Fliegerei als Umweltproblem:

Wider das Schonprogramm für einen Schädiger

In der Debatte um Feinstaub und Ausstoß klima- und gesundheitsschädlicher Gase kommen zwei Verursacher nicht vor: Schifffahrt und Fliegerei. Das ist höchst unverständlich, wird doch auf hoher See großteils noch Heizöl schwer verbrannt, während Flugzeuge hoch oben die Reste des Verbrennens von Erdölsprit in die Atmosphäre ausstoßen.

Von den Flugzeugen wird allenfalls noch der Lärm bei Start und Landung diskutiert. Lärm ist wissenschaftlich erwiesenermaßen gesundheitsschädlich, ganz besonders in der Nacht, aber es ist völlig falsch, die Feinstaubproblematik und die Treibhausgase zu vergessen. Es sollte sich herumgesprochen haben, daß wir alle auf demselben Planeten Erde leben, daß der eine einzige Atmosphäre hat, und daß alles, was in sie hineingeblasen wird, irgendwann irgendwo runterkommt.

Nichts bleibt oben hängen!

Flugzeuge haben den Nachteil, daß die Feinstaubpartikel der aktuell neuen Motoren, die weniger verbrauchen und geringfügig weniger Lärm machen (die Lärmschleppe wird kleiner, während die Dezibel-Reduzierung in der Schleppe nur minimal ist) einen erhöhten Ultrafeinstaubanteil haben, der in der Lunge nicht mehr zurückgehalten wird und daher mit der Blutbahn zu allen Organen gelangt. Das bedeutet eine Verschlimmerung der Gesundheitsgefährdung! Der Schiffsverkehr hingegen stößt fast ausschließlich grobe Partikel aus, die schon von den Flimmerhärchen in Nase und Rachen aussortiert werden.

Hinzu kommt, daß die Flieger nach dem Start und vor der Landephase in Höhen fliegen, in denen sich normalerweise überhaupt keine Staubpartikel befinden. Solche Partikel brauchen aber Wassertropfen, um sich an ihnen festsetzen zu können. Auf diese Weise entstehen Wolken, aber auch die Kondensstreifen eine Etage darüber. Gäbe es diese Partikel in der Höhe nicht, gäbe es auch keine Kondensstreifen, wobei die Partikel mit den Wassertropfen in den Wolkenbereich absinken und am Ende die Erdoberfläche erreichen.

Das ist der Grund, warum sich die Fliegerei im KPL-Wahlprogramm im Kapitel Umwelt- und nicht im Kapitel Verkehrspolitik befindet. Sie schädigt Umwelt und Gesundheit wegen der Höhe, in der der Ausstoß stattfindet, und wegen des höheren Anteils an Ultrafeinstaub mehr als die Autos zu ebener Erde, wobei dort aus eigentlich ebenso unerfindlichen Gründen beim Feinstaub selten unterschieden wird zwischen dem, was aus dem Auspuff kommt, und dem, was durch das Abrollen der Reifen auf der Fahrbahn entsteht (und der Anteil bleibt beim Elektromotor, was wohl unter den Tisch fallen soll).

Zudem wird mit der Fliegerei nicht nur die direkte Umgebung eines Flughafens vom Feinstaub getroffen. Der wird von den Winden weitergetragen und sinkt daher in einem nicht einzugrenzenden Gebiet nieder. Die Belastung ist daher allgemein und nicht lokal eingegrenzt.

Außerhalb von Luxemburg gibt es seit längerem Studien zum Phänomen, das hierzulande zwar existiert und zu Gesundheitsschäden führt, das aber offiziell gar nicht wahrgenommen wird. So kam bereits im Oktober 2015 eine Studie raus, in der Joachim Alt und Wolfgang Schwämmlein unter dem Titel »FRAport – die dominierende Feinstaubpartikelquelle im Rhein-Main-Gebiet« nachwiesen, daß sich in Mainz noch ein »Anteil des Flugverkehrs von bis zu 75% an der Partikelanzahlkonzentration zweifelsfrei feststellen« ließ. Mainz liegt 22,09 km Luftlinie vom Flughafen Frankfurt und 71,75 km Luftlinie vom Flughafen Hahn entfernt.

Wenn es möglich ist, in Mainz den Anteil des Flugverkehrs am Feinstaub festzustellen, so ist es das auch in Luxemburg Stadt und Land. Vorsichtshalber hat das aber noch niemand von all den Politikern veranlaßt, die immer wieder von der Wichtigkeit des Flughafens für die Wirtschaft des Landes schwärmen.

Jedenfalls lassen die Distanzen von Mainz zu den Flughäfen Frankfurt und Hahn ziemlich ähnliche Ergebnisse hierzulande erwarten. Umso mehr der Flughafen Metz-Nancy-Lorraine auch nicht mehr als 70,92 km Luftlinie von der Place d‘Armes in der Stadt Luxemburg liegt. Bis zum Flughafen Saarbrücken ist es für Feinpartikel mit 83,57 km auch nicht viel weiter.

»De Mënsch virum Profit« fordert die KPL

Die Gesundheit des Menschen sollte das oberste Gebot der Politik sein, ist es aber im real existierenden Kapitalismus definitiv nicht. Denn der Flughafen ist über die Flugzeuge hinaus der Quell so mancher Treibhausgase und dem damit zusammenhängenden Feinstaub. Dies über den vom Findel erzeugten Auto-Verkehr, der ebenso zunimmt wie die Passagierzahlen, und über den LKW-Verkehr, der an der angelandeten Frach hängt. Wobei die LKW, die 99% der angelandeten Tonnage in ganz Europa (will heißen über die EU hinaus) verteilen, zunächst einmal sehr wesentlich Luxemburger Autobahnen ruinieren.
Das sind Kosten für den Straßenbau wie fürs Gesundheitsbudget, die jene mal in Betracht ziehen sollen, die Wachstum am Findel sozusagen als Wohlstandsgarantie feiern. Das geht quer durch den Gemüsegarten aller Sektionen der bürgerlichen prokapitalistischen Einheitspartei, beginnend bei CSV, DP und LSAP über Gréng, adr bis hin zu den Piraten!
Sie möchten über die Kosten hinaus bitte schön mal die Sinnlosigkeit dieses Tun in Betracht ziehen und so nebenbei erklären, was das zur Erhebung der Lebensqualität oder zur Verbesserung der Ernährung beiträgt, wenn aus anderen Kontinenten Gemüse, Früchte oder Blumen hierher geflogen werden. Ökologisch korrekt sieht jedenfalls anders aus!

jmj

Freitag 7. September 2018