Gute Ernte, gute Preise

Karschnatz 2018: Getreidebauern mit Qualität und Quantität zufrieden. Mais-, Grünfutter- und Kartoffelanbau litten jedoch unter langanhaltender Trockenheit

Trotz Hitze und Trockenheit sind die Getreidebauern mit der in diesem Jahr bereits Anfang August abgeschlossenen Ernte zufrieden. Bei Mais, Kartoffeln und Grünfutter stellt sich die Situation jedoch – zumindest bis jetzt – deutlich schwieriger dar. So lautet das Fazit des diesjährigen Erntegesprächs mit Ressortchef Fernand Etgen, das am Dienstag in den noch nicht ganz fertiggestellten neuen Anlagen der Agrargenossenschaft Versis und der Lëtzebuerger Saatbaugenossenschaft (LSG) in Colmar-Berg stattfand.

»Die Erträge lagen beim Getreide auf dem Niveau der Vorjahre, die Qualitäten sind überwiegend gut und nicht so regional unterschiedlich wie im vergangenen Jahr«, erklärte Klaus Palzkill von Versis. Bei den Leguminosen (Hülsenfrüchtlern) sei die Anbaufläche jedoch weiter zurückgegangen. In Frankreich und weiter südlich seien die Ernten des Winterweizens sehr ertragreich gewesen, so daß die französischen Getreidebauern »wieder am Markt« seien.

Ihren Kollegen von den Niederlanden über Skandinavien bis ins Baltikum habe das Wetter hingegen sehr schlechte Ernten beschert und auch in Rußland und in der Schwarzmeerregion seien die Ernten mager ausgefallen. Die daraus resultierende Verknappung habe zu deutlich höheren Weltmarktpreisen geführt. So sei der Preis für eine Dezitonne (dt, entspricht 100 Kilogramm oder einem Doppelzentner) von zwölf Euro im Frühsommer 2016 auf derzeit über 19 Euro gestiegen. Da gleichzeitig die Produktionskosten nur leicht gestiegen seien, lägen die Getreideerlöse nun endlich wieder über den Produktionskosten.

Weil auch Landwirte aus dem nahen Ausland ihr Getreide nach Luxemburg bringen, lassen sich die Erträge nicht genau beziffern, allein die LSG habe aber mehr als 8.000 Tonnen angenommen. Zu den Aussichten für die Getreidebauern erklärte Palzkill, er rechne damit, daß die Vorräte weltweit weiter abgebaut werden. In manchen Weltgegenden sei mit Getreideengpässen zu rechnen, die russische Regierung erwäge bereits einen Exportstop. In Nord- und Osteuropa seien auch die Ernteaussichten für Körnermais und Zuckerrüben schlecht, weshalb hier ebenfalls mit steigenden Preisen zu rechnen sei.

Wie LSG-Direktor Steve Turmes weiter ausführte, konnten die luxemburgischen Getreidebauern die Bestellarbeiten im September und Oktober 2017 bei guten Bedingungen durchführen und der niederschlagsreiche Winter sorgte für ausreichende Wasserreserven im Frühjahr. Als dann Ende März das Pflanzenwachstum richtig einsetzte, ließ ein sehr warmer April die Kulturen in ihrer Entwicklung regelrecht explodieren, was für manche Bestände nicht zum Vorteil war.

Im Frühjahr sorgten regelmäßige Niederschläge für ein optimales Pflanzenwachstum, so daß die erste Wintergerste schon Mitte Juni zu den Annahmestellen gebracht wurde. Die Krankheitsbelastung war deutlich höher als im trockenen Vorjahr, konnte aber im Griff gehalten werden. Erträge und Qualitäten des Getreides waren gut, lediglich der Raps enttäuschte vielerorts. Trotz geringer Niederschläge in der Vegetationszeit konnte das Sommergetreide wieder überzeugen. Die diesjährige Getreideernte mußte nicht nachgetrocknet werden.

Kritischer stellt sich die Lage der hiesigen Viehhalter dar. Konnten mit dem ersten und zweiten Schnitt noch ausreichend Reserven für den Winter angelegt werden, stellten die Grünpflanzen wegen fehlender Niederschläge ab Mitte Juni ihr Wachstum ein. Auch der Mais hat die sehr lange Trockenperiode vielerorts nicht gut überstanden; bei der vor zwei Wochen begonnenen Ernte muß mit deutlichen Ertrags- und Qualitätsverlusten gerechnet werden. Minister Etgen rechnet in diesem Jahr mit Verlusten von rund 25 Prozent und Entschädigungen durch die Versicherung in Höhe von zweieinhalb Millionen Euro für die Maisbauern. Die Entschädigungen für Ernteausfälle beim Grünschnitt schätzt Etgen auf eine bis anderthalb Millionen Euro. Wenn es in den nächsten Wochen ausreichend regne, könne sich die Lage aber noch verbessern.

oe

Dienstag 4. September 2018