DP-Mobilität & -Infrastrukturen:

Zahlenspiele und Luftblasen

Irgendwie sind sich die Regierungsparteien nicht einig bei ihrer Bilanz. Wurden für die Gréng 5-6.000 Wohnungen 2017 fertiggestellt, so sind es deren bei der DP eindeutig 6.000, die 2.300 im Jahre 2012 gegenübergestellt werden. Das gehe aus dem Monitoring des Wohnbaupakts hervor.

Letzte Woche haben wir festgestellt, daß es von der Statec nur Zahlen bis 2015 für die Fertigstellung von Wohnungen gibt, aber für die aushaften Wohndarlehen solche bis 2017. Diese steigen aber trotz der bekannten regelmäßigen Teuerung nur linear, was nicht auf einen Sprung bei der Fertigstellung hindeutet.

Wir haben also im angegebenen Monitoring des Wohnbaupakts nachgesehen und wurden auf logement.public.lu bös enttäuscht. Denn daraus geht nur hervor, daß in den 97 Gemeinden von 2017 noch 105 (8 Gemeinden haben sich diesem Pakt nicht angeschlossen) während 10 Jahren 32.837 Wohneinheiten fertiggestellt wurden, von den 71% in Mehrfamilienhäusern waren. Eine Aufschlüsselung für jedes dieser 10 Jahre wird nicht geliefert, weder allgemein noch auf den 97 separaten Formblättern der Gemeinden. Wie aus dem Durchschnitt von 3.283,7 Wohnungen pro Jahr plötzlich 2017 6.000 geworden sein sollen ist damit nicht zu erklären. Dies umso mehr als in einer Presseaussendung am 7.2.2018 mitgeteilt wurde, von 2014 bis 2017 sei es zu +13% bei den fertiggestellten Wohnungen gekommen.

Nachdem die Bevölkerung in den 10 Jahren um 118.206 von 483.799 am 1.1.2008 zu 602.005 am 1.1.2018 zugenommen hat, und sich in diesem Monitoring die Angabe findet, die 32.837 Wohnungen seien im Durchschnitt mit 2,7 Leuten belegt, was 88.660 Menschen macht, haben wir ein zu großes Loch, als daß es die restlichen 8 Gemeinden (Beckerich, Consdorf, Mompach, Septfontaines, Vichten, Waldbillig, Walferdange, Winc­range) hätten füllen können.

Die vermeintliche Erfolgsbilanz ist also eine Bilanz des Scheiterns, wurde doch die zu Anfang des Wohnbaupakts festgestellte Wohnungsnot mit diesem nicht kleiner, sondern größer. Das beabsichtigte und angekündigte Ziel wurde demnach nicht erreicht.

Luftblasen

Die DP will also kein Verkehrsmittel gegen ein anderes ausspielen, sondern dafür sorgen, daß jedes die nötigen Infrastrukturen hat, um die Leute möglichst schnell und komfortabel von A nach B zu bringen. Zusätzlich wird versprochen, den öffentlichen Transport wenigstens gleich schnell und bequem wie das Auto zu machen. Steht das Auto im Stau, das öffentliche Verkehrsmittel aber nicht, so kann letzteres schneller als ersteres sein, wobei ein Stehplatz im Bus nie so bequem sein kann wie ein Sitzplatz im Auto. Steht aber das Auto nicht mehr im Stau und hat auch keine Probleme bei der Parkplatzsuche, die aber der DP gestern keine Erwähnung wert war, kann kein öffentliches Verkehrsmittel gleich schnell wie das Auto sein.

Die DP verspricht zwar, Zug- und Tram-Netz weiter auszubauen, nennt aber nur neue Tramstrecken, wobei sie natürlich nicht darauf hinweist, daß die »schnelle Tram« nach Esch (lustigerweise nicht auf den Belval) nur zwischen Zessingen und Foetz »schnell« sein soll und folglich immer langsamer als ein Auto, das nicht im Stau steht. Ob das die Echternacher lustig finden, eine Tram über Junglinster und Waldhof in die Hauptstadt zu kriegen?

Wobei es der DP nicht einfällt etwas dafür zu tun, daß weniger Leute in die Hauptstadt zur Arbeit müssen. Sie träumt nur davon, zu enge Standspuren auf der Autobahn als dritte Fahrspur zu nutzen oder bei dreispurigen Straßen morgens in Richtung Hauptstadt zwei Spuren freizugeben und dafür abends am Heimweg zwei aus der Hauptstadt heraus. Natürlich ohne diese Straßen aufzuzählen, gibt es deren doch so viel gar nicht.

Die DP steht »komplett hinter dem Mobilitätskonzept und den sektoriellen Leitplänen«, möchte aber von den 81 Projekten im Transportleitplan »etliche« zeitlich vorziehen. Als Beispiel wird die Umfahrung Dippach genannt, die da nur mit »Priorität 3« steht.
Wenn es auch für die Förderung der Elektromobilität die üblichen Luftblasen zu den Ladestationen gab, so führte unser Hinweis, Toyota, Hyundai und Honda produzierten bereits Wasserstoff-Autos und Mercedes habe welche angekündgt, die aber niemand hierzulande kaufen kann mangels Wasserstoff-Tankstelle zum Nachweis von DP-Unkenntnis. Noch nie gehört sozusagen, aber im Wahlprogramm stehe, man sei offen für innovative Verkehrsmittel, aber die DP ist nicht Spezialist von allen Antriebsmitteln. Schade!

Für diese wenig präzisen Luftblasen kann sich niemand etwas kaufen. Leider ist es im Wohnbaubereich gleich. Zwar sollen da alle Kompetenzen in ein Ministerium, damit es schneller zu einer Lösung kommt, wenn ein Teilbebauungsplan durch die fehlende Kapazität einer Kläranlage blockiert werde, was bei über 400 Wohnungen zuletzt vorgekommen sei. Da hätten dann drei Ministerien sich koordinieren müssen, und das habe viel Zeit gekostet. Kann so schlimm nicht gewesen sein, da wir ja im Land sowieso zuwenig Bauarbeiter am Werk haben, aber ups, das Problem kennt die DP auch nicht.

Die Reserven des Pensionsfonds sollen teilweise für den Wohnbau genützt werden, aber nicht mehr so wie früher mal, wo Lohnabhängige einen günstigen Kredit zum Hausbau bekamen, sondern indem der Fonds bauen läßt und über eine »Immobilière sociale« vermieten läßt. Statt daß Leute günstig Kredit kriegen, sollen Vermögende die Möglichkeit bekommen, in einen Bürgerfonds für Wohnbau »zu investieren mit garantiertem Ertrag«. Das soll wohl der Ausgleich dafür sein, daß das Budget des Wohnbauministeriums, das 2014 135 Mio. und 2018 230 Mio. war, 2021 nur auf 240 Mio. steigen soll, also kaum mehr zulege soll als der Inflationsausgleich ausmacht. Wohnbauoffensive geht sich so keine aus!

jmj

Mittwoch 29. August 2018