So wird wirklicher Fortschritt verhindert:

Erdöl- und Batterie-Industrie als siamesische Zwillinge

Die Infrastrukturen der Erdölindustrie sind groß und zumeist bereits lange in Betrieb. Sie sind daher in der Regel abgeschrieben und liefern folglich extra hohe Profite. Eine richtig erfreuliche Situation für jeden Kapitalisten, der alles dafür zu tun bereit ist, auf daß sie andauere. Hätten wir nur nicht dieses blöde Klima-Problem! Leute wie diese mit Geld und Einfluß wissen sich immer zu helfen. Politiker stehen im real existierenden Kapitalismus schließlich nicht im Dienst des Volkes, wie das für die Galerie immer wieder betont wird, sondern im Dienst des Großkapitals. Es muß ihnen nur geholfen werden, einen gesichtswahrenden Ausweg zu finden, der gleichzeitig die Profitinteressen rettet. Der Ausweg, den die Erdölindustrie in diesem Fall fand, lautet Elektromotor mit Batteriespeicherung des Stroms. Weil Batterien schwer sind und selbst 500 Kilo nicht reichen, um 500 km weit zu fahren, ist die logische Folge das Hybrid-Auto. Das schleppt nicht nur Batteriegewichte mit sich, sondern auch noch einen zweiten Motor. Gewicht zu bewegen kostet Energie? Klar doch, aber die Erdölindustrie bleibt im Geschäft, und darum ging es doch schließlich.

Daß die Umweltbilanz von so einem Unfug nicht nur dann unerfreulich ist, wenn der Strom nicht aus erneuerbaren Quellen kommt, bleibt außen vor. Denn die Gewinnung der leider unverzichtbaren seltenen Erden Kobald und Lithium erfolgt nicht hier, sondern weit weg. Da werden tausende Tonnen Erde bewegt für kaum ein Kilo Material, was sehr viel Energie kostet und vor Ort auf jeden Fall Natur und Umwelt zerstört. Aber weit weg! Leider ist die Klima-Frage eine weltweite. Aber gut, es geht ja darum, die Erdölindustrie im Geschäft zu halten, und das gelingt ja damit wirklich.

Musterland Norwegen

Norwegen ist ein dünn besiedelter Staat mit 5 Millionen Einwohnern, bergigen Landschaften und vielen Inseln, der sich schlecht für eine durchgehende Eisenbahnerschließung eignet. Daher gibt es 98 Flughäfen mit unzähligen Kurzstreckenflügen, und zwar richtig kurzen unter 200 km. Flugzeuge machen leider Krach mit ihren Explosionsmotoren. Elektromotoren würden diesen Krach nicht machen.

Was macht nun Norwegen, das eben erst gejubelt hat, weil ein Erdölfeld mehr als doppelt so viel Rohöl enthält, als zunächst bekannt war? Es will, natürlich offiziell zur Verbesserung der Klima-Bilanz durch Verringerung des ausgestoßenen Menge an Treibhausgasen, dasselbe machen wie zu ebener Erde. Dort wurde mit massiver Förderung erreicht, daß bereits knapp über die Hälfte der neuzugelassen Autos Elektro- oder Hybridfahrzeuge sind. Bei einiger Ehrlichkeit aber ist der überwiegende Teil hybrid, also mit zwei Motoren, einem Erdölsprittank und gewichtigen Batterien. Macht nichts, die kommen schließlich alle zur Erdöl-Tankstelle! Nun hat die offizielle norwegische Politik das Ziel ausgegeben, auf den Kurzstrecken in der Luft bis 2040 elektrisch zu fliegen. Zwar wird zur Zeit an über 100 Projekten weltweit gearbeitet, doch sind das alles Flugtaxis für ganz kurze Strecken mit 2-4 Passagieren und einem Piloten.

Der slowenische Hersteller Pipistrel hat tatsächlich schon so ein Lufttaxi für zwei schmächtige Passagiere anzubieten. Wie wenig Platz die haben konnte die norwegische Presse kürzlich feststellen, als der Verkehrsminister Ketil Solvik-Olsen sie zu einem Termin bestellt hatte, wo er mit Dag Falk-Petersen, dem Chef des staatlichen Flughafenbetreibers Avinor hineinstieg und zu einer kleinen Runde abhob.

Pipistrel verspricht nun für 2025 einen 30-Sitzer mit Hybridmotor, womit die Erdöl-Branche wieder zufrieden sein kann. Das Ding könnte dann bei Start und Landung elektrisch fliegen und dort keinen Krach machen, dazwischen halt mit Erdölsprit.

In den USA werkelt mit Boeing-Millionenunterstützung die Firma Zunum Aero und verspricht bis 2022 einen 12-Sitzer, der rein elektrisch fliegen soll auf kurzen Strecken. Das wäre dann ein etwas größeres Lufttaxi. Die zu überwindenden Probleme werden klar benannt. Es ist das zum einen die Hitze der Batterien, wenn viel Strom entnommen wird (also ganz besonders beim Start) und die zu erreichende Sicherheit, jederzeit alle Notfallsysteme mit Energie versorgen zu können.

Grober Unfug

Das alles ist grober Unfug. Es macht überhaupt keinen Sinn, das schwere Gewicht der Batterien in die Lüfte zu heben, womöglich noch in Begleitung eines zweiten Motors mit Erdölsprittank. Das macht nur Sinn zur Verlängerung der Profitfähigkeit der Erdölindustrie. Das ist wieder ein Beispiel dafür, daß der real existierende Kapitalismus Forschung, Entwicklung und Innovation nicht fördert, sondern bremst.

Denn der sinnvolle Weg wäre der eigentlich fertig erforschte, den Strom mit Wasserstoff an Bord zu erzeugen. Dann reicht eine kleine Batterie als Puffer für Verbrauchsspitzen und Notfälle. Da Norwegen seinen Strom fast zur Gänze aus Wind, Wasser und Sonne gewinnt, ist die ökologisch korrekte Herstellung des Wasserstoffs ebenfalls kein Problem. Denn bei einer Verallgemeinerung reichen natürlich die für den Anfang überreichlichen 50 Millionen Tonnen, die als Abfall in der Großchemie entstehen. Sie brauchen nur gefaßt anstatt in die Atmosphäre geblasen zu werden. Damit ließen sich wohl 250 Millionen Autos jedes Jahr um 20.000 km bewegen, mehr aber nicht.

Mit Wasserstoff wäre das Gewichtsproblem ebenso gelöst wie das der Hitze, die immerhin schon einige sauteure Tesla-Vehikel in Flammen aufgehen ließ. Mit Wassertoff gäbe es ebenfalls das Feinstaub-Problem nicht mehr und es könnten auch keine Kondensstreifen mehr entstehen. Bloß: Geschäft und Profit der Erdölindustrie sind vorbei.

jmj

Donnerstag 6. September 2018