Aus dem Differdinger Gemeinderat

KPL kritisiert Masterpläne für Landschaft und Transport

Was wir brauchen ist eine neue Zuglinie statt einer »schnellen Tram«, sagt KPL-Rat Ali Ruckert

Gelegentlich der Gemeinderatssitzung am gestrigen Dienstag verabschiedete der Differdinger Gemeinderat eine Stellungnahme zu den nationalen Masterplänen (»Plans directeur sectoriels«) Landschaft, Transport, Wirtschaftszonen und Wohnen. Bei der Abstimmung über die Stellungnahme enthielt sich der kommunistische Gemeinderat Ali Ruckert der Stimme.

Eingangs seiner Stellungnahme kritisierte der KPL-Rat, dass nun schon seit 15 Jahren oder mehr an den Masterplänen herumgebastelt werde während dessen große Teile des Landes zersiedelt wurden.

Der »Rattem« und der »Koorsprong« wurden vergessen

Erstaunlich sei, dass dennoch im Masterplan Landschaft einer der wenigen Zeugenberge im Süden, der »Rattem« in Oberkorn, und der »Koorsprong«, das Gebiet, in welchem die Korn entspringt, nicht als schützenswerte Landschaften zurückbehalten wurden, und dass über den Schutz der Bäche und Flüsse keine Zeile im Masterplan zu finden ist.

Geht es nach der Differdinger Gemeindeverwaltung, soll der Masterplan in diesem Sinne und in manch weiteren Punkten ergänzt werden. Der kommunistische Rat begrüßte die vielen positiven Vorschläge, die in der Stellungnahme der Gemeindeverwaltung zu finden sind und welche die KPL ausdrücklich unterstützt, darunter den Bau einer neuen Stichstraße zwischen Differdingen und Sanem, den Bau eines Bahnhofsgebäudes in Differdingen eine Forderung, welche die KPL bereits vor einem Dutzend Jahren ins Gespräch gebracht hatte –, das Anlegen von Bahnsteigen am Rande des Wohnviertels Fousbann (»Neiwiss«), die Beseitigung der Bahnschranke PN15 in Differdingen und den Bau einer Unterführung unter der Bahnstrecke.

Kein gutes Haar ließ der KPL-Rat hingegen am Regierungsprojekt »schneller Tram«, der Cessingen und Beles verbinden soll und dessen Strecke – geht es nach dem Schöffenrat – bis nach Differdingen verlängert werden sollte.

Der kommunistische Rat plädierte stattdessen für den Bau einer neuen direkten Zuglinie zwischen Luxemburg und Esch/Alzette und den Bau einer wenige Hundert Meter langen Gabelung, welche es erlauben würde, die Strecken 60 (von Esch nach Petingen) und 70 (von Rodange nach Luxemburg) direkt anzubinden, ohne einen Umweg über den Bahnhof Petingen. Er machte darauf aufmerksam, dass Züge eine viel größere Kapazität haben als eine Tram und eher dazu beitragen, Engpässe im Personentransport zu überwinden.

Bedenken äußerte der KPL-Rat auch, was den beabsichtigten Bau von 200 Meter hohen Windrädern auf dem Oberkorner Plateau angeht, knapp 550 Meter von den er­sten Häusern entfernt.
Einstimmig angenommen und von KPL-Rat Ali Ruckert ausdrücklich begrüßt wurde eine Stellungnahme der Gemeindeverwaltung zum geplanten Naturschutzgebiet »Kiemerchen-Scheiergronn-Groussebësch«, das 392 Hektar groß sein wird. Nach dem »Giele Botter« in Niederkorn, wird dies das zwei Naturschutzgebiet auf Differdinger Territorium sein.

Einspruch gegen das Verbrennen von Altreifen

Zu Beginn der Gemeinderatssitzung hatte Schöffe Liesch den Gemeinderat davon in Kenntnis gesetzt, der Schöffenrat habe Einspruch gegen das Projekt von ArcelorMittal eingelegt, im Jahr 4.500 Tonnen Altreifen im Elektrostahlwerk zu verheizen.

In seiner Stellungnahme bemängelte KPL-Rat Ali Ruckert, dass der Schöffenrat lediglich die Presse davon in Kenntnis gesetzt hatte, statt den Gemeinderat zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenzurufen. Er unterstellte dem Konzern ArcelorMittal, mit der Kommodo-Inkommodo-Prozedur praktisch bis zu Beginn der Schulferien gewartet zu haben, um möglichst wenig Aufmerksamkeit zu erregen. Dass dennoch 482 Bürger im Rahmen der Kommodo-Inkommodo-Prozedur die Gemeinde aufforderten, keine Genehmigung für das Verbrennen der Altreifen zu erteilen, geht zum Teil darauf zurück, dass mehrere Militanten der KPL zahlreiche Bürger direkt ansprachen und Unterschriften sammelten.
Es geht dabei nicht nur um eine starke Staub- und Geruchsbelastung, sondern auch um den Ausstoß von Schwermetallen und Dioxinen, deren Grenzwerte bei Tests in der Vergangenheit wiederholt überschritten wurden.

KPL-Rat Ali Ruckert zufolge sei es erfordert, bei der Verbrennung von Altreifen durch ArcelorMittal die gleichen Auflagen vorzuschreiben wie bei der Müllverbrennungsanlage der SIDOR in Leudelingen.

Nik.

Mittwoch 12. September 2018