Konservativen gefallen Konservative:

Die Welt der AMMD

In der Welt der AMMD, der »Association des Médecins et Médecins-Dentistes«, gibt es nur sechs Listen, die bei der kommenden Parlamentswahl antreten, und zwar die, die letztes Mal zu Abgeordneten kamen. Dann gibt es einen großen Feind, der über alles zu schlagen ist. Das ist der »tiers payant généralisé«. Der ist das Böse schlechthin, noch viel schlimmer als die tatsächlich unzeitgemäße Nomenklatur. Wir verstehen, daß die Aussagen der KPL in ihrem Wahlprogramm da nicht in Betracht gezogen werden konnten.
Dies umso mehr, als die KPL Gesundheitspolitik nicht auf die Behandlung von Krankheiten durch Ärzte reduziert, wie das die AMMD tut:
»Im Jahre 2006 hielt eine Arbeitsgruppe der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einer wissenschaftlichen Untersuchung fest, ausschlaggebend für die Gesundheit der Bevölkerung seien zu 10 Prozent Umwelteinflüsse, zu 15 Prozent biologische und genetische Einflüsse, zu 25 Prozent medizinische Infrastrukturen und medizinische Betreuung und zu 50 Prozent (!) Einflüsse der Arbeitswelt, der Wohnbedingungen und der Lebensumstände insgesamt. Wegen seiner Brisanz verschwand der Bericht in den meisten Ländern, darunter auch in Luxemburg, in einer Schublade.
Ausgehend von den Erkenntnissen dieser Studie und den praktischen Erfahrungen ihrer Mitglieder, aber auch den Erfahrungen der Gewerkschaften, ist die KPL von der Notwendigkeit überzeugt, dass konkrete Verbesserungen in der Arbeitswelt, der Wohnbedingungen und der Lebensumstände erfolgen müssen, um den Gesundheitszustand der Bevölkerung in bedeutendem Maße zu stärken. Dazu gehören vor allem sichere Arbeitsplätze, bessere Arbeitsbedingungen, höhere Einkommen, bezahlbare Wohnungen, die auch von der Größe her den Bedürfnissen der Menschen entsprechen.

Darüber hinaus ist festzustellen, dass das Gesundheitswesen in Luxemburg in die falsche Richtung geht, da medizinische Einrichtungen und Dienstleistungen zum Nachteil der Patienten in verschiedenen Landesgegenden eingeschränkt oder abgeschafft werden, dringend notwendige Investitionen in wichtige medizinische Bereiche nicht erfolgen, der Ärztemangel heruntergespielt wird, und Regierung und Patronatsvertreter in der Krankenkasse verhindern, dass die Eigenbeteiligungen der Versicherten für medizinische Leistungen und Medikamente herabgesetzt und die Kosten für eine Reihe von medizinischen Dienstleistungen nicht übernommen werden.«
Zweiklassenmedizin

Da etliche Ärzte Probleme mit der Anwendung von Analogien bekamen, hat die AMMD nun allen Ärzten empfohlen, sich nicht mehr auf dieses Glatteis zu begeben. Ein Beispiel aus dem Fachbereich des Dr. Alain Schmit: in der Nomenklatur steht zur Feststellung der Härte einer Leber die Biopsie, die ein invasiver Akt ist. Der medizinische Fortschritt macht es möglich, das mit Ultraschall zu überprüfen, bloß wird da der Dr. Schmit seinen Patienten jetzt also eine nicht rückerstattbare Rechnung ausstellen. Von Dr. Schmit kann sich also nur mehr behandeln lassen, wer genug Geld dafür übrig hat: Zweiklassensystem heißt das konkret, was bei dieser Aktion rauskommt.

Wobei die AMMD die Nomenklaturkommission weiterhin boykottiert, so lange diese nicht tagen kann, wenn Ministerium oder Gesundheitskasse nicht anwesend sind, das aber sehr wohl kann, wenn die AMMD nicht da ist. Verlangt wird »eine wirklich paritätische Zusammensetzung, die so ist, daß nicht gegen die Ärztevertretung entschieden werden kann«.
Zudem müsse ein System gefunden werden, wie der medizinische Fortschritt schnell Eingang in die Nomenklatur findet. Das ist vernünftig, und dagegen wird wohl auch wirklich niemand sein. Blöd ist nur, daß die AMMD daran ein sonderbares Verständnis von »liberal« und »liberalem Beruf« anhängt, der sich jeder Kontrolle möglichst entzieht. Auf diese Weise riecht die Forderung nach »uneingeschränkten Therapiemöglichkeiten« ganz stark nach dem Recht, Geld zu drucken.
Es ist so absolut keine Überraschung, wenn die AMMD die Wahlprogramme von DP und CSV beim Thema Gesundheitspolitik im grünen Bereich sieht, jene der adr und der Gréng im orangen und jene von LSAP und Lénk im roten.

Ärzte-Altersstruktur

Von 2007 bis 2016 sind die männlichen Ärzte um 10 Jahre gealtert, wohingegen die Altersstruktur bei den Ärztinnen gleich geblieben ist. Da mehr Männer als Frauen im Beruf sind, wird das zum Problem: 2007 waren die meisten Ärzte zwischen 45 und 49 Jahre alt, 2016 zwischen 55 und 59 Jahre. 2007 waren 31% über 55 Jahre alt, 2016 schon 47%. Das nennt die AMMD »Gesundheitsmauer«.

Das kann sich nur bessern mit der »Schaffung eines neuen Studiengebietes an der Universität Luxemburg, nämlich die Ausbildung zum Allgemeinmediziner, einschließlich verschiedener fachmedizinischer Bereiche«, wie es im KPL-Wahlprogramm formuliert ist, das wir der AMMD zur Kenntnisnahme empfehlen.

Wobei es so schlecht nicht wäre, würde die AMMD angesichts ihres zweiten Gottseibeiuns, der »Staatsmedizin«, sich mal das kubanische Gesundheitssystem anschauen und es mit dem der »liberalen Medizin« auf Haiti gleich nebenan vergleichen. Es sollte sich das Luxemburger System im Interesse der Kranken auf keinen Fall in Richtung des haitianischen entwickeln, sondern eher in Richtung des kubanischen, das kostenlos für die Kranken ist, daher keine Zweiklassenmedizin kennt trotz der negativen Auswirkungen des USA-Boykotts, dafür aber einen Ärzteüberschuß, der es erlaubt, vielen armen Ländern medizinisch zu helfen.

jmj

Dienstag 11. September 2018