklusion bei. Die KPL sei gegen Ressourcenverschwendung und jegliche Form der Privatisierung des Bildungswesens, betonte Parteipräsident Ali Ruckert. Statt dessen treten die Kommunisten für die Stärkung und den Ausbau »einer öffentlichen, solidarischen und laizistischen Schule der Chancengleichheit« ein.

Statt – wie von der Dreierkoalition beschlossen und bereits begonnen – das Militärbudget um 50 Prozent zu erhöhen, müßten die Bildungsausgaben um 30 Prozent angehoben werden, um neue Lehrer- und Erzieherposten schaffen und neue Schulgebäude (statt der unsäglichen Container) errichten lassen zu können. Nur mit einem personell und finanziell deutlich besser ausgestatteten Bildungssystem lasse sich die wichtigste Forderung der KPL realisieren: Einführung einer polytechnischen Sekundarschule mit einem dreijährigen »tronc commun« nach der Grundschule, mit Schwerpunkt auf Human- und Naturwissenschaften bei gleichzeitiger Ausbildung der manuellen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler sowie mit anspruchsvollen und objektiven Leistungskriterien.

Wie Alain Herman, Spitzenkandidat im Nordbezirk, weiter ausführte, fordert die KPL, die Schulentwicklung unter Einbeziehung der Universität und den Programmkommissionen zentral zu organisieren und den zur letzten Rentrée eingeführten PDS (»plan de développement scolaire«) wieder abzuschaffen. Gleiches gelte für das von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und anderen neoliberalen Institutionen ersonnene Konzept der »Schulautonomie«. Schon Meischs sozialdemokratische Vorgängerin Mady Delvaux habe dieses Konzept vorangetrieben, doch damals sei die Lehrerschaft noch radikal dagegen gewesen, erinnerte Alain Herman. Hingegen habe Meisch mit seiner »liberalen Umgestaltung der Schullandschaft« einfaches Spiel gehabt, da er die Zerstrittenheit und Schwäche der mittlerweile vier Gewerkschaften im Bildungsbereich ausgenutzt und sogar weiter vertieft habe.

Wie andere ehemals neue Technologien seien auch die von Meisch & Co. als Wundermittel angepriesenen Tablets in wenigen Jahren nur noch Elektroschrott, prophezeite Alain Herman mit Blick auf Overheadprojektoren, Videorecorder und Sprachlabore, die state-of-the-art waren, als der heutige Lyzeumsprofessor selbst noch die Schulbank drückte.

oe

(Foto KPL)

Freitag 14. September 2018