Gemeinsame Front

Vertreter kommunistischer Parteien aus aller Welt prangerten in Dortmund imperialistische Politik an

Esther Bejarano läßt sich nicht unterkriegen. Die körperlich kleine Antifaschistin mit der großen Stimme ist zwar inzwischen deutlich über 90 Jahre alt, doch auf der Hauptbühne des UZ-Pressefestes fesselte sich am Samstagabend erneut Hunderte Zuhörer, als sie gemeinsam mit den Rappern von »Microphone Mafia« alte und neue Lieder gegen Krieg und Rassismus sang. »Wir haben euch etwas wichtiges mitzuteilen, also hört gut zu«, rief sie den Menschen vor der Bühne zu. Ihr kommt es auf die Botschaft an, denn – wie sie immer wieder betont – sie will erst aufhören zu singen, wenn es keine Nazis mehr gibt.

Vor ihrem Auftritt war die Hauptbühne Schauplatz einer der zentralen Veranstaltung des Pressefestes gewesen. Bei der Kundgebung unter der Losung »Abrüsten statt aufrüsten – Raus aus der NATO, Frieden mit Rußland« versammelten sich die Repräsentanten von 35 kommunistischen und Arbeiterparteien aus aller Welt auf der Bühne und demonstrierten so ihre gemeinsame Entschlossenheit, gegen den Imperialismus Front zu machen. Der Vertreter der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation (KPRF) erinnerte in seinem Redebeitrag daran, daß der Westen der damaligen sowjetischen Führung 1990 garantiert hatte, den Einflußbereich der NATO nicht nach Osten auszudehnen. Es sei ein Versäumnis Michail Gorbatschows gewesen, damals nicht auf die Blockfreiheit des wiedervereinigten Deutschlands bestanden zu haben. Nun sei es Aufgabe der deutschen Bevölkerung, sich nicht für eine aggressive Politik mißbrauchen zu lassen. Deshalb begrüßten die russischen Kommunisten den Aufruf »Abrüsten statt aufrüsten«, unter den die DKP in den vergangenen Monaten mehr als 27.000 Unterschriften gesammelt hat.
Der frühere DDR-Staats- und Parteichef Egon Krenz würdigte die Friedenspolitik der DKP und der SDAJ, deren Wirken er als parteiloser Kommunist seit Jahrzehnten verfolge. Auch er forderte eine Entspannung der Beziehungen zu Rußland und erinnerte daran, daß noch heute alljährlich Hunderttausende Menschen am 9. Mai, dem Tag des Sieges der Sowjetunion über den deutschen Faschismus, ihrer bei der Verteidigung der Heimat um Kampf um die Befreiung Europas gefallenen Angehörigen gedenken. Es sei nicht hinnehmbar, daß es heute eine deutsche Regierung wage, Rußland »bestrafen« zu wollen und Sanktionen gegen Moskau verhänge.

Ebenfalls das Wort ergriffen Lena Kreymann. Vorsitzende der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) und der DKP-Vorsitzende Patrik Köbele, die an ihre gemeinsame 50-jährige Geschichte erinnerten. 1968 waren sowohl die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend als auch die Deutsche Kommunistische Partei gegründet worden.
Insgesamt beteiligten sich an dem dreitägigen Fest im Dortmunder Revierpark Wischlingen erneut rund 45.000 Menschen. An unzähligen Ständen gab es Bier, Speisen, Bücher, Souvenirs und politisches Material. Auf mehreren Bühnen gab es parallel ein umfangreiches Musikprogramm, während Diskussionsrunden zu allen aktuellen Themen ihr interessiertes Publikum fanden.

Mehr als 15.000 Besucher aus dem In-und Ausland wurden auch auf der »ManiFiesta« gezaählt, dem zentralen Fest der Partei der Arbeit Belgiens (PTB) am Wochenende in Bredene. Ebenso im Zeichen des Kampfes für Frieden und Abrüstung, gegen Sozialabbau, für die Interessen der Lohnabhängigen sowie der internationalen Solidarität stand die größte Feier der Kommunisten – die »Festa do Avante!« in Lissabon, die von der Kommunistischen Partei Portugals und ihrer Zeitung »Avante!« organisiert wurde und von Freitag bis Sonntag mehrere hunderttausend Teilnehmer und Besucher zählte.

André Scheer, Dortmund

(Foto: DKP)

Montag 10. September 2018