EU-Mobilitätswoche2018:

Weitere Pflaster aufs Holzbein

Wenn sich Syvicol-Präsident Eicher (CSV) und Minister Bausch (Gréng) darin einig sind, »die Leute müssen umdenken, wenn wir das Verkehrschaos in den Griff kriegen wollen«, und als Rezept mit der EU-Kommission »mix and move«, also das oftmalige Umsteigen unter dem Titel »Multimodalität» anpreisen, ist gewußt, daß auch in Zukunft mit diesen Vereinen die Staus sich weiter in Zeit und Raum ausdehnen werden.
Denn die Lösung kann nicht heißen, mit dem Fahrrad ins nächste Dorf zum Bus zu fahren, in dem ein tolles Sardinenbüchsengefühl geboten wird zur verdammten Zeit, wo es gilt den Arbeitsplatz in der Hauptstadt oder in einer der anliegenden Gemeinden anzusteuern, dann im nächsten Zentrum in einen ebenso übervollen Gelenkbus zu steigen, der einen dann mit allen Leidensgenossen bei der Tram rausschmeißt, wonach dann nochmals auf einen Bus umzusteigen ist.
Diese Lösung ist selbst im Verbund mit dem Zug keine, wenn sich nichts daran ändert, daß 48 Prozent aller Arbeitsplätze im Land in der Hauptstadt sind, 27% in den direkten Anliegergemeinden und nur 25% im großen Rest des Landes. Denn das führt eben dazu, daß nicht nur Grenzpendler in dieses Zentrum müssen, sondern auch die meisten Landesbewohner. Wenn aber alle zur selben Zeit an dieselbe Stelle streben, kann die Folge nur Stau auf der Straße und Überlastung aller öffentlichen Nahverkehrsmittel sein.
Geht die Entwicklung weiter mit immer neuen, zusätzlichen Betrieben in diesem Zentralraum, so rettet uns nicht nur »kein höh‘res Wesen, kein Gott, kein Kaiser noch Tribun«, sondern auch keine wie immer geartete Mobilitätskette. Sämtliche Sektionen der bürgerlichen prokapitalistischen Einheitspartei sind dafür an den Pranger zu stellen, weil sie diese Überzentralisierung der Ansiedlung der Arbeitsplätze nicht beenden und steuern wollen. Wenn die CSV jetzt noch obendrauf die Steuern für die Betriebe um 6% senken will, stellt sich nicht nur die Frage, wer die Dummen sind, die das Loch stopfen müssen, es wird damit der Zustrom neuer Betriebe aus den drei Nachbarländern noch einmal beschleunigt. Denn damit wird der Unterschied bei Besteuerung, Taxen und Sozialbeiträgen zu deren Ungunsten noch größer, und jeder Betrieb, der sich nicht direkt an Endkunden wendet, wird blöd sein, zieht er nicht nach Luxemburg, wo so viel mehr Profit winkt.

Daß nur die Liste 5 KPL d‘Kommunisten dieses Problem richtig erfaßt hat und bereit ist gegenzusteuern, mag traurig sein. Noch trauriger wäre, wenn die Leute, die ein dringendes Interesse an exakt dem haben, sich nicht dafür entscheiden, diese Liste 5 wesentlich zu stärken, die allein für diese Verbesserung steht.

mobiliteitswoch.lu/projets

2017 nahmen 32 Luxemburger Gemeinden an der von der EU-Kommission angeleierten Mobilitätswoche teil. Zur Zeit sind erst 25 eingeschrieben: Bissen, Ell, Erpeldange-sur-Sûre, Colmar-Berg, Mertzig, Walferdingen, Contern, Esch/Alzette, Ettelbrück, Mersch, Kehlen, Mamer, Differdingen, Hesperingen, Diekirch, Luxemburg, Sanem, Lorentz­weiler, Echternach, Bettemburg, Petingen, Roeser, Helperknapp, Schifflingen und Waldbillig. Gerüchteweise sollen auch andere Gemeinden Aktivitäten in der Woche vom 16. bis 23. September planen. Sie werden inständig gebeten, sich noch einzutragen, damit Luxemburg »gut vor der Kommission da steht«, wie das Verkehrsverbundsdirektor Dostert bei der Pressekonferenz so unnachahmlich formuliert hat.

Ansonsten finden sich an der Internetadresse alle Details, einschließlich der Werbeaktionen diverser Betriebe und Vereine, wobei auch diejenigen, die da was vorhaben und es noch nicht eingetragen haben, das bitteschön tun sollen.

Die Stadt Luxemburg ist dieses Jahr nicht so groß vertreten, weil Decaux erst begonnen hat, die ersten Elektroanschlüsse für die Standplätze zu legen. Dies nachdem es da ein Batterielieferproblem gab für die bereits für Juli vereinbarten elektrisch unterstützten Leihfahrräder.
In Paris, wo ein Konkurrent Decaux den Markt weggeschnappt hat, sind übrigens. dieselben Probleme aufgetreten, was aber natürlich keinen der Elektrofans dazu bringt, mal einen Gedanken darauf zu verschwenden, daß das Ganze keine so gute Idee ist. Das umso mehr als die Umweltbilanz miserabel ist, wird nicht die leidige Batterieerzeugung samt Gewinnung der dafür nötigen seltenen Erden bei Seite gelassen, etwas das in weit höherem Maße ebenfalls für Autos gilt.

Parkprobleme

Weniger Parkplätze als gebraucht werden, weil viele Leute gar nicht die Möglichkeit haben wegen des fehlenden Platzangebots nicht mit dem eigenen Auto zur Arbeit zu kommen, sorgen ebenfalls für viel unnötigen Verkehr, ganz besonders in der Hauptstadt und direkt drumherum. Diese Verknappung ist eine der völlig hirnrissigen Ideen aller Sektionen der bürgerlichen Einheitspartei im Verbund mit Parkgebühren bis hin zur Einführung von Straßenbenützungsgebühren für Grenzgänger bei den Piraten. Die KPL hat sich deutlich dagegen ausgesprochen, Gebühren zu verlangen für Stellplätze, die mit Steuergeldern errichtet wurden, und ist ebenfalls mit keiner neuen Autosteuer einverstanden.

Da der Verkehrsverbund alle zwei Jahre umzieht, wohl um Mobilität zu dokumentieren, und nun am Kirchberg in der Nähe des Meganonnenspitals sitzt, kamen jene, die mit dem Auto zur dortigen Pressekonferenz geeilt waren, in den Genuß von ein paar Extrarunden bei der Suche nach einem freien Parkplatz. Kollegen gegenüber beklagte man sich zwar, nicht aber gegenüber den Politikern, die in die Tiefgarage durften. Wir durften dafür feststellen, daß vor Ort ein Fahrradständer fehlt.

jmj

Montag 10. September 2018